Schriftgröße: + -
Home > Film erleben > Kino-News > Kinostart 20. Januar 2005 > Gente di Roma

Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

Kino-News

Kinostart 20. Januar 2005 - 21/01/05

Gente di Roma

Ein Film von Ettore Scola


Das Geheimnis der Metropole aller Metropolen
bleibt unergründeter, als man anfangs zu hoffen wagte

Weitere Artikel zum Thema

Synopsis: Rom – die „ewige“Stadt heute: Ettore Scola folgt einem Bus, der kreuz und quer durch Rom fährt und die seltsamsten Gestalten jeden Alters und jeder sozialen Klasse befördert. Eine humorvoll-melancholische Hommage des 1931 geborenen italienischen Regiealtmeisters an seine Heimatstadt und alle Alt- und Wahlrömer.

Kritik: ’Rom ist eine Schale voll Haferflocken mit Milch, die über den Tisch verschüttet ist.’ Dieses eher pessimistische, auf das zwar schöne und quirlige, aber auch grausame Rom gemünzte Fazit des ehemaligen Bürgermeisters Giulio Argan lässt auch Ettore Scola gelten. Ihn interessiert vor allem der ’anthropologischen’ Blickwinkel auf seine Stadt , die vor allem durch ihre Fähigkeit gekennzeichnet ist, den unablässigen Zustrom von Zuwanderern zu integrieren.

So ist Durchschnittsrömer von heute ein spleeniger Mensch. Da gibt es den rassistischen Barmann, den idealistisch-verrückten Intellektuellen, der die Businsassen zu ihrer Meinung über nicht-europäische Immigranten befragt und den anarchistischen Scheibenwäscher, der seine Kräfte stets aufs Neue mit den römischen Autofahrern misst. Ettore Scolas liebevolle Momentaufnahmen verzichten auf gängige Postkartenklischees, statt dessen präsentieren sie dem Zuschauer hinter ihrer von mythisch verklärten Maskerade ihr alltägliches, ungeschminktes Gesicht.

Als mitfahrender Businsasse entdeckt er die unbekannten Plätze, Straßen, Gassen und Winkel von „Mama Roma“, und wird dabei Zeuge mal spannender, mal eher langweilig und unfreiwillig komischer Szenarien. Anstatt dem dokumentarischen, unverstelltem Blick zu vertrauen, greift Scola aber immer wieder als inszenierender, das Geschehen mit konstruierender Erzähler ein. Nach welchem Kriterium Scola die diversen Versatzstücke seines Films – historische Dokumentaraufnahmen, Spielszenen, Figuren und Handlungselemente montiert hat – erschließt sich nicht. Schade, denn aufgrund des allzeit dominanten Regieeingriffe bleibt das Geheimnis der Metropole aller Metropolen, ihre Energie und das Mysterium seiner Bewohner letzten Endes unergründeter, als man anfangs zu hoffen wagte.

Martin Rosefeldt
Gente di Roma
Regie/Drehbuch: Ettore Scola
Darsteller: Rolando Ravello, Stefania Sandrelli
Italien, 2004, 93’

Erstellt: 18-01-05
Letzte Änderung: 21-01-05