Schriftgröße: + -
Home > > > Gespräch mit Olivier Langlois - Filmregisseur

Freitag, 24. April 2009 um 21.00 Uhr - 20/04/09

Gespräch mit Olivier Langlois - Filmregisseur

GESPRÄCH MIT OLIVIER LANGLOIS – FILMREGISSEUR

„Unterstützung für den Widerstand“

Inwiefern hat Sie Anna Politkowskajas Geschichte zu diesem Fernsehfilm angeregt?
Wir haben ein knappes Jahr nach ihrer Ermordung mit der Arbeit an dem Projekt begonnen. Mein Film sollte ihren Tod nicht „ausschlachten“, sondern eine Hommage an Anna Politkowskaja werden. Gleichzeitig sollte er über das Russland von heute und über all jene, noch Lebenden, sprechen, die vor Ort Widerstand leisten und unsere Unterstützung brauchen – wie beispielsweise die von uns interviewten Journalisten von Annas Zeitung „Novaja Gasjeta“, die weiterhin Risiken auf sich nehmen. Ich fand es auch interessant, das Thema aus dem persönlichen Blickwinkel einer verliebten jungen Französin anzugehen: Ursprünglich ist sie nicht besonders politisiert, lernt aber durch die Konfrontation mit der harten Wirklichkeit, sich zu engagieren; und ihre Misserfolge regen zum Nachdenken an.

Wie wollten Sie denn die russische Wirklichkeit wiedergeben?
Ich wollte Begegnungen in Russland und mit Russen; da entstand natürlich erst einmal ein Sprachengemisch. Ich habe mir viele Dokumentarfilme angesehen, darunter die über Anna Politkowskaja. Als großer Liebhaber des russischen Kinos habe ich auch versucht, ein Gefühl für dessen Filmsprache zu bekommen: die Weitwinkelseinstellungen und das etwas kalte, leicht grünliche Licht.

Wie verliefen die Dreharbeiten?
Wir haben den größten Teil des Films in Bulgarien gedreht, in 52 verschiedenen Dekors. Ich habe sehr gern mit den bulgarischen Schauspielern gearbeitet. Sie entstammen natürlich alle der postsowjetischen Ära, und ihre Art, an die Rollen heranzugehen, ihre Spielweise, macht die Figuren sehr glaubhaft (außerdem sprechen sie hervorragend Russisch!). Nino Kirtadze ist Georgierin und spielt die Rolle der Dolmetscherin ganz wunderbar. Sie ist auch Dokumentarfilmerin und Autorin (drehte u.a. den auf ARTE ausgestrahlten Film „Es war einmal Tschetschenien“) und war mir eine wertvolle Hilfe.

Und wie war es in Moskau?
Wir haben mit einem sehr kleinen Team gearbeitet: zwei Techniker und Mélanie Doutey. Die war ganz wunderbar, trotz schwieriger Arbeitsbedingungen und eines gewissen Verfolgungswahns, der uns begleitete! Ich ließ Mélanie auf die Menge los, in der U-Bahn, auf der Straße, und sofort begannen wir mit dem Drehen. Sie integrierte sich vollkommen in die Stadt; die Moskauer blicken nicht in die Kamera, denn sie stellt ein Machtinstrument dar, und man weiß ja nie …

OLIVIER LANGLOIS / BIOGRAFIE

Olivier Langlois wurde 1955 geboren und studierte am INSAS (Belgien) Film. 1982 wurde er mit dem Studenten-Oscar für den besten Abschlussfilm ausgezeichnet. Fünf Jahre später drehte er seinen ersten Spielfilm, das Kriminaldrama „Der gelbe Revolver“ mit Sandrine Bonnaire und François Cluzet. Dann wandte er sich dem Fernsehfilm zu und erprobte alle Genres: Science Fiction mit „Virus im Paradis“, Gesellschaftsfilm mit „Bauernopfer“ (auf ARTE ausgestrahlt), psychologischen Film mit „Monsieur Joseph“ (Hauptdarsteller: Daniel Prévost und Julie Marie Parmentier) und Film Noir mit „La Ballade de Kouski“ (gerade abgedreht).

Dienstag, 5. Mai 2009

01:05
per E-Mail verschicken
per E-Mail verschicken
Meine Wiederholung
Meine Wiederholung

Sie wusste zuviel

Die Französin Claire lebt gemeinsam mit ihrem Freund, dem russischen Journalisten Andreï Karpov, in Paris. Nach dem Mord an seiner Kollegin Anna Politkowskaja macht er sich nach Russland auf, um die Hintergründe der Ermordung zu recherchieren...

DETAILS
Dossier
Schließen

"Gelobtes Land" erzählt die Geschichte der 18-jährigen Londonerin Erin, die zum ersten Mal nach Israel kommt, und ihres Großvaters Len, der in den 1940er-Jahren als Soldat der britischen Mandatsmacht in Palästina stationiert war.

Zum Dossier Gelobtes Land

Dienstag, 5. Mai 2009 um 01.05 Uhr

Wiederholungen:
Keine Wiederholungen
Sie wusste zuviel
(Frankreich, 2008, 90mn)
ARTE F
Regie: Olivier Langlois
Kamera: Nedyalko Zelenov
Musik: Eric Neveux
Schnitt: Aurique Delannoy
Darsteller: Angel Georgiev, Kitodar Todorov, Mélanie Doutey, Nino Kirtazé, Pawel Delag, Silvia Lulcheva, Stoyan Aleksiev
Autor: Didier Lacoste, Pauline Rocafull
Ausstattung: Prolet Gueorguieva
Produktion: ARTE France, France 2, Raspail Production
Produzent: Quentin Raspail
Redaktion: François Sauvagnargues, Jean Bigot

Fassung für  Hörbehinderte Stereo 16:9 (Breitbildformat) Zweikanalton Nativ HD

Die Französin Claire lebt gemeinsam mit ihrem Freund, dem russischen Journalisten Andreï Karpov, in Paris. Nach dem Mord an seiner Kollegin Anna Politkowskaja macht er sich nach Russland auf, um die Hintergründe der Ermordung zu recherchieren. Als Claire ihren Freund tagelang nicht erreichen kann, reist sie ihm mit einer unerträglichen Angst im Bauch hinterher. Auf der Suche nach Andreï bringt sie ihr eigenes Leben in Gefahr ... Fernsehfilm über den Mord an der regierungskritischen russischen Journalistin Anna Politkowskaja.

Der russische Journalist Andreï Karpov lebt seit einigen Jahren mit seiner französischen Freundin, der Lehrerin Claire, in Paris im Exil. Als er von der Ermordung seiner russischen Journalistenkollegin Anna Politkowskaja erfährt, reist er umgehend nach Moskau, um auf deren Beerdigung zu gehen und im Anschluss daran vor Ort über die Hintergründe ihres Todes zu recherchieren.
Als Claire tagelang kein Lebenszeichen von Andreï erhält, macht sie sich angsterfüllt auf die Suche nach ihm. Ihre Nachforschungen führen sie zunächst nach Moskau, wo sie sich mit düsteren Geschäften, prekären Situationen und korrupten Menschen konfrontiert sieht. Doch trifft sie dort auch auf helfende und sich solidarisch zeigende Wegbegleiter Andreïs aus dessen Vergangenheit in Russland.
Im Verborgenen wird sie, die kein Wort Russisch spricht, nach Tschetschenien geschmuggelt, um ihre verzweifelte Suche fortzusetzen. Immer weiter wird Claire in den Strudel hineingezogen, der um die Aufdeckung des Mordes an Anna Politkowskaja kreist. Am eigenen Leib muss sie erfahren, dass das Leben an einem seidenen Faden hängt, wenn man versucht, auf diesem konfliktgeladenen Terrain Licht in die korrupten Machenschaften und düsteren Geschäfte zu bringen.

"Sie wusste zuviel" führt auf eindringliche Weise an die Korruption und die brutalen, undurchsichtigen Machenschaften in Russland und Tschetschenien heran. Olivier Langlois gelingt es, fühlbar zu machen, was es bedeutet, dort, wo die Pressefreiheit unterbunden wird, als Journalist für die Wahrheit zu kämpfen. Den Rahmen für die Geschichte von Andreï und Claire bildet der weltweit bekanntgewordene Mordfall an der kremlkritischen Journalistin und Aktivistin für Menschenrechte, Anna Politkowskaja, die im Oktober 2006 in Moskau erschossen wurde.
Als Journalistin und Autorin berichtete Politkowskaja vor allem vom Tschetschenienkrieg und prangerte öffentlich die Verbrechen der russischen Armee und die Korruption im Land an. Wie nur wenige berichtete sie explizit der offiziellen Darstellung widersprechend und belastete dabei den Putin-Verbündeten und späteren tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow. Seit Ende der 90er Jahre war sie Mitarbeiterin der oppositionellen unabhängigen Moskauer Tageszeitung "Nowaja Gaseta" und wurde für ihre journalistischen Verdienste mehrfach mit Journalistenpreisen geehrt.
Bis heute ist nicht geklärt, wer die Hintermänner des Mordes waren. Wladimir Putin hatte eine internationale Untersuchungskommission verweigert. Im Februar 2009 wurden drei wegen Beihilfe zum Mord Angeklagte aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Der Mord an Politkowskaja, die nach Putins Amtsantritt 2000 bereits die 21. ermordete Journalistin war, steht symbolisch für die Unterdrückung der Pressefreiheit in Russland.
Olivier Langlois ist seit Mitte der 80er Jahre als Regisseur und Drehbuchautor tätig. Nach mehreren preisgekrönten Kurzfilmen war 1987 mit "Jaune revolver" zum ersten Mal ein Werk von ihm auf der Leinwand zu sehen. In Frankreich wurde er dem Fernsehpublikum mit Serien wie "Julie, bientôt 12 ans et demi" (1994) und "Chercheur d'héritiers" (1998) bekannt. 2000 folgte in Koproduktion mit ARTE die Episode "Bauernopfer" der sechsteiligen Fernsehfilmreihe "Familiengeschichten".
Mélanie Doutey, Tochter der Schauspieler Arielle Séménoff und Alain Doutey, hatte ihre erste Rolle in einem Kinofilm 1998 in "Les Gens qui s'aiment" (Regie: Jean-Charles Tacchella). 2003 wurde sie für die Besetzung von "Die Blume des Bösen" von Claude Chabrol ausgewählt. Bereits zweimal - 2002 und 2006 - wurde sie als beste Nachwuchsdarstellerin für den César nominiert. 2003 erhielt sie für ihre Rolle als Guillemette in "Le Frère du guerrier" (Regie: Pierre Jolivet) den Preis für die beste Nachwuchsdarstellerin beim Festival von Cabourg.

Mehr Infos


Erstellt: 04-09-08
Letzte Änderung: 20-04-09