(Heat and dust)
Spielfilm von James Ivory
Die junge Engländerin Anne ist nach Indien gekommen, das ihrer Großtante Olivia in den 20er Jahren zum Schicksal wurde. Olivia war damals frisch mit dem britischen Kolonialbeamten Douglas Rivers verheiratet, begegnet aber bei einem Dinner dem Nawab von Khatm und kann sich seiner Ausstrahlung nicht mehr entziehen. Fasziniert von der Aura des Exotischen, die ihn umgibt, wird sie die Geliebte des Fürsten. Ihr gegen die Konventionen verstoßendes Verhältnis wird bekannt, als Olivia schwanger wird. Sie lässt das Kind abtreiben und verschwindet spurlos aus der Kolonie.
Auf den Spuren von Olivia fühlt sich Anne auf seltsame Weise in das Leben ihrer längst verstorbenen Großtante hineingezogen. Auch sie verliebt sich in einen Inder. Als sie ein Kind von ihm erwartet, entschließt sie sich, es in jenem Bergkrankenhaus zur Welt zu bringen, in dem ihre Großtante verlassen starb.
Hitze und Staub gehört zu der Reihe in Indien entstandener Filme des amerikanisch-indischen Teams James Ivory und Ismail Merchant. Nicht allein das Schicksal von Grenzgängern zwischen den Kulturen - das zentrale Thema im Werk der beiden - zieht sich durch diesen Film, sondern es ist die behutsame Annäherung an eine andere Kultur, die Hitze und Staub sehenswert macht.Ganz unspektakulär schildert Ivory die unterschiedlichen Zeiten und Atmosphären und schafft reizvolle Kontraste zwischen Stadt und Land. Er beschreibt aus eigener Erfahrung die Entwicklung eines Dritt-Welt-Landes über 60 Jahre hinweg und versucht die Veränderungen vor allem im Alltag aufzuspüren.
Unterstützt wird Ivory dabei von einer Reihe hervorragender Schauspieler, allen voran Julie Christie und Greta Scacchi, die durch Subtilität und verhaltene Leidenschaft zu überzeugen verstehen.
Hitze und Staub
(Heat and dust)
Spielfilm von James Ivory
Großbritannien 1982, 133 min.
Regie: James Ivory; Drehbuch: Ruth Prawer Jhabvala; Kamera: Walter Lassally;
Schnitt: Humphrey Dixon; Ton: ; Musik: Richard Robbins, Zakir Hussain;
Kostüme:Barbara Lane.
Mit: Christopher Cazenove, Julie Christie, Julian Glover, Susan Fleetwood, Patrick
Godfrey, Jennifer Kendal u.a.
22.50 Uhr - Das Kollier von Patiala
Dokumentation von Yvon Gérault
Frankreich 2003, 52 Min.
Keiner der indischen Großfürsten umgab sich mit so auffälligem Prunk wie Bhupindar Singh, der Maharadscha von Patiala (1891 - 1938). Mit unersättlicher Gier sammelte er Schmuckstücke, Automobile und europäische Ehefrauen. Auf einem Foto trägt er das berühmte Kollier mit dem "De Beers", einem goldgelben Diamanten von 234,5 Karat. Die Geschichte dieses Kolliers ist ein Abenteuer, wie es Rudyard Kipling nichtbesser hätte beschreiben können. Sie steht für die "Goldenen 20er Jahre", in denen sich Glanz und Pracht der Maharadschas zum letzten Mal voll entfalteten.Fürstenfeste, Prunkhochzeiten und der ganze Reichtum, mit dem sich die Singh-Familie umgab, werden anhand des Familienarchivs des Maharadschas dokumentiert. Nach der Weltwirtschaftskrise von 1929 und dem Zusammenbruch des britischen Kolonialreichs wird diese Märchenwelt dem Untergang geweiht. Und als 1971 die Regierung Indira Gandhis ein Gesetz über die Abschaffung des Staatsschatzes erließ, verloren die Maharadschas endgültig ihre Titel und Vorrechte. Schmuckbesitz durfte nicht mehr außer Landes geführt werden. In den Irrungen und Wirrungen dieser Umbruchszeit verschwand das Kollier von Patiala.
23.45 Uhr - Zwei Maharadschas bewahren ihr Erbe
Dokumentation von Catherine Marciniak und Sarina SinghAustralien/Deutschland 2002, ZDF, 52 Min.
Die Dokumentation porträtiert zwei indische Maharadschas und ihre Familien. Lebenszentrum der Maharadscha-Familien sind nach wie vor ihre Paläste, Besitztümer von grandioser Schönheit, von geschichtlichem und kulturellem Reichtum. Residenzen, die von der Jahrhunderte langen Blüte eines Kontinents erzählen, aber auch von Macht und Unterdrückung, von Kolonialismus und einem politisch-sozialen Anachronismus.
Shriji von Udaipur vertritt ein modernes Indien. Er ist ein aufgeklärter Geschäftsmann mit klaren Vorstellungen. Seinen Palast hat er in ein Luxus-Hotel nach westlichem Standard verwandelt.
Der Yuvraj von Wankaner entstammt einem der ältesten indischen Adelsgeschlechter und ist das genaue Gegenteil von Shriji. Seine Frau lebt noch im Zenana, einem Trakt des Palastes, zu dem Männer keinen Zutritt haben. Alle Zeremonien der Familie haben einen streng traditionellen Charakter. Mit der Anforderung, sich im Tourismus zu behaupten, um seinen Palast durchzubringen, tut Yuvraj sich schwer.Der Film setzt die Lebenswelten der beiden Familien miteinander in Kontrast und zeigt, wie schwer sich beide Welten mit der Moderne tun. Überidentifiziert sich Shriji mit der westlichen Welt, so führt das rückwärtsgewandte Leben Yuvrajs zu massiven wirtschaftlichen Problemen, weil ihn die Erhaltungskosten für seinen Palast beinahe erdrücken. Die Maharadschas und ihre Familienangehörigen haben dem Filmteam bereitwillig Auskunft gegeben.
Sarina Singh, Ko-Regisseurin der Dokumentation und Australierin indischer Herkunft, hat persönliche Bande zur Dynastie des Königreiches Udaipur. Dadurch bekam sie Zutritt zu den Palästen, in denen die Fürstenfamilien residieren, und gewann so Einblick in das Familienleben der Maharadschas, deren Träume, Ängste und Hoffnungen sie ergründete.






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