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14/06/04

Geschichte des japanischen Comics

Das Phänomen des modernen Manga mit seinen zahlreichen Genres, seinem breit gefächerten Zielpublikum, seinen so eigenen grafischen Stilmitteln und vielfach bizarr anmutenden kulturellen Codes hat in seiner Entwicklung mehrere klar unterscheidbare Etappen durchlaufen.

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Die historischen Wurzeln der Mangakultur findet man, wenn man mehrere Jahrhunderte in die Geschichte Japans zurückgeht; ein Beweis dafür, dass trotz ihres bisweilen rätselhaft oder gar naiv anmutenden Charakters diese Ausdrucksform dennoch ein ernstzunehmendes, überaus facettenreiches Erbe der kulturellen Tradition Japans darstellt.


Mit seiner Mischung aus Moderne und Tradition, seiner innovativen Erzähl- und Zeichentechnik, hat der Manga es verstanden, sich ständig weiter zu entwickeln, indem er sich den Veränderungen der japanischen Gesellschaft so gut angepasst hat, dass er diese Prozesse quasi widerspiegelt. Inzwischen zum globalen Phänomen avanciert, findet der Manga heute sein Publikum in praktisch allen Bevölkerungsschichten und wird mit seiner Flexibilität auch dieser neuen Aufgabe gerecht.


Die Geschichte des Manga beginnt mit vier E-makimono-Rollen (gezeichnete Bildrollen), die den Titel "Chojujingiga" tragen (Zeichnungen von Vögeln und anderen Tieren, die stellvertretend für Menschen agieren). Diese satirischen Zeichnungen wurden im 12. Jahrhundert zu Papier gebracht, zwischen dem Ende der Heian-Ära und dem Beginn des Kamakura-Shogunats, und gelten als die ältesten Manga überhaupt. Auf der bekanntesten dieser Bildrollen sind Affen, Hasen und Frösche zu sehen, die sich - wie die Menschen, die sie karikieren sollen - im Sumo-Wettkampf üben. Bei den "Chōjūgiga" handelt es sich insofern also auch um den ersten humoristischen Manga der Geschichte.


Während der Edo-Zeit, genauer gesagt im Jahre 1814, veröffentlichte Katsushika Hokusai seine "Hokusai Manga" (wörtlich "Hokusais Manga"). Diese Skizzenblätter stellen Momentaufnahmen aus dem Leben der Bewohner von Edo dar. Zahlreiche französische Maler des Impressionismus wurden von der Arbeit Hokusais stark beinflusst.


Als in Japan zum ersten Mal satirische Illustrationen aus den Vereinigten Staaten auftauchen, führt dies zu einem Wendepunkt in der Produktion und Verbreitung der Manga-Comics. Jetzt werden sie in Form von Serien in Zeitungen publiziert oder auch schon in Form von Heften, die ausschließlich auf Mangas spezialisiert sind. Hier ist der Beginn der "industriellen" Manga-Produktion anzusetzen.


Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs muss Japan sich erst einmal von seiner Niederlage erholen. Jetzt betritt mit Tezuka Osamu (1928-1989) ein Mann die Bühne, der der Welt des Manga für immer seinen Stempel aufdrücken wird. Als "Gott des Manga" bezeichnet, führt er umwälzende Neuerungen in dem japanischen Ausdrucksmedium ein. Tezuka hinterlässt bei seinem Tod 700 veröffentlichte Mangas. Seine Werke befassen sich mit ernsthaften Themen und sprechen die japanischen Leser emotional stark an. Mit Tezukas innovativen Erzählstrukturen und seinem unverwechselbaren Stil bleibt sein Oeuvre für Generationen von Manga-Zeichnern maßgeblich.


Tezuka, der von den Zeichentrickfilmen Walt Disneys stark beeindruckt war, kreiert mit "Tetsuwan Atomu" ("Astro Boy")die erste japanische Zeichentrickserie überhaupt, mit der er im Jahre 1963 im japanischen Fernsehen debütiert und damit die Ära der modernen japanischen Zeichentrickfilmindustrie einläutet. Bildinhalte und Erzähltechniken der „Japanimation“ unterliegen seit dieser Zeit einem ständigen Innovationsprozess.


Nach und nach betreten neue Manga-Autoren die Bühne. Die modernen Mangas haben nicht nur Kinder und Jugendliche als Zielgruppe, sondern finden ihre Leser in sämtlichen Schichten der Bevölkerung. Es etablieren sich klar unterschiedene Genres, die speziell auf heranwachsende Jungen (Shonen) und Mädchen (Shojo)zugeschnitten sind, und solche die sich an junge Männer (Sei-nen) und an junge und ältere Frauen (Josei) wenden. Diese Differenzierung des Leserpublikums wird auch heute noch praktiziert und bringt immer wieder neue Genres und Sub-Genres hervor.


Die Manga-Industrie in Japan ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor mit Gesamteinnahmen, die auf 520 Milliarden Yen geschätzt werden (umgerechnet 4,043 Mrd. Euro). Der Anime-Markt hat einen geschätzten Umsatz von 1,244 Mrd. Euro, hinzu kommen 7,7 Mio. Euro aus dem Verkauf von Merchandising-Produkten. Ein gigantischer Markt, der schon über einen längeren Zeitraum hinweg ständig hohe Wachstumsraten verzeichnet. Unter den europäischen Ländern steht Frankreich mit einem Umsatz von 260 Mio. Euro an erster Stelle.* Die Manga-Kultur, lange Zeit als rein japanisches Phänomen betrachtet, hat inzwischen den Weg über die Weltmeere gefunden und sich bei uns als ernsthafter Konkurrent der europäischen und amerikanischen Comic-Tradition etabliert.

(*Quelle der angeführten Zahlen: "Newsweek Japan" vom 18.Juni 2003)

Erstellt: 05-05-04
Letzte Änderung: 14-06-04