Mang'Arte: Ursprünglich war der Egmont Ehapa Verlag ja ein Micky-Maus-und-Asterix-Verlag. 1994, wurden ihre ersten Manga veröffentlicht. Aus welchem Grund haben Sie damals entschieden Manga in ihr Verlagsprogramm aufzunehmen? Mit welchen Titeln haben Sie begonnen? Lassen Sie mich vorab einen Irrtum korrigieren, Ehapa war nie nur ein „Micky Maus & Asterix“-Verlag. Zwischen 1966 und 1989 wurde bei Ehapa ein Großteil der DC-Superhelden (Superman, Batman, Green Lantern, Flash etc) veröffentlicht. Seit den 70er Jahren gehört „Lucky Luke“ zu den Hauptproperties des Hauses. Außerdem hatten zu Hochzeiten der franco-belgischen Comics (80er/90er Jahre) Serien wie „Isnogud“, „Buck Danny“, „Dan Cooper“, Michel Vaillant“, „Lt. Blueberry“ u.v.m. bei uns ihr Zuhause.
Aber tatsächlich haben wir – inspiriert vom amerikanischen Markt und auf der Suche nach neuen Inhalten, da der Verkauf der franco-belgischen Comics zurück ging – mit „Appleseed“ und „Ghost in the Shell“ (beide von Masamune Shirow) unsere ersten Manga veröffentlicht.
Mang'Arte:Mit Sailor Moon haben sie dann den Durchstart geschafft und den Mangaboom in Deutschland heftig angekurbelt. Worauf ist dieser Erfolg ihrer Meinung nach zurückzuführen?
Zwei Dinge machen den Erfolg der Manga generell und „Sailor Moon“ im besonderen aus:
a)die parallele, tägliche Ausstrahlung bestimmter Serien im Fernsehen (in Deutschland ist RTL2 der Anime-Sender
b)die Veröffentlichung so nah am japanischen Original wie möglich, d.h. als Taschenbuch, mittlerweile auch in japanischer Leserichtung und zu einem für Jugendliche erschwinglichen Preis (z.Zt. zwischen € 5,- und € 6,50 pro band).
Mang'Arte:Im Jahre 2000 wurde schließlich EMA (Egmont Manga & Anime) gegründet. Wie sind Sie beim Aufbau des Mangasegments vorgegangen? Welche Ziele hatten Sie? Das wichtigste für uns war/ist, einen direkten Draht zu den japanischen Lizenzgebern zu haben. Deshalb unterhalten wir in Tokio ein eigenes Büro, wo ein japanischer Repräsentant von uns sitzt, der Fragen unsererseits schnell klären kann, sich öfter mit den Vertretern der einzelnen Verlage trifft, um kritische Punkte zu klären und auch mich bei meinen Besuchen der Lizenzgeber begleitet und unterstützt. Ich glaube, es ist äußerst positiv aufgenommen worden, dass EMA vor Ort von einem Einheimischen vertreten wird.
Unser Ziel war natürlich der Nummer 1-Anbieter von Manga in Deutschland zu werden. Und auch die natürliche Anlaufstelle für japanische Lizenzgeber.
Wir haben uns erst einmal die Lizenzen wichtiger und bekannter Serien gesichert („Ranma ½“, „Kenshin“, „Oh! My Goddess“, „Conan“, Inu Yasha“), um eine profitable Basis aufzubauen, auf der wir dann mit weiteren Serien experimentieren können. Das hat dazu geführt, dass wir heute nicht von einzelnen Bestsellern abhängig sind, sondern einen soliden Mittelbau gut verkäuflicher Serien besitzen, die schneller und einfacher zu ersetzen sind als der eine Bestseller.
Mang'Arte:Der Name EMA ist nicht nur die Abkürzung für Egmont Manga & Anime sondern hat auch noch eine ganz besondere Bedeutung…
Ursprünglich war EMA tatsächlich nur die Abkürzung für Egmont Manga & Anime, aber – der Zufall wollte es so – in Japan werden bestimmte kleine Holztafeln, die man im Tempel aufhängt, ebenfalls als ema bezeichnet. Die Götter scheinen also mit uns zu sein...
Mang'Arte:Mit einer Backlist von ca. 650 Titeln und ca. 240 Neuerscheinungen im Jahr 2004, ist EMA heute einer der wichtigsten Mangaverlage in Deutschland. Sind Sie ihren ursprünglichen Vermarktungsstrategien treu geblieben oder haben Sie neue Konzepte entwickelt um andere Leser „anzulocken“? Unsere Basisstrategie war von Anfang an, den Leser/Endverbrauch direkt anzusprechen. Dafür haben wir zum einen einen Katalog im Taschenbuchformat entwickelt, der neben Informationen zu den einzelnen Serien auch einige Seiten Leseproben bietet, um dem Kunden zu ermöglichen, einen ersten Eindruck zu erhalten. Dieses Konzept ist so erfolgreich, dass es mittlerweile von einigen Kollegen im In- und Ausland kopiert wird. Und zum anderen haben wir stark auf Tv-Werbung gesetzt, was wir auch weiterhin konsequent durchführen.
Leider wurde das japanische Modell, Serien in Magazinen – bei uns „Manga Power“ und „Manga Twister“ – aus Werbezwecken vorzuveröffentlichen, nicht so gut wie erhofft angenommen. Deshalb haben wir die „Manga Power“ im Sommer 2004 auch wieder eingestellt.
Neu ist, dass wir uns seit 2003 als Mitveranstalter der Manga Convention „Connichi“ engagieren. Diese Veranstaltung, die jeweils im September eines Jahres in Kassel statt findet und mittlerweile bis zu 8.000 Besucher anlockt, wird von der Manga-Fan-Vereinigung Animexx e.V. koordiniert und von uns stark finanziell unterstützt. Wichtig war mir, dass die Veranstaltung keinen kommerziellen Charakter annimmt, wo es primär ums Verkaufen geht, sondern als Messe von Fans für Fans gestaltet wird. Dementsprechend nehmen wir kaum Einfluss auf Programm, Ablauf oder Gästeliste.
Für mich ist die Connichi eine Image-Veranstaltung, wo wir direkten Kontakt zu unseren Lesern pflegen, um wichtiges Feedback zu erhalten.
Für das nächste Jahr planen wir eine Art Bonusmodell, wo besonders treue Leser von uns für ihre Treue belohnt werden. Einzelheiten möchte ich dazu noch nicht bekannt geben.
Mang'Arte:Auf welche Manga sind Sie ganz besonders stolz?
Besonders stolz bin ich erst einmal auf unseren eigene Manga-Serie „Mon-Star Attack“, die wir zusammen mit zwei Künstlerinnen - Olga Andriyenko und Dorata Grabarczyk – aus St. Augustin realisiert haben. Gerade habe ich die Rechte daran nach Polen verkauft.
Bei den japanischen Lizenzen freue ich mich besonders über „Eagle“, eine Serie, die den amerikanischen Wahlkampf beleuchtet, und „Monster“, ein Thriller der in Deutschland spielt.
Mang'Arte:Wie läuft eigentlich die Herstellung, vom Rechteinkauf bis zum Verkauf, eines Mangas ab? Ich wähle bei meinen Besuchen in Japan interessante Titel aus, die dann mit der Redaktion diskutiert werden. Nach einer positiven Entscheidung und einem Vertragsabschluss wird der Titel dann zum Übersetzen gegeben, parallel dazu kaufen wir Druckvorlagen von anderen europäischen oder amerikanischen Verlagen oder scannen die japanischen Originale selbst ein und bearbeiten die Daten (Texte und Soundwords entfernen), da die japanischen Lizenzgeber nur sehr selten digitale Druckvorlagen liefern können. Die Übersetzung wird dann von einem Redakteur redigiert, von einem Korrektor überprüft und danach zu einem Letterer geschickt. Die fertigen und überprüften Daten (Pdfs) werden schließlich unserer Herstellungsabteilung übergeben, die sie an die Druckerei schickt. Bei einem reibungslosen Ablauf wird das fertige Buch schließlich ca. 6 Wochen später bei unser Auslieferung angeliefert, die das Produkt schließlich zu unseren Kunden verschickt.
Mang'Arte:Nach welchen Kriterien wählen Sie ihre Autoren aus? Beachten Sie zum Beispiel den Erfolg der Geschichten im Ausland, vor allem in Japan?
Ich schaue natürlich auf Verkaufslisten in Japan und anderen Ländern oder ob es zu Manga-Serien Trickfilme gibt, die womöglich im deutschen Fernsehen ausgestrahlt werden, aber wir erhalten auch sehr viele Impulse von unseren Lesern, und letztendlich ist das eigene Bauchgefühl sehr wichtig.
Mang'Arte:Auf der letzten Buchmesse in Frankfurt wurde EMA für "Without Identity " als beste nationale Manga-Eigenproduktion, der Publikumspreis "Sondermann 2004" verliehen. Werden Sie in Zukunft mehr Eigenproduktionen deutscher Zeichner herausbringen?
Ja, ich habe gerade weitere Verträge mit deutschen Zeichnern ausgehandelt. In 2005 werden wir schätzungsweise sechs Eigenproduktionen im Programm haben.
Mang'Arte:Auf welche neuen Manga können wir uns 2005 freuen?
Alle möchte ich natürlich noch nicht verraten, aber zumindest einige Titel nennen. Wir werden in 2005 u.a. die Serien „Gunslinger Girls“, „Nana“, „A Handsome Girl“ und „Mär“ starten.
Ich danke Ihnen sehr für dieses Interview!
Interview wurde von Julia Neugebauer geführt. November 2004.
- Für weiterführende Informationen:
Egmont Manga & Anime
EGMONT vgs verlagsgesellschaft mbH
Gertrudenstr. 30 - 36
50667 Köln
http://www.manganet.de






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