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Ausstellung des Monats in Deutschland - 25/01/10

Fremde? Bilder von den „Anderen“ in Deutschland und Frankreich seit 1871.

Die Frage der nationalen Identität ist eng verknüpft mit der Wahrnehmung des „Anderen“. Mit der Herausbildung der Nationalstaaten im 19. Jahrhundert wurden sowohl in Deutschland als auch in Frankreich wirkmächtige Fremdbilder geschaffen, die in einem spannungsvollen Gegeneinander zu den jeweiligen nationalen Selbstdeutungen standen.

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Eine Ausstellung im Deutschen Historischen Museum, entstanden in Kooperation mit der Cité nationale de l’histoire de l’immigration, Paris, widmet sich dem Bild vom Fremden seit 1871 im deutsch-französischen Vergleich. Im Mittelpunkt stehen Stereotype über Juden, Ausländer oder den kolonialen „Fremden“ - und natürlich über Deutsche und Franzosen.

Wichtige Entwicklungsschritte bezeichnen den ersten Zeitabschnitt 1871-1914: in Deutschland die Gründung des als Fortsetzung mittelalterlicher Reichsbildungen verstandenen Deutschen Kaiserreichs und der beginnende, zunehmend rassistisch legitimierte Antisemitismus. Hinzu trat eine anthropologische Erfassung des kolonialen „Fremden“, dies auch in Frankreich. Dort hatte sich die Dritte Republik etabliert. Die Wirtschaftskrise (1873-1896) begünstigte Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus. Ausländer wurden in der Presse als Spione verdächtigt.

Hass diesseits und jenseits des Rheins

Im Ersten Weltkrieg wurde in Deutschland eine bedingungslose „nationale Einheit“ beschworen, die „Volksgemeinschaft“. Rassismus prägte das Bild vom militärischen Gegner. In Frankreich bildete sich das alles bestimmende Feindbild der Deutschen, der „Boches“ heraus, dem das Bild der befreundeten „Alliierten“ gegenüberstand. Auf die Besetzung des Rheinlands durch Frankreich 1919 reagierten wiederum die Deutschen mit Franzosenhass. Doch die Zwischenkriegszeit schuf auch eine neue Öffnung, etwa das kosmopolitische Berlin mit seinen zahllosen Zuwanderern aus dem kommunistischen Russland.
Ein Schwerpunkt der Ausstellung wird durch die NS-Zeit und den Zweiten Weltkrieg gebildet. Der Rassismus der Nationalsozialisten schuf eine „Herrenrasse“ und systematisch entrechtete „Artfremde“, Grundlage der Judenvernichtung. Das Feindbild „Bolschewismus“ sollte den Angriffskrieg legitimieren. Frankreichs faschistisches Vichy-Regime übernahm den NS-Rassismus, wobei Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit auch schon zuvor verbreitet war.

Kein Platz für Fremde auch nach dem Zweiten Weltkrieg?

Nach dem Krieg bewältigte Deutschland die Integration der Millionen von Vertriebenen, doch seit den 60er Jahren schlug den vermehrt ins Land strömenden „Gastarbeitern“, vor allem Türken, gesellschaftliche Ablehnung entgegen. In Frankreich wurden viele Ausländer für den Wiederaufbau gebraucht und daher willkommen geheißen, einzig den Zuwanderern aus dem Maghreb galten gesellschaftliche Anfeindungen und Nichtanerkennung.

Die Ausstellung schlägt so einen großen Bogen und zeigt die Wurzeln von Problemen, die noch heute die deutsche und französische Gesellschaft bestimmen.


Dr. Heike Talkenberger


In Kooperation mit dem Magazin DAMALS

Erstellt: 04-01-10
Letzte Änderung: 25-01-10