Tourbusse: 5 000 Tonnen CO2!
Equipmenttransport: 13:000 Tonnen CO2!
Musikredaktionen: 7000 Tonnen CO2!
Fantransport: 231.000 Tonnen CO2!
Da gibt es leider nichts zu beschönigen: Die Musikindustrie ist reinstes Gift für die Umwelt. Die Easy Jet-Generation fliegt für Konzerte und Festivals kreuz und quer durch Europa und feiert als gäbe es kein Morgen. Ihm wurde das irgendwann zuviel. Will Moore will das System von innen verändern. Als Marketingchef von Virgin Records gehörte er zu den wichtigsten Drahtziehern des englischen Musikbusiness. Früher jettete er mit den Stones und Janet Jackson um die Welt - bis ihn das Umweltbewusstsein packte. Er stieg aus.
Will Moore: "Für Plattenlabels springst du ins ins Flugzeug und fliegst alle paar Wochen in die USA. Du gehst mit Bands auf Tour, organisierst die Presse und Promotiontermine für die Künstler. Da erlebt man schon ziemlich absurde Sachen, die oft einfach maßlos sind. Ein Beispiel: Ich war mit einer Künstlerin auf Tour, die für jeden einzelnen Raum, in dem sie interviewt wurde, 100 weisse Rosen bestellt hat. Ohne die 100 Rosen gab sie keine Interviews. Was für eine Verschwendung! Ich verließ das Label und gründete meine eigene Umweltberatungsagentur."
Inzwischen ist Will Moore das personifizierte grüne Gewissen der englischen Musikszene. Er berät Tourveranstalter, Bands und Festivalmacher, wie sie umweltfreundlicher arbeiten können. Der Inhaber des legendären Londoner Indie-Clubs Koko ist unter Moores Einfluss auf Ökostrom umgestiegen. Den größten Effekt aber erzielt Will Moore mit einem Vertrag, den er für Bands erarbeitet hat. Mit dem sogenannten „Öko Tour Rider“ können die Künstler bei ihren Tour-Veranstaltern mehr Umweltbewußtsein erzwingen.
Will Moore: "Der Künstler ist sich der Umweltschäden, die seine Tour verursacht bewusst und möchte alles dafür tun, um diese so gering wie möglich halten. Wir bitten daher die Konzertagenturen und Veranstalter, Venues auszuwählen, die eine vorbildliche Umweltpolitik betreiben. Das fängt bei kleinen Dingen an: die Beleuchtung darf nur wenn nötig in Betrieb sein, genauso wie die Heizung oder Klimaanlage. Ausserdem sollen nur Tourbusse benutzt werden, die entweder auf Hybrid-Basis oder Benzinsparend fahren."
Radiohead gaben eine Studie zu den Umweltschäden ihrer eigenen Amerika-Tour in Auftrag.Zu seinen treuesten Kunden gehört Jack Johnson. Bei ihm muss jeder Konzertveranstalter den Öko-Vertrag unterschreiben. Überhaupt setzt bei den Künstlern ein Umdenken ein. Zum Beispiel Radiohead: Sie gaben eine Studie zu den Umweltschäden ihrer eigenen Amerika-Tour in Auftrag und veröffentlichten das Ergebnis. Als der Kult-Late-Night-Talker Conan O-Brian sie für einen Auftritt in seine Show einladen wollte, bekam er nur eine Videobotschaft. Auch Dauertourer wie die amerikanische Band Guster ziehen mit. Mit 200 Konzerten jährlich gehören sie zu den Vielfahren im Rockzirkus. Neuerdings benutzen sie einen Bio-Diesel-Tourbus .
Aber nicht nur die Reisen von Bands und Fans belasten die Umwelt. Auch die Parties selbst sind nicht ohne. Auf Festivals bleiben regelmäßig gigantische Müllberge zurück. Zum ältesten und wichtigsten Musikereignis Englands, dem Glastonbury Festival, rücken alljährlich 170.000 Fans an. Dass dieses Megaevent trotz seiner Größe als umweltfreundlichstes Festival der Welt gilt, ist dem Veranstalter Michael Eavis zu verdanken. Er ist Umweltschützer der ersten Stunde und setzt seit 1970 ein Zeichen. Die Inspiration für sein grünes Engagement fand er bei seinen ersten Festivalbesuchern: die Hippies.
Inzwischen spendet Michael Eavis die gesamten Festivaleinnahmen an grüne Organisationen wie Greenpeace. Und natürlich werden auch die 2000 Tonnen-Festival-Müll in wochenlanger Kleinarbeit von rund 3000 ehrenamtlichen Helfern gesammelt und zum Recycling gebracht. Das Glastonbury Festival ist inzwischen für Live-Events weltweit zum grünen Vorbild geworden. Denn nicht nur Festivals müssen umdenken. Für Will Moore ist klar: Das Musikbusiness ist das beste Medium, um die Umweltbotschaft unverkrampft zu vermitteln:
Will Moore: "Musik ist für mich deshalb so interessant weil es ein unglaublich gutes Kommunikationsmittel ist. Die Musikindustrie ist eine sehr kleine Branche. Und Musik ist überall. Musik bestimmt alles
was wir lesen und sehen. Viele Künstler haben eine große Stralkraft und daher auch eine Verantwortung, ihren Celebrity-Status einzusetzen um diese positive Botschaft zu verbreiten."







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