Kindheit und Jugend
Giacomo Puccini, mit vollem Namen: Giacomo Antonio Domenico Michele Secondo Maria Puccini, wurde am 22. Dezember 1858 als fünftes von sieben Kindern im italienischen Städtchen Lucca (Toscana) geboren. Giacomo stammte aus einer alten Musikerfamilie. Bereits sein Grossvater, Domenico Puccini, hatte Orchesterwerke und kleinere Klavierstücke komponiert. Der Vater war Leiter der Stadtkapelle von Lucca, Organist am Dom und Komponist mehrerer Opern und Messen. Er starb, als Giacomo erst sechs Jahre alt war. Die Familie ging davon aus, dass der Sohn dereinst in die väterlichen Fussstapfen trete und ebenfalls Kirchenmusiker werde.Als 17-Jähriger wanderte Giacomo Puccini auf eigene Faust ins fast 20 Kilometer entfernte Pisa, um Verdis «Aida» zu sehen. Das Erlebnis berührte ihn so tief, dass er beschloss, sich von jetzt an ausschliesslich der Komposition von Opern zu widmen. So begann er 1880 mit der finanziellen Unterstützung eines reichen Grossonkels und eines Stipendiums der Königin Margherita sein Studium am Mailänder Konservatorium. Sein Studium schloss er mit einem Capriccio sinfonico ab.
Erste Erfolge
Amilcare Ponchielli, neben Antonio Bazzini der bekannteste Lehrmeister Puccinis, überredete den jungen Komponisten, das Libretto von Freunden zu vertonen und damit an einem Wettbewerb teilzunehmen. Die 1884 uraufgeführte, einaktige Oper «Le Villi» trug zwar keinen der Preise davon; doch der einflussreiche Kritiker und Librettist Arrigo Boito sorgte dafür, dass das Werk in der Mailänder Scala aufgeführt wurde und ein wohlgesinntes Publikum fand.Der Gewinn aus dieser Aufführung war für Giacomo Puccini weniger finanzieller als psychologischer Natur: Sie stärkte sein Selbstvertrauen und seinen Ruf als vielversprechender Komponist. Puccinis zweite Oper, «Edgar», kam zwar beim Publikum recht gut an, wurde aber von den Kritikern verrissen.
Erst die Uraufführung von «Manon Lescaut» (1893) unter der Führung von Arturo Toscanini bringt den ersehnten Erfolg. Giacomo Puccini wird als Nachfolger von Giuseppe Verdi gefeiert und ein wohlhabender Mann. Toscanini dirigiert 1896 auch die Uraufführung im Teatro Regio in Turin, die sich aber erst ein Jahr später bei Kritik und Publikum durchsetzt. Zu Beginn des neuen Jahrhunderts, am 14. Januar 1900, folgt schliesslich «Tosca» - ein Triumph.
Der Lebemann
Puccini führte jetzt das Leben eines Grand-Seigneurs, ging auf die Jagd, sammelte schöne Autos, Motorboote und vor allem auch schöne Frauen. Deren emotionalen Schicksale prägen seine Opern: Die unschuldige Mimi in der «Bohème», die umkämpfte Tosca, die verlassene Butterfly, die verbitterte Turandot – jede von ihnen ein Charakterbild femininer Psychologie, versehen mit einem ebenso starken Counterpart in der Rolle des Tenors.Seine Beziehung mit der verheirateten Elvira Gemignani, die für Puccini zwar ihren Mann verliess, den Komponisten aber erst lange nach dessen Tod heiratete, setzte seinen Flausen ein Ende, kostete ihn aber auch zahlreiche Freundschaften. Ihre eifersüchtiger, einschränkender Charakter soll viele der alten Freunde vertrieben haben und auch verantwortlich sein für das stete Auf und Ab zwischen Puccini und dem grossartigen Arturo Toscanini.
Eine Anekdote besagt, dass Puccini einst seinem Freund einen Panettone zu Weihnachten schickte. Nachdem er realisiert hatte, dass sie sich gerade wieder in einer Phase des Zerwürfnisses befanden, liess er dem Kuchen ein Telegramm folgen, in dem zu lesen stand: «Panettone aus Versehen geschickt, Puccini».
Die Antwort folgte postwendend: «Panettone aus Versehen gegessen, Toscanini».
Das Ende
Toscanini war es jedenfalls, der 1907 die legendäre Uraufführung der «Madame Butterfly» dirigierte, die erst nach rigoroser Überarbeitung akzeptiert wurde. 1910 folgte die erfolgreiche Uraufführung von «La Fanciulla del West». 1917 wurde «La Rondine» von Publikum und Kritik gleichermassen bejubelt, 1918 folgte «Il Trittico» an der New Yorker Metropolitan Opera.Doch kurz vor der Vollendung von «Turandot» wird bei Puccini Kehlkopfkrebs diagnostiziert. Er stirbt kurz nach der Operation am 29. November 1924 in einem Spital in Brüssel. Am 25. April 1926 wird die «Turandot» unter Toscanini an der Scala uraufgeführt. Anhand der Partitur-Skizzen stellt der Puccini-Schüler Franco Alfano die Oper fertig, zu deren Vollendung nur noch wenig gefehlt hatte. Mit den Worten «Hier endet das Werk» legt Toscanini den Taktstock beiseite.
Wenige Wochen vor seinem Tod hatte Puccini in einem Brief noch «das Ende der Oper» verkündet und beklagt, dass das Publikum nicht mehr an musikalischer Logik und Sensibilität interessiert sei. Tatsächlich gilt «Turandot» als letzte Oper des klassischen Repertoires: Giacomo Puccini fand keinen Nachfolger. Er blieb der letzte grosse Opernkomponist der Musikgeschichte.







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