Die Frauen waren aktiv am Krieg gegen Hitler-Deutschland beteiligt, als Sanitäterinnen und Ärztinnen sogar bei den kämpfenden Truppen. Sie schlossen sich der Widerstandsbewegung „France Libre“ (Freies Frankreich) an, die General de Gaulle im Londoner Exil gegründet hatte. Einige leiteten Widerstandsgruppen, Marie-Madeleine Fourcade z.B. die Gruppe „Alliance“, doch das war eher die Ausnahme. 53 Frauen, darunter fünf aus der gaullistischen Widerstandsbewegung, wurden von der Sonderabteilung „Special operations executive“ (im Juli 1940 von Churchill eingerichtet) im Fallschirm auf französischem Boden abgesetzt, um Informationen über die Besatzer zu sammeln. Frauen aus Nordafrika wiederum agierten im Nachrichtenapparat. Sie wurden festgenommen und nach Ravensbrück deportiert. Auch im zivilen Widerstand hatten die Frauen eine Schlüsselfunktion. Dank ihrer gewohnten Hausfrauen- und Mutterrolle konnten sie unauffällig die Verbindung zu Widerstandsgruppen halten: die Logistik absichern, Unterschlupf und Essen für die in den Untergrund abgetauchten Männer gewähren und viele andere Aufgaben übernehmen.Hat es lange gedauert, bis man diese Rolle nach dem Krieg anerkannte? Haben die männlichen Résistance-Kämpfer alles für sich beansprucht?
Das ist eine heikle Frage. Als die Résistance-Medaillen verliehen wurden, schlugen die Anführer der Widerstandsgruppen und –bewegungen nicht gerade besonders viele Frauen vor. Aber die Frauen kamen meist auch gar nicht auf die Idee, dass ihnen gleichermaßen eine Auszeichnung zustünde, viele kehrten sang- und klanglos an den heimischen Herd zurück. Und die Männer dachten schlicht und einfach nicht daran, die Frauen für ihre Leistungen zu ehren. Man muss natürlich auch das Geschlechterverhältnis der damaligen Zeit berücksichtigen und darf nicht die heutigen Maßstäbe anlegen. Der Beitrag der Frauen zum Widerstand war durchaus bekannt, geriet aber in Vergessenheit. Unmittelbar nach dem Krieg legten berühmte Frauen Zeugnis über ihre Résistance-Tätigkeit ab: Marie-Claude Vaillant-Couturier, Geneviève Anthonioz-de Gaulle, Élisabeth Terrenoire u.a. Die Geschichte der Résistance-Kämpferinnen ist nicht völlig in Vergessenheit geraten, sie stellt eher einen weißen Fleck dar. Doch heute wird sie nach und nach aufgearbeitet: So war die im Jahr 2001 gemeinsam von der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin und dem Mémorial Leclerc/Musée Jean Moulin in Paris veranstaltete Tagung „Frauen im Widerstand in Frankreich“ von großer Bedeutung, weil sie viele Geschichten zutage förderte. Einige Beispiele: Auch nach der Verhaftung kämpften die Widerstandskämpferinnen weiter, so die Frauen im Pariser Gefängnis „La Santé“, die trotz der Haft miteinander in Verbindung blieben. Ein weiteres Thema, über das Unkenntnis herrscht, ist der Beitrag deutscher Frauen zum Widerstand gegen die Nazis, sowohl in Deutschland als auch in Frankreich. Deutsche Frauen entschieden sich oft aufgrund ihres starken politischen Engagements für die schwierige Flucht ins Exil. Dort wurden einige in die deutschen Besatzungstruppen eingeschleust, um die Résistance über deren Aktivitäten zu informieren.
Welchen Handlungsspielraum hatten deutsche Widerstandskämpferinnen in ihrer Heimat selbst?
Ihre Möglichkeiten waren noch begrenzter als die in Frankreich. Sie konnten beispielsweise Nachrichten an die Außenwelt weitergeben oder die Familien von Verhafteten unterstützen. Und schließlich war es auch eine Frau, die den Befehl von General Olbricht tippte, mit dem die Operation „Walküre“ ausgelöst wurde, d.h. das Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944. Die große Mehrheit der deutschen Widerstandskämpferinnen wurde hingerichtet, die meisten von ihnen im Gefängnis Berlin-Plötzensee.
In Frankreich erhielten die Frauen 1944 das Wahlrecht – wurde damit ihr Engagement in der Résistance anerkannt?
Das klingt in der Erklärung durch, die General de Gaulle im Frühjahr 1942 an die Résistance-Bewegungen schickte: „Wenn erst einmal der Feind von unserem Gebiet verjagt ist, sollen alle Männer und alle Frauen unseres Landes die Nationalversammlung wählen. (...).“ Das ist sicher keine stilistische Ungeschicklichkeit. Die Rolle der Frauen während des Krieges wurde nach dem Krieg auch durch ihre Eingliederung in die Armee honoriert, ein Gebiet, auf dem Frankreich weit zurück war.Haben sich im Zuge der Befreiung Frankreichs nicht einige politische Parteien weiblicher Persönlichkeiten bedient, um ihre Anhänger hinter sich zu scharen?
Die Kommunistin Danielle Casanova wurde von der KPF (Kommunistische Partei Frankreichs) zweifellos zur Résistance-Märtyrerin gemacht. Sie war am 24. Januar 1943 in einem Konvoi mit 230 Résistance-Kämpferinnen direkt nach Auschwitz deportiert worden und dort im Frühjahr 1943 an Typhus gestorben. In Paris wurde bereits im Oktober 1944 eine Straße nach ihr benannt. Ebenso wie nach Bertie Albrecht von der Gruppe „Combat“. Damit wollte der Pariser Stadtrat zeigen, dass man an die Frauen dachte. Übrigens wurde Bertie Albrecht häufig zu Unrecht lediglich als „Sekretärin“ von „Combat“-Chef Henri Frenay angesehen. Tatsächlich aber war sie seine Mentorin und Mitbegründerin der Bewegung! Im Grunde genommen hat sie „Combat“ eine gewisse politische Dimension verliehen. Die Heroisierung von Danielle Casanova und Bertie Albrecht wurde ergänzt durch das Engagement und die Äußerungen überlebender Zeitzeuginnen wie Lucie Aubrac, Marie-Claude Vaillant-Couturier (die in Nürnberg als Zeugin aussagte), Marie-Jo Chombart de Lauwe, Germaine Tillion, Geneviève Anthonioz-de Gaulle, Madeleine Riffaud u.a. Es ist schwer, Namen zu nennen, denn ich will niemanden vergessen!
Das Interview führte Thomas Baumgartner
Christine Levisse-Touzé ist Direktorin des Mémorial du maréchal Leclerc de Hauteclocque et de la Libération de Paris/ Musée Jean-Moulin de la Ville de Paris und lehrt als Assoziierte Forschungsdirektorin an der Paul Valéry-Universität in Montpellier. Sie ist Herausgeberin bzw. Mitherausgeberin von Werken wie Les femmes dans la Résistance en France (Actes du colloque, Tallandier, 2003), Des Allemands contre le nazisme, 1933-1945 (Albin Michel, 1997), Paris 1944, les enjeux de la Libération (Albin Michel, 1994).






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