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Berlinale 2009

Verfolgen Sie vom 05. bis 15. Februar mit ARTE und arte.tv das Tagesgeschehen eines der bedeutendsten Filmfestivals der Welt.

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Berlinale 2009 - Offizieller Wettbewerb - 15/02/09

Gigante

Ein Film von Adrián Biniez


Lakonisch-poetische Liebegeschichte aus Montevideo, mit der Uruguay einmal mehr sein kreatives Potenzial als Filmland unter Beweis stellt. Eine ARTE Koproduktion.

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Synopsis: Der 35-jährige Jara führt ein monotones Leben in einem Vorort von Montevideo. Nachts arbeitet er im Sicherheitsdienst eines großen Supermarktes und muss die Überwachungskameras im Auge behalten, tagsüber schläft er, spielt Videospiele oder hört Heavy Metal Musik. Obwohl eher schüchtern und gutmütig, ist er körperlich riesig und schwer und trägt den Spitznamen Gigante. Eines Tages fängt er an, Julia, eine der Putzfrauen im Supermarkt, über die Monitore zu beobachten. Er fühlt sich zu ihr hingezogen und beobachtet sie schließlich auch heimlich in ihrer Freizeit, richtet sein eigenes Leben nach Julias Tagesablauf aus. Als das Management eine ganze Reihe von Leuten entläßt, darunter auch Julia, muss Jara sich entscheiden, ob er Julia doch noch anspricht.

Kritik: Auf den ersten Blick eine harmlose, kleine Liebesgeschichte in einem sehr unromantischen Arbeitsmilieu, ziehen einen die beiden Hauptfiguren doch schon bald in ihre Lebenswelt hinein, die der Film illusionslos und realistisch, aber mit einer großen Menschlichkeit zeigt. Man kann mit diesem tumben, wortkargen Riesenbaby zunächst wenig anfangen, aber nach und nach entwickelt Jara eine sehr beredte Mimik und Körpersprache, dank der schauspielerischen Leistung von Horacio Camandule lernt man ihn immer besser kennen, ahnt die Sensibilität und Verletzlichkeit, die in diesem schweren Körper wohnt.

„Gigante“
Ein Film von Adrián Biniez (Uruguay/Deutschland 2009, 84 Min.)
Mit: Horacio Camandule (Jara), Leonore Svarcas (Julia), Néstor Guzzini (Tomás)
Langsam, mit leisem Humor, genauester Beobachtung des Alltags und großer Empathie, die ohne verklärende Sozialromantik auskommt, umkreist der Film seine beiden Hauptfiguren Jara und Julia, die miteinander verbunden sind, ohne es zu wissen. Es sind ausgerechnet die Bilder auf den Monitoren der Überwachungskameras, mit denen Jara die Verbindung zu Julia hält und vertieft, und als er sie einmal mit keiner der Kameras mehr erfassen kann, wird er sofort nervös und sucht nach ihr. Auch hier wird dann, wie in einigen anderen Situationen, die Erwartung des Zuschauers über den Fortgang der Annäherung aufs Schönste unterlaufen. In einer an „Whisky“ (Uruguay 2004) erinnernden, poetisch-lakonischen Erzählweise sind die stillen, bescheidenen Helden dieses neueren Kinos aus Südamerika außerhalb Brasiliens eher unauffällig, aber authentisch und voller Überraschungen. Weit entfernt von jedem Latino-Klischee ist der Film ein schönes Beispiel für einen sensiblen Realismus abseits der engagierten Sozialdramen, der Drogen- und Gewaltproblematik. Diese eigenwillige Liebesgeschichte erzählt viel aus dem Leben von Jara und Julia, aber – und das ist das Schöne daran – sie könnte überall so passieren, und sie hat in ihrer lebensbejahenden, unsentimentalen Präzision sogar das Recht auf ein wunderbares Ende.

Thomas Neuhauser

Erstellt: 30-01-09
Letzte Änderung: 15-02-09