Schriftgröße: + -
Home > Film erleben > Kino-News > Kinostart 19. Juni 2008 > Französische Filmwoche

Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

Kino-News

25/09/08

Französische Filmwoche

8. Französische Filmwoche in Berlin, vom 27. Juni bis 3. Juli

Weitere Artikel zum Thema

Bereits zum achten Mal brachte die Französische Filmwoche die neuesten französischen und französischsprachigen Filmproduktionen nach Berlin, eine Auswahl natürlich nur. 14 Filme quer durch alle Genres gab es im Cinema Paris und im Filmtheater am Friedrichshain zu sehen. Viele Filmemacher sind angereist, um dem zumeist französischsprachigen Publikum ihren Film persönlich vorstellen zu können. Eröffnet wurde die Filmwoche mit der lange erwarteten Verfilmung des Romans 39,90 von Frédéric Beigbeder, unter der Regie von Jan Kounen. Dieser schickte der Projektion eine Synopsis in fließendem Englisch voraus, in der er klar machte, dass er nichts beschönigen wolle, denn "die Wahrheit landet ohnehin in deinem Gesicht wie ein verflixter Bumerang". Damit hatte er nicht zu viel versprochen. Eng angelehnt an das gleichnamige Buch beginnt der Film. Der (un)sympathische Hauptprotagonist Octave Parango (Jean Dujardin), einer der bestbezahlten Werbetexter seiner Branche stellt sich mit folgenden Worten vor: "Ich bin der Typ, der Ihnen Scheiße verkauft. Der Sie von Sachen träumen lässt, die sie nie haben werden." 39,90 könnte man vorwerfen oberflächlich zu sein. Aber der Film karikiert gelungen die Ästhetik des Werbemilieus, indem er diese benutzt und vorführt.

 

Auf eine völlig andere Weise nähert sich der bereits auf vielen Festivals gefeierte LA GRAINE ET LE MULET, der auf Deutsch den etwas blassen Titel COUSCOUS MIT FISCH trägt. In bisweilen geradezu dokumentarisch anmutender Weise befasst sich der aus Tunesien stammende, in Frankreich lebende Regisseur Abdellatif Kechiche mit dem Schicksal des 60-jährigen Beiji. Nach über 35 Jahren als Hafenarbeiter wird diesem von einem Tag auf den anderen gekündigt und er muss sehen, wie er zurecht kommt. Doch mit der Hilfe seiner großen Familie - die alle mehr oder minder freiwillig mit anpacken - gelingt es ihm, ein Restaurant zu eröffnen. Die Thematik und Umsetzung erinnert an den sozialkritischen Realismus britischer Filmemacher wie etwa Mike Leigh oder Ken Loach. COUSCOUS MIT FISCH ist ein sehr gut beobachteter Film, der die Spannungen, die Animositäten und Eifersüchteleien innerhalb der Familie und der Freunde bloß legt, der die nach außen hin aufrecht erhaltene Fassade gnadenlos hinterfragt. Zu Recht räumte der Film bei der César-Verleihung gleich vier Preise ab: Für den Besten Film, die Beste Regie, die Beste Nachwuchsschauspielerin und das Beste Original Drehbuch. Kechiche: "Ich erzähle die Geschichte von Leuten, die alle aus demselben Milieu stammen. Aber dennoch kann sich jeder mit ihnen identifizieren. Ich wollte so aufrichtig wie möglich sein, indem ich mit Menschen arbeitete, die keine professionellen Schauspieler waren."

 

Ganz vorsichtig nähert sich WATER LILIES den Gefühlen der 15-jährigen Marie, die sich zum ersten Mal verliebt. Aber nicht in irgendwen, nein, ausgerechnet in die frühreife Floriane, die scheinbar nur auf Jungs steht und einen zwiespältigen Ruf im Schwimmverein besitzt. Aber Marie lässt sich nicht beirren, sie folgt dem Ruf ihres Herzens und macht die unglaublichsten Dinge um sich mit Floriane anzufreunden. Ihre Rechnung scheint aufzugehen, aber nicht ganz so, wie sie sich das gedacht hat. Die Regisseurin Céline Sciamma hat an der berühmten Filmhochschule Femis in Paris Drehbuch studiert. WATER LILIES ist ihr Debütfilm. Bei der Verleihung des französischen Filmpreises in Paris wurde die Grande Dame des französischen Kinos Jeanne Moreau, die vor kurzem ihren 80. Geburtstag feiern durfte, mit einem César für ihr Lebenswerk geehrt. Sie reichte den Preis für ihre 60 verdienstvollen Jahre im Filmgeschäft weiter an ihre junge Kollegin Céline Sciamma, die für ihr Erstlingswerk nominiert worden war.

 

SO IST PARIS, der in Deutschland am 17. Juli starten wird, war ein großer Erfolg in seinem Heimatland Frankreich. Es ist eine bisweilen etwas verklärte Liebeserklärung des Regisseurs Cédric Klapisch, der nach seinen kommerziell sehr erfolgreichen Ausflügen nach Barcelona (L'AUBERGE ESPAGNOL - BARCELONA FÜR EIN JAHR) und nach St. Petersburg (L'AUBERGE ESPAGNOLE - WIEDERSEHEN IN ST. PETERSBURG) in seine  Lieblingsstadt zurückkehrt. In der heimeligen Liebeskomödie um ein krankes und einige einsame Herzen geben sich die erste Garde der französischen Schauspieler die Ehre, u.a. Juliette Binoche und Fabrice Luchini.

 

Um die Genrevielfalt der französischen Filmwoche abzurunden, nimmt der Belgier Benoît Mariage in seinem Film COWBOY den Zuschauer mit auf ein sehr seltsames Roadmovie quer durch Belgien. Bereits zum dritten Mal arbeitet der ehemalige Reporter mit seinem Freund Benoît Poelvoorde zusammen. Der TV-Crashtestmann Daniel Piron will das Idol seiner Jugend wieder finden, Tony Sacchi. Der hatte zwanzig Jahre vorher einen Bus mit Schulkindern darin entführt in einem Akt gegen das herrschende System. Nun sucht Daniel Tony Sacchi auf, der als Gigolo sein Leben fristet. Der ist wenig begeistert, lässt sich aber schließlich dennoch überreden, gemeinsam mit seinen ehemaligen Entführungsopfern eine absurde Reise in die Vergangenheit anzutreten.

 

Ebenfalls zu sehen war der diesjährige Gewinner der Goldenen Palme in Cannes, ENTRE LES MURS/ DIE KLASSE. Er berichtet über den tragischen bis komischen Alltag eines Lehrers in einem Pariser Problemviertel. Die diesjährige Filmwoche gewährte einen interessanten Querschnitt aktueller, zumeist kommerziell sehr erfolgreicher Filme, die bereits auf diversen Festivals ausgezeichnet worden sind. Wer wissen will, welche französischen Filme aktuell in deutschen Kinos laufen, ist gut beraten, bei www.cineclic.de zu recherchieren.

 

Nana A.T. Rebhan

Erstellt: 01-07-08
Letzte Änderung: 25-09-08