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Warum aber dann lieber Vermeer als zeitgenössiche Medienkunst, die doch eben solche Algorithmen oft visualisiert und thematisiert? "Kunst sollte sich nicht über die Bildinhalte definieren, sondern über die bildgebenden Verfahren und die verborgenen Prozesse", meint Kittler, der in den Vermeer'schen Portraits einen konstanten Algorithmus bewiesen sieht: "Er hat immer im gleichen Zimmer mit verschiedenen Abständen durch eine Camera Obscura gemalt, und dadurch für diese Zeit untypische Licht- und Unschärfe-Effekte erzielt. Und selbst heute noch ist es für Programmierer schwer, trotz hochentwickelter Software jene Phänomene der Welt zu berechnen und optisch zu simulieren – wie zum Beispiel einfallendes Licht oder Reflexe auf einer Wasseroberfläche." Nach Kittler wäre so also eher der Programmierer der Effekte im "Titanic"-Film der Künstler, welcher die maschinellen Algorithmen der physikalischen Realität näherbringt – und weniger der Medienkünstler, der jene Maschinen anwendet, um Algorithmen der Kommunikationsmedien zu visualisieren und zu reflektieren. Denn, so Kittler, "es gibt Verbindlichkeiten für des Schöne in der Kunst." Dagegen sei "unsere durchschnittliche menschliche Kommunikation nichts, was eine Verdopplung rechtfertigt." Bildschirm-gestützte HTML-Computerkunst, als "Wiederauferstehung der käuflichen Kunst nur mit anderen Mitteln", interessiert ihn also nicht: "Das kann ja schon jedes Kind!"Künstler wären dann eher der Mathematik und Informatik kundige Tüftler, die selbst in simpler Programmiersprache wie "C" erreichten, dass eine Gitarre ganz allein innerhalb eines Tages das Blues-Spielen lernt. Ohne dass damit nun eine nur handwerkliche Bastel-Kunst gemeint wäre: "Wer seinen Computer noch nie aufgschraubt hat, dem traue ich einfach nicht." Die meisten Medienkünstler auf der Transmediale mögen mit Kittlers Position Schwierigkeiten haben, denn mehrheitlich geht es ja um ein Nachdenken über Medienkultur, und weniger um einen Wettstreit mit Ingenieuren oder Informatikern.
Dagegen sucht Kittler in der Kunst heute, womöglich vergeblich, nach Genies mit ebenbürtiger Reichweite wie Leon Battista Alberti mit seinem Beitrag zur Erfindung der Perspektive: "Es gibt viele, die lernen können, korrekt perspektivisch zu malen, aber es brauchte ein Genie wie Battista Alberti, um sie zu erfinden! Man muss etwas Genialisches erfinden – und dann folgende diese Lämmerscharen von Nachahmern, die diese Prinzipien dann anwenden!" So hat er auch mit einem traditionellen und oft gescholtenen Begriff des schönen und erhabenen Kunst-Werks keine Probleme und vermutet, dass es universelle, generative Prozesse dafür geben mag. Statt unendlich anmutende Algorithmen darzustellen, sollten diese Erkenntnisse verwendet werden, um formal neue Wege zu öffnen: "Aufgabe der Kunst ist, das unendlich Ewige in der Endlichkeit der Kunst zu zeigen!"
Das FestivalTransmediale 07 - "Unifinished"
vom 31. Januar bis zum 04. Feburar 2007
in Berlin
>> Offizielle Website der Transmediale






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