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14/01/05

Frühling, Sommer, Herbst und Winter... und Frühling

Ein Film von Kim Ki Duk


Mit BOM, YEOREUM, GAEUL, GYEOWOOL, GEURIGO, BOM
ist Kim ki-duk ein Meisterwerk gelungen

Synopsis

Wenn es ein Regisseur versteht, den Zuschauer bei Anblick eines kleinen toten Fisches, der gerade an der Quälerei eines Mönchs-Zöglings zugrunde ging, zum Weinen zu bringen, dann muss er sein erzählerisches Handwerk ziemlich gut verstehen. Vier Jahreszeiten lang zeigt Kim Ki Duk das fiktive Leben eines Mönches, dessen Pagode mitten auf einem See steht, umgeben von einer archaischen Berglandschaft. Zunächst zeigt er einen alten Mönch, der seinem jungen Schüler streng, aber weise auf das Leben und seine Tätigkeit als Mönch vorbereitet. Als junger Erwachsener – im Sommer seines Leben angekommen – verliebt der Mönch unter den Augen seines in die Jahre gekommenen Lehrers in ein Mädchen und folgt ihr schließlich in die Stadt.

Einige Jahre später – zur herbstlichen Jahreszeit – kehrt er zurück. Blut klebt an seinen Fingern, denn er hat aus Eifersucht seine Frau und ihren Liebhaber erstochen. Der inzwischen uralte Mönch bringt ihn zurück auf den Weg der Tugend, bis er von der Polizei abgeführt wird. Schließlich kehrt der erwachsen gewordene Mönch mitten im Winter in den verwaisten schwimmenden Tempel zurück. Dort wird er selbst zum Lehrer eines neuen Zöglings. Mit großer Schlichtheit, großartig fotografierten Bildern schafft Kim Ki-Duk in eine archaische Welt voller Tiefe, Weisheit und Poesie- Seelentrost nicht nur für graue Wintertage.



Die Kritik zum Film

Mit seinen letzten Filmen ADRESS UNKNOWN, DIE INSEL und BAD GUY schockierte der koreanische Filmemacher Kim Ki-duk häufig durch seine sehr kompromisslose Auseinandersetzung mit den Themen Gewalt und Sexualität. Sehr sensiblen Menschen war es nicht anzuraten, seine Werke zu sehen, denn seine Bilder brutaler Gewalt haften auf ewig in der Erinnerung. In seinem neuesten Film ist es ihm nun gelungen, die gleiche Intensität zu erreichen, aber auf das Zeigen der schockierenden Momente völlig zu verzichten.

Kim Ki-duk erzählt mit Hilfe von zwei Mönchen eine universelle Geschichte des Menschseins. Er bindet die einzelnen Stadien der Menschwerdung in den natürlichen Rhythmus der vier Jahreszeiten ein. Im Frühling erlebt der ca. 6-jährige Mönch ein Stadium der Unschuld, in dem er trotzdem Unrecht an Tieren begeht, für das er ein Leben lang die Schuld mit sich herumtragen wird. Im Sommer lernt der 17-jährige Mönch die Liebe kennen, doch sie währt nicht ewig. Aus Hass und Neid ermordet er die Frau, die er einst liebte, und muss nun (im Herbst) gegen seine inneren Dämonen kämpfen. Im Winter ist er innerlich gereift, ist Mensch geworden, und kann nun seiner Aufgabe nachkommen, im nächsten Frühling einen kleinen Mönch auf den richtigen Weg zu bringen ...

Kim ki-duk hat BOM, YEOREUM, GAEUL, GYEOWOOL, GEURIGO, BOM in einer höchst idyllischen Umgebung angesiedelt. In einem vor Hunderten von Jahren künstlich angelegten - von anderen Menschen völlig abgeschiedenen See - , in North Kyungsang, einer Provinz in Korea. Seine sehr wortkarge Geschichte - die auch in der Ausstattung sehr präzise und reduziert ist - verdichtet das Leben des Mönchs auf wenige prägnante Momente, die doch alles über ihn erzählen. Mit BOM, YEOREUM, GAEUL, GYEOWOOL, GEURIGO, BOM ist Kim ki-duk ein Meisterwerk gelungen.
Nana A.T. Rebhan

Mit seinem Film "BOM, YEOREUM, GAEUL, GYEOWOOL, GEURIGO, BOM" wollte Kim Ki-duk offensichtlich die Härte und Gewalttätigkeit seiner früheren Filme hinter sich lassen und, ganz dem Beispiel von Takeshi Kitanos Film "Dolls" folgend, sich mit seiner eigenen Kultur und ihren hervorstechenden Merkmalen beschäftigen. Für sie sind die Religion und das Leben der Mönche, die im Rhythmus der sie umgebenden Natur leben und sich in sie einfügen, geradezu emblematisch.

Der schmerzliche Lernprozess eines jungen, mit seinem Meister lebenden Mönchs wird in vier Bildern gezeigt, die den vier Jahreszeiten folgen: der Frühling als die Zeit des Kindes, das bestraft wird, weil es im Spiel Tiere gequält hat; der Sommer als Symbol der Jugend und der verbotenen Liebe; der Herbst als Zeit des Erwachsenseins, der gleichzeitig den Tod, angefangen vom Tod des Meisters parallel zu dem von seinem Schüler im Affekt begangenen Mord ankündigt; der Winter mit seinen Anzeichen des Alters und der Einsamkeit, aus denen schließlich die Wiedergeburt folgt.

Kim ki-duk kombiniert in seinem Film, der den Zuschauer zu einer Art exstatischer Kontemplation einlädt, den ausgeprägten Ästhetizismus der Bilder mit einer besonderen Aufmerksamkeit für Geräusche und Töne: die seiner meist schweigsamen, mitunter jedoch auch unzufrieden schimpfenden Akteure einerseits und der Natur mit ihren fallenden Regentropfen und den sich bewegenden Blättern andererseits. Die Methode ist nicht neu, doch nichts beeinträchtigt die umfassende Vision dieser Reise in die Zeit: Kim Ki-duk vermeidet jede Übertreibung, er weiß, wie weit er gehen kann und verfolgt unbeirrt im Takt eines schlagenden Herzens seinen gleichmäßigen Rhythmus.

Die Zuschauer waren in Locarno 2003 von dieser perfekten Ausgewogenheit tief beeindruckt und bereiteten dem koreanischen Regisseur wahre Ovationen.
Olivier Bombarda

Das Bonusmaterial

Mit einer Hörfilmfassung für Blinde leistet Arthaus Pionierarbeit. Immer noch kennen nur wenige die Besonderheiten des filmischen Erzählens für Blinde – auch für Sehende interessant. Als Bonus enthalten ist auch der alternative Schluss des Films, den Kim Ki-Duk wohl deshalb nicht verwendet hat, weil er allzu deutlich die Kreisbewegung des Lebens unterstrich. Schön ist er trotzdem anzusehen. Das Making Of lässt trotz fehlender Untertitel interessante Rückschlüsse auf die Arbeitsweise des 44-jährigen koreanischen Regisseurs zu, der einst in Paris Student der Bildenden Künste war: relativ einfache Technik, kleines Team, viel Spaß! Kim Ki Duk selbst schlüpft am Ende bei Minusgraden in die Rolle des asketisch mit freiem Oberkörper trainierenden muskulösen Mönches, der in der Einsamkeit der Natur zu sich selbst zurückgefunden hat.
Martin Rosefeldt
Frühling, Sommer, Herbst und Winter... und Frühling
Regie und Drehbuch: Kim Ki Duk
Darsteller: Kim Ki Duk u.a.
Südkorea/BRD, 2003, 103’


Sprachen: Deutsch/Koreanisch (Dolby Digital 5.1.)
Untertitel: Deutsch
Hörfilmfassung für Blinde
Extras: Hörfilmfassung, Alternatives Ende, Behind the Scenes (Making Of, Trailer)

Erstellt: 21-12-04
Letzte Änderung: 14-01-05