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Nuages gris (ungekürzt, Real Audio, 2'15")
Ob man Liszt nun mag oder nicht, man wird nicht leugnen können, dass der Komponist einen bedeutenden Beitrag zur Klavierliteratur des 19. Jahrhunderts geleistet hat. Allerdings bleibt die Frage nach dem Inhalt seiner Musik. Bekannt, weil oft zitiert, ist Schönbergs radikale Kritik an dem von ihm als eher steril empfundenen Werk. In gewisser Weise, wenn auch sehr viel intelligenter und begründeter, vertrat der Komponist der „Verklärten Nacht“ damit eine recht verbreitete Meinung, dass nämlich Liszts Musik, von den technischen und harmonischen Fortschritten einmal abgesehen, ziemlich hohl sei. Wenn man diesen Angriffen ein wenig auf den Grund geht, stellt sich heraus, dass nur die Begründungen etwas voneinander abweichen. Schönberg führt das Problem auf eine tiefere Einsicht des Komponisten zurück: Liszts übergroßer Respekt vor den Dichtern habe ihn daran gehindert, den in ihm selbst steckenden Dichter zu seinem Recht kommen zu lassen. Liszts Zeitgenossen dagegen prangern vor allem die überzogene Virtuosität seiner Kompositionen an.
Merkwürdigerweise haben alle Argumente ihre Berechtigung. Ich sage „merkwürdigerweise“, und zwar aus einem einfachen Grund: Hört man Liszt nämlich wirklich und vorausgesetzt, es handelt sich um eine gelungene Interpretation, dann erreicht seine Musik eine solche Intensität, dass sogar die bestbegründete Kritik in sich zusammenfällt.
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Gilt das nur für Liszt? Zweifellos nein. Aber es sind nur wenige Komponisten bekannt, die sich darin so weit vorgewagt haben wie er und es infolgedessen den Interpreten so schwer machen, diese Musik zum Klingen zu bringen. Das ist keine Frage der Technik, sondern der Vorstellungskraft, der Freiheit und des Muts.
Nichts anderes sagt Marylin Frascone, wenn sie erklärt, die Besonderheit von Liszts Kompositionen bestehe darin, dass sich der Interpret darin durch spontanes, persönliches Einbringen befreien könne. Und genau von dieser ganz persönlichen Herangehensweise ist Marylin Frascones Konzertvortrag geprägt.
Davon zeugt auch diese neue im Konzertsaal aufgenommene CD mit dieser großartigen Interpretation dieser komplexen Musik. Auch die Tonqualität von Transart Live verdient last but not least ein Lob.
Mathias Heizmann







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