Mit den beiden Drehbuchautoren Didier Lacoste und Pauline Rocafull (den Preisträgern für das beste Drehbuch beim TV-Filmfestival in La Rochelle 2008), die in Moskau recherchierten, sowie dem Produzenten Quentin Raspail, von dem die Idee zu dem Projekt stammt.
Warum ein Fernsehfilm über Anna Politkowskaja?
Quentin Raspail: Menschen solchen Kalibers sind ziemlich selten. Sie war völlig isoliert und verteidigte ihre Überzeugungen dennoch bis zum Ende, im vollen Bewusstsein der Gefahren, denen sie sich aussetzte. An ihrer Wahrheitssuche interessierte mich vor allem ihre Fähigkeit zum Widerstand. In Frankreich erzählen wir zu oft Geschichten über uns selbst, das nenne ich „bemutterndes Fernsehen“. Es ist wichtig, dass wir engagierte Filme machen können, die eine Sicht der Welt von heute anbieten.
Didier Lacoste und Pauline Rocafull: Übrigens hat das Publikum diese banalen Fernsehfilme satt. Es ist sich der Desinformation bewusst, der es unterliegt, und will die Wahrheit über die Welt um sich herum erfahren. Wir sind sehr stolz, dazu beitragen zu können.
Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine Geschichte in der Geschichte zu erzählen, um Annas Schicksal zu erhellen?
Didier Lacoste und Pauline Rocafull: Wir suchten nach einem dramatischen Aufbau, der emotional wirksamer ist als bloße Nachforschungen einer Journalistin über Anna Politkowskaja. Die Heldin will gar nicht die Wahrheit über Annas Tod herausbekommen, sondern zuerst den Geliebten wiederfinden, was sie dann zu diesen Erkenntnissen führt. Sie ist Gymnasiallehrerin, kennt Russland nicht und spricht auch nicht Russisch. Sie musste genügend motiviert sein, um sich auf diese Sache einzulassen, weiter zu forschen und über sich hinauszuwachsen. Es galt, das richtige Maß zwischen Emotion und Information zu finden.
Quentin Raspail: Als Pauline und Didier diese „Matroschka“-Idee hatten, war ich sofort überzeugt davon. Denn durch den Blick dieser jungen Frau, die von einer beliebten Schauspielerin dargestellt wird, wird der Zuschauer in die Welt eingeführt, die Anna Politkowskaja so oder ähnlich erlebt haben muss.
Wie sind Sie beim Drehbuchschreiben vorgegangen?
Didier Lacoste und Pauline Rocafull: Zuerst haben wir viel zum Thema gelesen. Dann trafen wir den Korrespondenten der „Nowaja Gasjeta“ in Brüssel, dann in Moskau, mit einer Dolmetscherin, den Chefredakteur und den ehemaligen Oberst, der die Ermittlungen im Auftrag der Zeitung durchführte (er ist beinahe identisch mit der Filmfigur). Wir sprachen auch mit der Leiterin der Menschenrechtsorganisation „Memorial“. Da Anna Politkowskaja einige Monate zuvor ermordet worden war, wollten wir Informationen aus erster Hand über die Ermittlungen sammeln. Außerdem lag uns daran, in die Atmosphäre der Stadt mit ihren Kontrasten und ihrer Gewalt einzutauchen; wir wollten mit dem konfrontiert werden, was Anna empfunden haben mag. Sehr verblüfft waren wir über den typisch slawischen Fatalismus der oppositionellen Journalisten.
Quentin Raspail: In diesem vielschichtigen Russland weiß man nie genau, was man sagen darf und was nicht. So ist es uns durch ein Netzwerk gelungen, eine Drehgenehmigung für Außenaufnahmen in Moskau zu bekommen, ohne dass wir das Thema des Films verraten mussten.
Dienstag, 5. Mai 2009
| 01:05 |
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Sie wusste zuvielDie Französin Claire lebt gemeinsam mit ihrem Freund, dem russischen Journalisten Andreï Karpov, in Paris. Nach dem Mord an seiner Kollegin Anna Politkowskaja macht er sich nach Russland auf, um die Hintergründe der Ermordung zu recherchieren... |
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Dienstag, 5. Mai 2009 um 01.05 UhrWiederholungen:
Die Französin Claire lebt gemeinsam mit ihrem Freund, dem russischen Journalisten Andreï Karpov, in Paris. Nach dem Mord an seiner Kollegin Anna Politkowskaja macht er sich nach Russland auf, um die Hintergründe der Ermordung zu recherchieren. Als Claire ihren Freund tagelang nicht erreichen kann, reist sie ihm mit einer unerträglichen Angst im Bauch hinterher. Auf der Suche nach Andreï bringt sie ihr eigenes Leben in Gefahr ... Fernsehfilm über den Mord an der regierungskritischen russischen Journalistin Anna Politkowskaja. Der russische Journalist Andreï Karpov lebt seit einigen Jahren mit seiner französischen Freundin, der Lehrerin Claire, in Paris im Exil. Als er von der Ermordung seiner russischen Journalistenkollegin Anna Politkowskaja erfährt, reist er umgehend nach Moskau, um auf deren Beerdigung zu gehen und im Anschluss daran vor Ort über die Hintergründe ihres Todes zu recherchieren. "Sie wusste zuviel" führt auf eindringliche Weise an die Korruption und die brutalen, undurchsichtigen Machenschaften in Russland und Tschetschenien heran. Olivier Langlois gelingt es, fühlbar zu machen, was es bedeutet, dort, wo die Pressefreiheit unterbunden wird, als Journalist für die Wahrheit zu kämpfen. Den Rahmen für die Geschichte von Andreï und Claire bildet der weltweit bekanntgewordene Mordfall an der kremlkritischen Journalistin und Aktivistin für Menschenrechte, Anna Politkowskaja, die im Oktober 2006 in Moskau erschossen wurde. |
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