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Bonjour Sagan

Die Legende Sagan, verkörpert durch die gelungene Interpretation Sylvie Testuds.

Bonjour Sagan

Freitag 27.August 2010 um 20.15 Uhr - Wiederholung: 4.September um 14.30 Uhr - 19/08/10

Françoise Sagan (1935-2004)

Françoise Sagan wurde am 21. Juni 1935 als Françoise Quoirez in Cajarc im südfranzösischen Departement Lot geboren. Als drittes Kind eines wohlhabenden Großindustriellen wächst sie mit ihrem Bruder Jacques und ihrer Schwester Suzanne in Paris in der elterlichen Wohnung am Boulevard Malesherbes auf.

1940 flüchtet die Familie zunächst nach Lyon und mietet dann bis Kriegsende ein Haus in Saint-Marcellin (Vercors), bevor sie 1945 nach Paris zurückkehrt. Nach einem kurzen Aufenthalt im Klosterinternat „Couvent des Oiseaux“, aus dem sie wegen mangelnder Spiritualität verwiesen wird, besucht Françoise den „Cours Hattemer“, eine Privatschule, wo sie Florence Malraux begegnet.

Fasziniert von Rimbauds Illuminations („Leuchtende Bilder“) schreibt Françoise im Sommer 1953 innerhalb von nur sechs Wochen den Roman Bonjour Tristesse, dessen Titel auf ein Gedicht Paul Eluards zurückgeht. Sie sendet das Manuskript zwei Herausgebern. René Julliard reagiert am schnellsten: Innerhalb einer Nacht liest er das Manuskript und beschließt am nächsten Morgen, es zu veröffentlichen. Françoise wählt als Pseudonym den Namen der Prinzessin Sagan, einer Figur aus Marcel Prousts Roman „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“.

Mit leichtem und präzisem Ton schildert Bonjour Tristesse das Liebeserwachen eines ebenso unschuldigen wie durchtriebenen 17-jährigen Mädchens. Sagans Roman wird im Frühjahr 1954 vor dem Hintergrund der erstarkenden Frauenbewegung veröffentlicht. Neun Jahre nach Kriegsende weht ein Hauch von Freiheit durch das Saint-Germain-des-Prés der Existenzialisten.

Die Literaturkritiker preisen den unbeschwerten Stil der noch minderjährigen Sagan, die mit Autoren wie Colette und Radiguet verglichen wird. Für ihren Debütroman erhält sie den renommierten „Prix des Critiques“ und wird von François Mauriac mit Lob überhäuft. Der Roman verkauft sich millionenfach, darunter allein eine Million Mal in den USA. Die junge Françoise wird über Nacht zur Ikone der antibürgerlichen Jugend der 50er-/60er-Jahre und bald auch zur Leitfigur der nonkonformistischen Künstler- und Literatenszene von Saint-Germain-des-Prés. Sie selbst meinte später, mit 18 Jahren und 188 Seiten zu Ruhm zu kommen, sei einer Explosion vergleichbar.
  
1956 erscheint Un certain sourire („... ein gewisses Lächeln“) mit einer Auflage von 500.000 Exemplaren.
 
1957 entkommt Françoise Sagan bei einem schweren Autounfall nur knapp dem Tod. Wieder auf den Beinen, heiratet sie ein Jahr später den Verleger Guy Schoeller, von dem sie nach dreijähriger Ehe geschieden wird.


1958 verfilmt Otto Preminger den Erfolgsroman Bonjour tristesse.
Zur gleichen Zeit kauft Françoise Sagan mit dem Geld eines Kasinogewinns das Herrenhaus „Manoir du Breuil“ in Equemauville bei Honfleur.
  
1959 wird Sagans erstes Theaterstück Château en Suède („Ein Schloß in Schweden“) im Pariser Théâtre de l’Atelier uraufgeführt. Die Autorin begegnet Paola Saint-Just und veröffentlicht, wieder bei Julliard, Les merveilleux Nuages („Die wunderbaren Wolken“). Zusammen mit ihren Freunden Bernard Frank, Florence Malraux und Jacques Chazot führt sie ein ausschweifendes Leben. Schnelle Sportwagen, Glücksspiel, Alkoholexzesse - die Skandalautorin sorgt regelmäßig für Schlagzeilen.
 
1962 heiratet sie Bob Westhoff. Ihr gemeinsamer Sohn Denis kommt am 26. Juni zur Welt.
 
1965 schreibt sie den Roman La Chamade („Chamade“), der von Alain Cavalier verfilmt wurde.
 
1966 hat Le cheval évanoui am Théâtre du Gymnase Premiere.
 
1968 veröffentlicht der Herausgeber Flammarion das Buch Le garde du coeur („Der Wächter des Herzens“) und im darauffolgenden Jahr das Werk Un peu de soleil dans l’eau froide („Ein bißchen Sonne im kalten Wasser“), verfasst von Sagan.

Nach der Trennung von Bob Westhoff im Jahre 1972 veröffentlicht Françoise weiterhin Romane, darunter Des bleus à l’âme („Blaue Flecken auf der Seele“) sowie 1975 den Interviewband Réponses. Bei der Verfilmung ihrer Erzählung Les fougères bleues führt sie zum ersten Mal Regie.
 
Zwischen 1977 und 1983 werden die Werke Le lit défait, Le chien couchant, La femme fardée, Un orage immobile und Avec mon meilleur souvenir veröffentlicht.
 
Im Oktober 1985 erleidet Françoise Sagan bei einer Kolumbien-Reise, auf der sie den Staatspräsidenten François Mitterand begleitete, einen lebensgefährlichen Erstickungsanfall.

Im Februar 1995 wird sie wegen Kokainkonsums und -besitzes zu einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung und zu einer Geldstrafe verurteilt.
 
Im Februar 2002 wird Françoise Sagan im Zusammenhang mit der Schmiergeldaffäre des Mineralölkonzerns Elf wegen Steuerhinterziehung erneut zu einer einjährigen Bewährungsstrafe verurteilt.
 
Am 24. September 2004 stirbt Françoise Sagan in Honfleur an einer Lungenembolie. Finanziell ruiniert hatte sie ihren ganzen Schmuck verkauft. Auch die Urheberrechte an ihren zuletzt erschienenen Büchern gehen direkt an den Fiskus.

Françoise Sagan wird am 28. September 2004 auf dem kleinen Friedhof von Seuzac, nur wenige Kilometer von ihrer Geburtsstadt Cajarc entfernt, beigesetzt.
 
 
© Alexandre Films, 2008

Erstellt: 11-08-10
Letzte Änderung: 19-08-10