Kritik: Thema des Films ist nicht etwa der sexuelle Missbrauch an einem der Schüler, der von der strengen Direktorin dem charismatischen Priester vorgeworfen wird, Thema des Films sind Zweifel und Selbstsicherheit. John Patrick Shanley hat nach seinem mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Broadway-Stück ein Drehbuch geschrieben und dieses verfilmt.
Kongenial ist ihm dabei die Besetzung in Haupt- und Nebenrollen gelungen - alle vier Rollen sind für einen Oscar nominiert! Als "Drache" von Direktorin ist Meryl Streep zu sehen - man erkennt sie kaum wieder: Unter einer schwarzen, unter dem Kinn zusammen gebundenen Haube und hinter einer runden in das Fleisch einschneidenden Nickelbrille verbirgt sie sich, die Augen rot umrandet, die Lippen zu einem schmalen Strich zusammengezogen. Furchterregend wirkt sie, weil sie eine Macht verkörpert, der es zum unumstößlichen Urteil keiner Beweise bedarf. Sie ist überzeugt, dass Priester Flynn ein furchtbares Unrecht begangen hat, denn ihre Menschenkenntnis legt ihr dies nahe. Beweise braucht sie nicht, um den charismatischen Priester zu verdammen, der ihr ohnehin ein Dorn im Auge ist. Ihr gesamtes Erscheinungsbild ist Ausdruck des Verzichts: Sie nimmt keinen Zucker, verdammt Kugelschreiber, weil man sich damit angeblich die Handschrift verdirbt und sitzt schweigend mit den ihr untergebenen Nonnen bei einem Glas Milch zum Mahl zusammen. Priester Flynn verkörpert den hedonistischen Antagonisten: Er ist fröhlich, genießt die Mahlzeiten mit den anderen Priestern plaudernd bei Wein und rohem Fleisch und bezeichnet sich selbst als "Naschkatze".

Regie und Drehbuch: John Patrick Shanley
Mit Meryl Streep, Philip Seymour Hoffman, Amy Adams, Viola Davis

Wie gebannt hört man ihren Dialogen zu, die klug und perfide sind, die sich immer mehr verdichten, immer mehr vom Wesen der Protagonisten offen legen. Unterstützt werden sie von den beiden Nebendarstellerinnen Amy Adams, die eine naive Schwester spielt, und Viola Davis, die die Mutter von Donald, dem ersten afro-amerikanischen Schüler an der Schule verkörpert. Weil Priester Flynn Donald mehr Aufmerksamkeit als den anderen Schülern schenkt, weil dieser von den anderen Jungs gehänselt wird, gerät er in den Verdacht der Direktorin, die sofort einen persönlichen Kreuzzug gegen ihn startet.
"Glaubensfrage" bietet bis zum Ende zwar keine Antworten, wirft dafür aber jede Menge Fragen auf, und kann als Startpunkt einer langen guten Diskussion dienen. Ein zeitloser Film, den man mit guten Freunden sehen sollte.
Nana A.T. Rebhan






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