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Hollywood und Pentagon

Im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahlen vom 2. November 2004 schärft ARTE den Blick für Strategie und Hintergründe des Wahlkampfrennens Bush – Kerry, blickt (...)

Hollywood und Pentagon

28/08/08

Gefährliche Liebschaften

HOLLYWOOD-PENTAGON: GESCHICHTE EINER GEGENSEITIGEN ABHÄNGIGKEIT

Die Geschichte des Paares Hollywood-Pentagon ist fast so alt wie das Kino selbst. Das US-Militär war sich über die Vorteile einer Zusammenarbeit mit der Traumfabrik sehr schnell im Klaren. Durch die Unterstützung von Kriegsfilmen konnte es die öffentliche Meinung der Armee gewogen machen und somit Rekrutierungspolitik betreiben. Einer der Meilensteine des Stummfilmkinos beispielsweise, „Geburt einer Nation“ („The birth of a Nation“) von D.W.Griffith aus dem Jahr 1915, entstand in Zusammenarbeit mit dem Heer. Zwischen den zwei Weltkriegen intensivierte sich die Beziehung: Beim Dreh des Fliegerepos „Flügel“ („Wings“) von William Wellman aus dem Jahr 1927 stand die Luftwaffe mit Rat und Tat zur Seite. Dieser Film stand am Ursprung der „Preparedness“-Kinokampagne der 30er- und 40er-Jahre des letzten Jahrhunderts, in der viele Heldenepen über US-Soldaten vor allem mit dem Ziel gedreht wurden, die Öffentlichkeit auf einen neuen Kriegseintritt einzustimmen. Die Vereinigten Staaten, die sich bislang auf der Leinwand immer als unbesiegbar dargestellt hatten, wurden schon bald von der harten Realität eingeholt: Am 7. Dezember 1941 wurde ein großer Teil der amerikanischen Flotte bei Pearl Harbour von der japanischen Luftwaffe vernichtet.


DIE 40ER-, 50ER- UND 60ER-JAHRE - HOLLYWOOD IM KRIEG

1942 trafen Hollywoods wichtigste Regisseure, wie John Ford oder Frank Capra, auf Geheiß des Präsidenten Roosevelt im Weißen Haus zusammen, um ihrer Bürgerpflicht in Kriegszeiten nachzukommen. Sie und viele andere Filmemacher nahmen aktiv an der „psychologischen Mobilmachung“ der Bevölkerung teil. So entstand unter der Leitung des Armeefilmdienstes Frank Capras „Why we fight“, eine Dokumentations- und Propagandareihe über das hehre demokratische Ideal der Alliierten. John Ford dokumentierte den Pazifikkrieg, George Stevens filmte den Vormarsch amerikanischer Truppen in Europa. Bald gab es sogar ein Verbindungsbüro des Kriegsministeriums in Hollywood, und das Ende des Zweiten Weltkriegs bedeutete keineswegs das Ende dieser Zusammenarbeit. Noch in den 60er Jahren wurden in Hollywood patriotische Filme zur Idealisierung des Krieges und seiner Soldaten produziert, wie der Monumentalstreifen „Der längste Tag“ („The Longest Day“), entstanden in 100%iger Kooperation mit der Armee. Gewiss gab es auch einige kritische Stimmen: Filmemacher wie Samuel Fuller oder Robert Aldrich schlugen eine realistischere, ja sogar kritische Darstellung der Kampfszenen vor. Doch sie waren eine verschwindend geringe Minderheit. Der Vietnamkrieg änderte diese Situation radikal.


DER VIETNAMKRIEG – EIN SCHEIDUNGSGRUND

Ende der 60er-Jahre wurde der US-Einsatz in Vietnam von der amerikanischen Bevölkerung immer schärfer kritisiert. Deshalb wurden in Hollywood keine Filme über diesen Krieg produziert, bis auf eine Ausnahme: den reaktionären Streifen „Die grünen Teufel“ („The Green berets“) von John Wayne aus dem Jahr 1968, entstanden mit vollster Unterstützung der Armee. Je verzwickter die Lage in Vietnam für Amerika wurde, desto weniger war Hollywood bereit, Kriegsfilme zu drehen. Nach „Patton – Rebell in Uniform“ („Patton“) von Franklin J. Schaffner (einer der letzten Filme aus dieser Zeit, die vom Pentagon unterstützt wurden) und der rabenschwarzen Komödie „MASH“ von Robert Altman, beide aus dem Jahr 1970, verschwand das Genre völlig von der Leinwand. Einige Jahre später wurde es wieder aufgenommen, allerdings war der Blick der Filmemacher auf das Kriegsgeschehen mittlerweile wesentlich kritischer, wie beispielsweise „Apocalypse Now“ von Francis Ford Coppola (1979) zeigt. Es bleibt zu bemerken, dass sich Coppola trotz allem beim Pentagon um Unterstüztung beworben hat, jedoch erfolglos. Bis in die frühen 80er Jahre war das Verteidigungsministerium in Hollywood alles andere als beliebt.


DIE VERSÖHNUNG UNTER REAGAN

Mit Ronald Reagan im Weißen Haus wurde Kriegstreiberei im Kino wieder salonfähig. „America is back“: Die konservative Revolution zog über das Land und die „Verdienste“ des Krieges wurden aufs Neue gefeiert. In „Rambo 2“ aus dem Jahr 1985 gewinnt ein bis an die Zähne bewaffnetes Muskelpaket den Vietnamkrieg quasi im Alleingang. Hollywood und Pentagon nahmen ihre Zusammenarbeit wieder auf und waren nach dem Dreh des naiven Patrioten-Kassenschlagers „Top Gun“ (1986) wieder beste Freunde.


DIE 90ER-JAHRE BIS HEUTE – EINE PERFEKTE BEZIEHUNG

Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus feierten neue Feindbilder wie Terrorismus oder Drogenkartelle ihr Debüt auf der Leinwand, wie in „Ausnahmezustand“ („The Siege“) von Edward Zwick aus dem Jahr 1998. Dieser Zeitraum zeichnete sich auch durch eine gewisse Nostalgie für vergangene Kriege aus: Ende der 90er-Jahre wurde in Hollywood eine ganze Reihe an Filmen über den Zweiten Weltkrieg produziert, entweder mit („Windtalkers“, „Pearl Harbour“) oder ohne („Der Soldat James Ryan“ – „Saving Private Ryan“, „Der schmale Grat“ – „The Thin Red Line“) Unterstützung des Pentagon. Nach den Anschlägen des 11. September näherten sich Traumfabrik und Pentagon merklich an; Hochrangige Politiker nahmen ganz offiziell an Filmpremieren wie der von „Black Hawk Down“ teil. Darüber hinaus beschränkte sich die Zusammenarbeit nicht mehr allein auf die Filmindustrie, es wurde auch in andere Bereichen investiert (Beispiel: Gründung des Forschungszentrums ICT, wo kluge Köpfe aus Hollywood Kampfausbildungstechniken auf der Basis von virtueller Realität entwickeln).

Erstellt: 04-10-04
Letzte Änderung: 28-08-08