Ja, bei insgesamt 750 Stunden Drehmaterial braucht es schon eine gute Organisation. Das ist schon fast ein bürokratischer Kraftakt. Da man so viel Material ja gar nicht sichten kann, haben wir wie schon bei früheren Projekten ein System entwickelt, in dem man mit Hilfe von Logistik einen ersten Zugriff auf das Material bekommt. Insgesamt arbeiten wir an vier Rechnern, die miteinander vernetzt sind, damit von allen Rechnern in alle Projekte und auf das gesamte Material zugegriffen werden kann.


Wie gingen Sie konkret vor?
Zuerst musste das Material genau erfasst und durch die Schnittassistenten im AVID organisiert werden. Wir arbeiteten zusätzlich mit einer Filemaker-Database, die die Suche nach den einzelnen Bildern und Szenen erleichtert. Natürlich hatten wir auch Unmengen an Listen, auf denen alles von der Tonbelegung der Teams, bis hin zu Ort und Zeitpunkt des Erscheinens der Protagonisten oder Sperrvermerke und verwendete Musiken festgehalten wurden. Zusätzlich arbeiteten wir mit Ablaufplänen der bereits geschnittenen Stunden. Viel Bürokratisches, wie ich schon sagte…
Gab es Zeitpläne? Wie sahen die einzelnen Arbeitsphasen aus?
Die Schnittphase Eins umfasste die ersten zwei Monate. Erst schnitten wir die Szenen mit den zwanzig so genannten Hauptprotagonisten vor. Aus fünf bis zehn Stunden Material pro Protagonisten entstand ein Vorschnitt von ein bis drei Stunden über den Tag verteilt. In Phase Zwei schnitten drei Cutter je eine Stunde roh aus den Vorschnitten der Hauptprotagonisten und den neuen Szenen der restlichen Protagonisten. Die vierte Cutterin bereitete in dieser Zeit schon mal die Talkpoints und das Amateurmaterial vor.
Und seit wann arbeiten Sie an der Endfassung?
Seit Anfang des Jahres lief die dritte Schnittphase, also unsere hauptsächliche Arbeit: Erst drei, dann zwei Cutter schnitten bis zu drei Stunden roh, das szenische Gerüst der Stunden.
Haben Sie eine spezielle Arbeitsteilung?
Ich mache davon den Final Cut. Da kommen dann die ganzen Stadtmontagen mit der Musik, die Berlin-Bilder und so weiter noch dazu… Seit Mai ist die vierte Cutterin mit der sehr komplexen Konfektionierung der 24 Stunden beschäftigt: Zusammensetzen der einzelnen Stunden mit farbkorrigiertem Bild, Mix, Graphik, und Untertiteln in drei Sprachfassungen.
Gab es denn eine Testphase? Wie haben Sie sich auf diese Riesenarbeit vorbereitet?
Es gab eine Testdrehphase im Winter 2007/2008. Da hat Volker Heise mit mir zusammen die Erzählweise entwickelt – vor allem auch die Methode, im Schnitt einen authentischen Flow zu suggerieren. Das heißt, wenig verdichtet zu schneiden und keine Jump-Cuts. Wir haben uns dabei auf szenisch-situatives Schneiden geeinigt.
Gibt es eine Arbeitsteilung zwischen den Cuttern und Volker Heise?
Ja, Volker Heise gibt natürlich den großen Bogen vor. Die Cutter liefern die Geschichten im Rohschnitt und von Volker Heise kommt das Korrektiv von außen. Wir planen aber gemeinsam anhand des vorhandenen Materials jeweils drei szenische Stunden. Durch den Zeitdruck können wir nicht wie bei normalen Projekten endlos lange ausprobieren: „We’ve got only one shot“, wie der Cutter sagt.
Wie sieht das Teamwork aus beim Schnitt?
Durch die lange Zusammenarbeit mit Volker Heise war das Team aufeinander eingestimmt. Wir haben eine ähnliche Ästhetik und eine gemeinsame Handschrift.
Das Gespräch mit Annette Muff führten Lavinia Reinke und Oliver Bernau (Barbarella Entertainment)







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