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DVD-News - 11/10/05

Gloria

Ein Film von John Cassavetes


Eine Liebeserklärung John Cassavettes
an seine Frau Gena Rowlands

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  • Synposis

Ein Buchhalter der Mafia (Buck Henry) und seine Familie werden vom Mob ermordet, weil er für den FBI gespitzelt hatte. Nur Phil (John Adames), der Knirps der Familie, überlebt, weil Gloria (Gena Rowlands), eine Nachbarin, in letzter Sekunde und wider Willen den Jungen zu sich holt. Nun wird die überzeugte Einzelgängerin und bekennende Nicht-Mutter den vorlauten Bengel, der das streng gehütete Geheimnis seines Vaters bei sich trägt und deshalb Zielscheibe der Mafia bleibt, so schnell nicht wieder los.


  • Der Kommentar zum Film

Noch eine Liebeserklärung von John Cassavettes an seine Frau Gena Rowlands, und zwar nach 26 Jahren Ehe und drei Kindern! Die fünfte von insgesamt 6 Rollen, die er für sie schrieb, ist die einer überzeugten New Yorker Single-Frau Ende der 70er Jahre. Emanzipiert in dem Sinne, dass sie weiß, dass auf die Männer letztlich kein Verlass ist und sie sich alleine durchschlagen muss. Das hindert sie natürlich nicht daran, weiblich und sexy zu sein und gelegentlich eine Affäre zu haben. Für eine Ehe aber hat es nie gereicht – sei es, weil sie den Falschen erwischte oder weil sie nie das erwartete handzahme, anständige Mädchen spielen wollte, das sie nie war, weil sie es nie sein wollte. Deshalb sind ihre Liebhaber – einer davon war Mafia-Boss und kommt Gloria im Verlauf der Geschichte erneut in die Quere – am Schluss immer zu ihren Ehefrauen zurückkehrt und Gloria in ihre gemütliche kleine 2-Zimmer-Wohnung in der schäbigen South Bronx. Und deshalb hat Gloria Zeit ihres Lebens ihr eigenes Geld verdient, auf welchen Wegen auch immer und dieses wohlweißlich auf einer Bank angelegt, weil sie weiß, dass sie es eines Tages sicher noch brauchen wird, wenn ihre älteren Liebhaber die Reize jüngerer Frauen vorziehen und niemand ihr mehr einen Job als Kellnerin oder sonstige erträgliche Gelegenheitsjobs für Nicht-Studierte anbieten wird.

Natürlich kommt dieser Frau, die alles so gut im Griff hat, doch noch das nackte Leben in die Quere. Ausgerechnet sie, die nie ein Kind haben wollte, soll sich um einen kleinen Puertoricaner-Bastard kümmern und dafür auch noch ihr Leben riskieren. Kommt nicht in Frage! Hier, in der lautstarken Auseinandersetzung zwischen Anti-Mama und Rotzbengel, aus der allmählich Vertrauen und Mutterliebe wächst, entwickelt der Film seine emotionalsten und charmantesten Momente. Cassavetes hat später verraten, dass sein Frau während der Drehpausen bewusst streng mit ihrem kindlichen Spielpartner John Adames umging, ja ihm sogar die Ansprache verweigerte. Kein Wunder, dass Rowlands 7-jähriger Spielpartner seine Ersatzmama auf der Leinwand manchmal anspringt wie ein Löwe.

Das Gangster-Milieu, dem Gloria die Stirn bieten muss, hat Cassavettes dagegen eher stiefmütterlich behandelt. Das Genre und die darin vorkommenden Thriller-Elemente und atmosphärischen Charakteristika dienen ihm wie auch schon in The Killing Of A Chinese Bookie nur als Hintergrund, vor dem sich seine zutiefst menschlichen Themen besser transportieren lassen. Wie Gena Rowlands unbeholfen auf ihren übermächtigen Gegner mit ihrer Mini-Pistole schießt und Wirkungstreffer erzielt, das verdient auch noch nach 25 Jahren unseren ganzen Respekt.

Martin Rosefeldt


  • Gloria
Regie & Drehbuch: John Cassavetes
Darsteller: Gena Rowlands, John Adames, Buck Henry u.a.
USA, 1980, 123’
Sony Entertainment

  • Technische Angaben
Sprachen: Englisch 5.1, Englisch Mono, Französische, Deutsch, Italienisch, Spanisch
Untertitel: Englisch, Französisch, Deutsch, Italienisch, Spanisch, Niederländisch, Arabisch, Griechisch, Hindi, Ungarisch, Portugiesisch, Türkisch
Extras: keine
Extras: keine

Erstellt: 11-10-05
Letzte Änderung: 11-10-05