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07/04/06

Friedensstifter Religion - Teil 2

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- Nach der Schreckensherrschaft von Pol Pot lag Kambodscha 1979 am Boden, zerrissen und zerstört. Da machte sich der buddhistische Mönch Maha Ghosananda daran, der Gewalt und dem Bürgerkrieg zu trotzen: Er besuchte Flüchtlingslager und baute Tempel und Klöster wieder auf, er versuchte die weitgehend ausgerottete Mönchsgemeinschaft ebenso wieder mit Leben zu erfüllen wie das religiöse Leben in der Öffentlichkeit. Er vermittelte den Menschen nach Jahrzehnten der Gewalt wieder Hoffnung auf eine friedliche Zukunft. Am jährlichen ‚Pilgermarsch des Friedens’, angeführt von Maha Ghosananda, nehmen Zehntausende teil. Sie werden in Gewaltlosigkeit geschult und tragen die Idee der Versöhnung in das ganze Land.

- Während Gandhi Weltruhm genießt, ist einer seiner Mitstreiter völlig vergessen. Khan Abdul Ghaffar Khan war ein tief religiöser Moslem. Er wollte einfach Gott dienen, was für ihn hieß, seinen Mitmenschen zu dienen. Schon vor Gandhi begann er eine intensive Erziehungs- und Sozialarbeit in der Nordwest-Provinz der damaligen Kolonie Britisch-Ostindien. 1930 gründete er die ‚Armee der Diener Gottes’ – streng hierarchisch, streng islamisch, und radikal gewaltlos. Gewaltlosigkeit war dabei nicht nur Methode im Widerstand gegen die Besatzer, sondern eine allgemeingültige Lebenshaltung. Die bis zu 300.000 ‚Diener Gottes’ praktizierten Gleichberechtigung der Geschlechter, Toleranz gegenüber Andersgläubigen und verpflichteten sich zu täglich zwei Stunden Nachbarschaftshilfe. Zigtausende wurden für ihren friedlichen Einsatz umgebracht: Zuerst von britischen Kolonialherren, dann von den Herrschern im neu gegründeten Pakistan, denen Abdul Ghaffar Khan und seine Mitstreiter nicht moslemisch genug waren!

- In Mosambik vermittelten Vertreter der katholischen Laienbewegung Sant’ Egidio zwischen den Bürgerkriegsparteien. Was vorher für unmöglich gehalten wurde und woran viele gescheitert waren, sollte ihnen 1992 gelingen: ein Friedensabkommen, das die Gewalt beendete und zur Demokratisierung führte.

- Die Waffenstillstandserklärung der baskischen Separatistenorganisation ETA kam im März 2006 nicht so überraschend, wie es scheinen konnte. Ihr waren intensive Bemühungen des irischen Paters Alec Reid vorausgegangen, der zuvor schon die irische Untergrundarmee IRA dazu bewegen konnte, ihre Waffen niederzulegen.

Dergleichen Beispiele gibt es noch viele mehr, von A wie Albanien bis Z wie Zimbabwe. Sie machen das Friedens-Potential deutlich, über das die Religionen verfügen. Ob Kriege, Bürgerkriege, Widerstand gegen Besatzer oder Diktatoren, gesellschaftliche Versöhnung: Sehr oft waren es religiöse Akteure, die zur Vermeidung oder Beendigung von Gewalt beitrugen, die zwischen Kontrahenten vermittelten, die statt einer gewaltsamen eine konstruktive Konfliktbearbeitung einführten.

Religiöse Akteure gelten vielfach als unabhängig, als uneigennützig, als vertrauenswürdig. Durch ihre Verankerung in einer Gesellschaft kennen sie deren Probleme von innen, verstehen sie Konflikte, sind den betroffenen Menschen nahe und teilen vielleicht deren Schicksal. Trotz aller Gewaltexzesse, die im Namen einer Religion schon verübt wurden und werden, genießen Religionsvertreter häufig einen Vertrauensbonus. Aufgrund dieser Eigenschaften sind sie als glaubwürdige Vermittler geeignet und werden akzeptiert. Zudem agieren sie zumeist im Stillen, hinter den Kulissen, scheuen das Rampenlicht internationaler Medien. So können Verhandlungen in geschütztem Raum stattfinden, Kontrahenten riskieren keinen öffentlichen Gesichtsverlust. Diese Diskretion kann ein entscheidendes Element der Vermittlung sein und gilt oft über die konkrete Konfliktregelung hinaus. Eben deswegen erfährt die Öffentlichkeit auch so wenig über das vielfältige Engagement und die beachtlichen Erfolge religiöser Friedensakteure: Menschen aller Religionen und Kulturen, die ihren Glauben auf faszinierende Weise praktizieren!

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Erstellt: 07-04-06
Letzte Änderung: 07-04-06