Seit Jahrhunderten ist der österreichische Kurort Bad Gastein bekannt für die vitalisierende Wirkung seines radonhaltigen Thermalwassers. Der Berg, in dem das Thermalwasser sein Quellgebiet hat, birgt ein weltweit einzigartiges Heilmittel - den Gasteiner Heilstollen.Entdeckt wurde die Heilwirkung des Stollens durch Zufall. Als man während des zweiten Weltkrieges auf der Suche nach Einnahmequellen den Gasteiner Goldbergbau wieder aktiviert hat, bemerkten die Bergleute eine Linderung ihrer Rückenbeschwerden. Nach Kriegsende stellte man die Suche nach Gold ein und konzentrierte sich auf die wissenschaftliche Untersuchung der Heilwirkung des Stollenklimas. In den folgenden 50 Jahren hat sich daraus ein Gesundheitszentrum entwickelt, in dem die Besucher auch nach der Stolleneinfahrt umfangreich therapeutisch betreuet werden.
Ins Berginnere fahren die Heilstollenbesucher mit der Stollenbahn: gezogen von modernen Akku-Lokomotiven mit einer Geschwindigkeit von 9 Stundenkilometern. Die zweieinhalb Kilometer lange Fahrt in den Therapiebereich ist ein Erlebnis für sich. Um die Sicherheit der Patienten und des Personals zu gewährleisten, fährt in diesem Zug regelmäßig ein Geologe mit, der die Konzentration des Edelgases Radon überprüft. Durch eine reguläre Therapie, die etwa 10 Einfahrten in 3 Wochen umfasst, wird die jährliche natürliche Hintergrundstrahlung eines durchschnittlichen Mitteleuropäers schätzungsweise verdoppelt. Das ist vergleichbar mit einem Umzug von der norddeutschen Tiefebene ins Fichtelgebirge.
Linderung bei Rheuma und AtemwegserkrankungenZweieinhalb Kilometer tief im Berginneren liegt die Lufttemperatur zwischen 37 und 41,5 Grad, die Luftfeuchtigkeit erreicht bis zu 100 Prozent. Weil Körper und Kreislauf unter diesen Bedingungen stark beansprucht sind, werden die Besucher nicht nur im Heilstollen ständig von einem Arzt kontrolliert, sondern auch vor der ersten Einfahrt gründlich untersucht. Bei der Anmeldung wird ein medizinischer Fragebogen ausgefüllt, bestehende Krankheiten werden abgeklärt. Heilstollenbesucher sollten keine bösartigen Tumorerkrankungen, keine Herzrhythmus- oder Durchblutungsstörungen haben und nicht schwanger sein. Es folgt eine ärztliche Untersuchung, bei der die Krankengeschichte abgeklärt wird.
Für einen Besuch im Gasteiner Heilstollen kann es verschiedene Gründe geben. Im Vordergrund stehen rheumatischen Erkrankungen. Etwa ein Drittel aller Patienten leiden unter Atemwegserkrankungen, chronischer Bronchitis oder Asthma. Auch bei Hauterkrankungen kann der Stollen eine Linderung bringen. Heilstollenarzt Dr. Rudolf Bengesser schätzt die Erfolgsquote auf circa 90 Prozent.






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