"Australia" könnte man den neuen Roman von Garry Disher betiteln. Denn weit greift der Autor aus ins Land, vielfältig sind die Charaktere, die er dort findet: vom Gauner mit Ehre im Leib über den ernüchterten Landarzt bis zur ehemaligen Dorfschönen. Inspector Hal Challis sitzt diesmal am einen Ende Australiens am Sterbebett seines Vaters und wird von Erinnerungen - und alten Schulfreunden - heimgesucht. Am anderen Ende muss Ellen Destry als seine Stellvertreterin nach einer verschwundenen Zehnjährigen und einem Leck im Team suchen. Schnell entstehen Gerüchte um einen Pädophilenring, die Polizei- und Politikoberen sind aufgeschreckt. Aber dann wird das Mädchen lebend gefunden und ist es den Männern nicht mehr so wichtig, den Missbrauch aufzuklären. Auch die Polizei muss sparen, DNA und andere Beweismittel werden ohnehin schon von einer privaten Firma ausgewertet, das ist billiger. Dishers Krimis sind lebensnah und im Guten und Bösen menschlich: Sie erzählen vom kleinen und großen Versagen, kleinen und großen Verbrechen. Und von kleiner und großer Courage.
Sylvia Staude/Frankfurter Rundschau, Juni 2009
KrimiWelt-Bestenliste Juli 2009
Garry Disher ist wieder einmal dabei, die schönen Poster, die bei der Erwähnung Australiens in unseren Köpfen spuken, zu demolieren. Statt der unberührten Weite der Landschaft und der Großartigkeit der Natur entwirft Disher ein ganz anderes Bild von Australien, in dem es auch nicht besser zugeht als sonst wo auf dem besiedelteren Teil der Welt. Inspector Hal Challis hat sich Urlaub genommen, um seinen todkranken Vater die letzten Tage zu begleiten. Seine Stellvertreterin Ellen Destry wird indessen mit dem Verschwinden eines Schulmädchens konfrontiert. Alle vagen Spuren erweisen sich als Sackgassen, die Leute sind beunruhigt, weil Gerüchte von einem Pädophilenring auftauchen. Gleichzeitig ist die Polizei mit brutalen Machtspielen im Slum von Mornington konfrontiert. Der örtliche Gangsterboss pflegt nicht nur die Zivilisten einzuschüchtern. Und als sein Neffe in eine Falle der Polizei gerät und von dieser vorsätzlich erschossen wird, starten die Beteiligten einen Vertuschungsversuch. Ellen weigert sich, aus Korpsgeist den schuldigen Polizisten zu decken. Aber es kommt noch schlimmer und das nicht nur, weil einer aus ihrer Truppe verbotene Kontakte mit den Medien unterhält. Challis nützt derweilen die Gelegenheit, am Ort seiner Jugend nach dem untergetauchten Mann seiner Schwester zu suchen, der als gewalttätig bekannt war. Sehr packend verzahnt Disher die zunächst disparat wirkenden Themen zu einem schlüssigen Ganzen: einmal mehr ein kräftiges Lebenszeichen aus Down Under.
Ingeborg Sperl/www.krimiblog.at Juni 2009
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