„Unterstützung für den Widerstand“
Inwiefern hat Sie Anna Politkowskajas Geschichte zu diesem Fernsehfilm angeregt?
Wir haben ein knappes Jahr nach ihrer Ermordung mit der Arbeit an dem Projekt begonnen. Mein Film sollte ihren Tod nicht „ausschlachten“, sondern eine Hommage an Anna Politkowskaja werden. Gleichzeitig sollte er über das Russland von heute und über all jene, noch Lebenden, sprechen, die vor Ort Widerstand leisten und unsere Unterstützung brauchen – wie beispielsweise die von uns interviewten Journalisten von Annas Zeitung „Novaja Gasjeta“, die weiterhin Risiken auf sich nehmen. Ich fand es auch interessant, das Thema aus dem persönlichen Blickwinkel einer verliebten jungen Französin anzugehen: Ursprünglich ist sie nicht besonders politisiert, lernt aber durch die Konfrontation mit der harten Wirklichkeit, sich zu engagieren; und ihre Misserfolge regen zum Nachdenken an.
Wie wollten Sie denn die russische Wirklichkeit wiedergeben?
Ich wollte Begegnungen in Russland und mit Russen; da entstand natürlich erst einmal ein Sprachengemisch. Ich habe mir viele Dokumentarfilme angesehen, darunter die über Anna Politkowskaja. Als großer Liebhaber des russischen Kinos habe ich auch versucht, ein Gefühl für dessen Filmsprache zu bekommen: die Weitwinkelseinstellungen und das etwas kalte, leicht grünliche Licht.
Wie verliefen die Dreharbeiten?
Wir haben den größten Teil des Films in Bulgarien gedreht, in 52 verschiedenen Dekors. Ich habe sehr gern mit den bulgarischen Schauspielern gearbeitet. Sie entstammen natürlich alle der postsowjetischen Ära, und ihre Art, an die Rollen heranzugehen, ihre Spielweise, macht die Figuren sehr glaubhaft (außerdem sprechen sie hervorragend Russisch!). Nino Kirtadze ist Georgierin und spielt die Rolle der Dolmetscherin ganz wunderbar. Sie ist auch Dokumentarfilmerin und Autorin (drehte u.a. den auf ARTE ausgestrahlten Film „Es war einmal Tschetschenien“) und war mir eine wertvolle Hilfe.
Und wie war es in Moskau?
Wir haben mit einem sehr kleinen Team gearbeitet: zwei Techniker und Mélanie Doutey. Die war ganz wunderbar, trotz schwieriger Arbeitsbedingungen und eines gewissen Verfolgungswahns, der uns begleitete! Ich ließ Mélanie auf die Menge los, in der U-Bahn, auf der Straße, und sofort begannen wir mit dem Drehen. Sie integrierte sich vollkommen in die Stadt; die Moskauer blicken nicht in die Kamera, denn sie stellt ein Machtinstrument dar, und man weiß ja nie …
OLIVIER LANGLOIS / BIOGRAFIE
Olivier Langlois wurde 1955 geboren und studierte am INSAS (Belgien) Film. 1982 wurde er mit dem Studenten-Oscar für den besten Abschlussfilm ausgezeichnet. Fünf Jahre später drehte er seinen ersten Spielfilm, das Kriminaldrama „Der gelbe Revolver“ mit Sandrine Bonnaire und François Cluzet. Dann wandte er sich dem Fernsehfilm zu und erprobte alle Genres: Science Fiction mit „Virus im Paradis“, Gesellschaftsfilm mit „Bauernopfer“ (auf ARTE ausgestrahlt), psychologischen Film mit „Monsieur Joseph“ (Hauptdarsteller: Daniel Prévost und Julie Marie Parmentier) und Film Noir mit „La Ballade de Kouski“ (gerade abgedreht).
Dienstag, 5. Mai 2009
| 01:05 |
per E-Mail verschicken
Meine Wiederholung
Sie wusste zuvielDie Französin Claire lebt gemeinsam mit ihrem Freund, dem russischen Journalisten Andreï Karpov, in Paris. Nach dem Mord an seiner Kollegin Anna Politkowskaja macht er sich nach Russland auf, um die Hintergründe der Ermordung zu recherchieren... |
|
DETAILS
Dossier
|
|
Dienstag, 5. Mai 2009 um 01.05 UhrWiederholungen:
Die Französin Claire lebt gemeinsam mit ihrem Freund, dem russischen Journalisten Andreï Karpov, in Paris. Nach dem Mord an seiner Kollegin Anna Politkowskaja macht er sich nach Russland auf, um die Hintergründe der Ermordung zu recherchieren. Als Claire ihren Freund tagelang nicht erreichen kann, reist sie ihm mit einer unerträglichen Angst im Bauch hinterher. Auf der Suche nach Andreï bringt sie ihr eigenes Leben in Gefahr ... Fernsehfilm über den Mord an der regierungskritischen russischen Journalistin Anna Politkowskaja. Der russische Journalist Andreï Karpov lebt seit einigen Jahren mit seiner französischen Freundin, der Lehrerin Claire, in Paris im Exil. Als er von der Ermordung seiner russischen Journalistenkollegin Anna Politkowskaja erfährt, reist er umgehend nach Moskau, um auf deren Beerdigung zu gehen und im Anschluss daran vor Ort über die Hintergründe ihres Todes zu recherchieren. "Sie wusste zuviel" führt auf eindringliche Weise an die Korruption und die brutalen, undurchsichtigen Machenschaften in Russland und Tschetschenien heran. Olivier Langlois gelingt es, fühlbar zu machen, was es bedeutet, dort, wo die Pressefreiheit unterbunden wird, als Journalist für die Wahrheit zu kämpfen. Den Rahmen für die Geschichte von Andreï und Claire bildet der weltweit bekanntgewordene Mordfall an der kremlkritischen Journalistin und Aktivistin für Menschenrechte, Anna Politkowskaja, die im Oktober 2006 in Moskau erschossen wurde. |
|






per E-Mail verschicken
Facebook
Twitter
RSS

