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Interviews, Hintergründe und Filmkritiken rund um den Schwerpunkt "Neues Deutsches Kino" auf ARTE.

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Interviews, Hintergründe und Filmkritiken rund um den Schwerpunkt "Neues Deutsches Kino" auf ARTE.

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Mittwoch 15. Oktober 2008 um 00.50 Uhr - 30/09/08

Gegen die Wand

Cahit Tomruk, ein desillusionierter Alkoholiker, hat sein Leben satt. Mit Vollgas fährt er sein Auto frontal gegen eine Betonwand - und überlebt. In der geschlossenen Abteilung eines Krankenhauses, wo Suizidgefährdete behandelt werden, trifft er auf die junge Türkin Sibel. Das Mädchen, möchte ihrem traditionsverhafteten Elternhaus entfliehen und überredet Cahit zu einer Scheinehe - ein Wagnis mit allerlei Hindernissen ... ARTE zeigt "Gegen die Wand" mit Birol Ünel in der Hauptrolle im Rahmen der Reihe "Das neue deutsche Kino".

Der Deutsch-Türke Cahit Tomruk ist Anfang 40, verbittert und voller Selbstekel, den er mit Alkohol zu betäuben versucht. Als er eines Nachts im Vollrausch gegen eine Betonmauer rast, um seinem Leben ein Ende zu setzen, überlebt er. In der psychiatrischen Abteilung eines Krankenhauses lernt er die junge Türkin Sibel kennen, die ebenfalls einen Selbstmordversuch hinter sich hat, allerdings aus ganz anderen Gründen: Sibel fühlt sich erdrückt von der Enge ihres strengen, traditionsverhafteten Elternhauses, dem sie unter allen Umständen entfliehen will. In dem fast doppelt so alten Cahit erkennt sie die Chance für ein neues Leben.
Sie bittet ihn, mit ihr eine Scheinehe einzugehen: Durch eine Heirat mit Cahit würden ihre Eltern sie freigeben. Auf das Drängen der lebenshungrigen 20-Jährigen willigt Cahit schließlich ein. Das junge "Paar" heiratet und zieht zusammen, und Sibel genießt ihre neu gewonnene Freiheit in vollen Zügen - mit Partys, Drogen und One-Night-Stands. Als Sibel jedoch einer ihrer Ex-Liebhaber nachstellt und Cahit aufs Äußerste provoziert, droht die Ehe des ungleichen Paares zu zerbrechen und die Wege der beiden beginnen, sich zu trennen.


ZUSATZINFORMATION

Der Film ist eine dichte, exzessive Ballade um Leben, Liebe und Leidenschaft, die dramatische Geschichte zweier Menschen, die zunächst glauben, sterben zu müssen, um leben zu können - und das aus sehr verschiedenen Gründen: Cahit ist vom Leben enttäuscht, verbittert, innerlich tot. Sibel dagegen giert nach einem Leben, das ihr verwehrt scheint, nach der Freiheit, sich endlich ausleben zu dürfen. Die junge Deutsch-Türkin wünscht sich nichts mehr, als den traditionellen türkischen Konventionen zu entfliehen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen.
Mit seinem Film spricht Fatih Akin ein essenzielles Problem an: die Diskrepanz zwischen der traditionsbewussten Haltung türkischer Familien und dem Wunsch nach Selbstbestimmung ihrer Töchter der zweiten und dritten Generation, die in Deutschland aufgewachsen sind. Schonungslos erzählt Akin von der inneren Zerrissenheit und dem Absturz der jungen Sibel, die sich - erst von ihrem Lebenshunger, dann von ihrer verzweifelten Liebe zu Cahit getrieben - immer tiefer in innere Kämpfe und Probleme verstrickt. Letztendlich siegt die Tradition, die Normalität, der Realitätssinn der jungen Frau: Sie fügt sich in die klassische Rolle der Ehefrau und Mutter - ein Leben, gegen das sie sich zunächst so aufgelehnt hat. Wie unter Strom treibt sich die Handlung selbst voran, differenziert werden die komplexen Persönlichkeiten beschrieben.
Der 1973 in Hamburg geborene Regisseur Fatih Akin absolviert ein Filmstudium an der Hochschule für bildende Künste in seiner Heimatstadt, arbeitet seit 1993 mit der "Wüste Filmproduktion" als Autor, Regisseur und Schauspieler zusammen und inszeniert 1995 und 1996 seine Kurzfilme "Sensin - Du bist es!" und "Getürkt". 1998 dreht Fatih Akin den erfolgreichen Kinofilm "Kurz und schmerzlos", der ihm 2000 den Adolf-Grimme-Preis und den Bayerischen Filmpreis für die beste Regie einbringt. Nach einigen weiteren erfolgreichen Filmprojekten wie "Im Juli" (2000) und "Solino" (2002) und Auftritten als Schauspieler schlägt sein Drama "Gegen die Wand" alle bisherigen Rekorde: Das Werk wird mit nationalen und internationalen Preisen überschüttet. 2004 gewinnt "Gegen die Wand" den Goldenen Bären der Berliner Filmfestspiele und den Europäischen Filmpreis. Auch die Hauptdarsteller des Films, Birol Ünel und Sibel Kekilli, werden mehrfach für ihre schauspielerische Leistung ausgezeichnet.


Gegen die Wand
Mittwoch 15. Oktober 2008 um 00.50 Uhr
Keine Wiederholungen
(Deutschland, 2003, 112mn)
ARTE/NDR

Erstellt: 15-09-08
Letzte Änderung: 30-09-08