Volker Höhlein : Wir sind von dieser Tendenz natürlich betroffen und versuchen, vor allem dem Umgang mit Handys und Internet noch mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Wir werden regelmäßig mit Kindern und Jugendlichen konfrontiert, die bereits pornographische Inhalte konsumiert haben oder von einem Täter oder einer Täterin zum Konsum gezwungen oder eingeladen wurden, ohne das richtig einschätzen zu können.
Sozialarbeiter und Lehrer berichten, dass Jugendliche sich gegenseitig filmen – etwa in Gewaltsituationen - und diese Filme weiter verbreiten. Eltern bitten uns um Rat, wenn ihr Kind über Handy oder Chat zweideutige "Angebote" bekommen hat. Internet und Handys sind zu Alltagsgegenständen für Kinder geworden und dadurch auch eine große Gefahrenquelle für sexuellen Missbrauch. Liebe, Sexualität und Gewalt vermischen sich heutzutage an vielen Stellen, und es herrscht allgemein eine große Unbedarftheit im Umgang mit dieser Entwicklung. Auch fehlt vielfach die Sensibilität für die Grenze zwischen Spaß und Ernst.

- Slapping, Bullying, Snuffing !
Zur Problematik von gewalthaltigen und pornografischen Videoclips auf Mobiltelefonen von Jugendlichen
Schriftenreihe der Medienanstalt , Hamburg / Schleswig-Holstein, Bd. 1
Petra Grimm und Stefanie Rhein
224 Seiten, 46 farbige Abb./Tab., DIN A5, 2007, ISBN 978-3-89158-467-5 - Generation Sex?
Jugend zwischen Romantik, Rotlicht und Hardcore-Porno
Januar 2001
176 Seiten
Tilsner Thomas | ISBN: 3936068089

Ich halte die Unbedachtheit im Umgang mit den Medien für gefährlich. Für viele Dinge, die früher bloß Begriffe waren, gibt es heute Bilder und Filme. Kinder und Jugendliche haben–oft über den Fernseher im Kinderzimmer - ungehinderten Zugang zu Fernsehen und Internet. Sie werden dadurch mit einer Beliebigkeit konfrontiert, die sich im Umgang mit anderen Medien fortsetzt. Mit dem Handy hat heute jeder ständig seine Kamera dabei und auch dafür gibt es keine Handhabe. Jeder kann filmen was er möchte, und die Inhalte weiter verbreiten, aber niemand klärt die Kinder auf, wo die Grenzen liegen.
Auch das Sexualverhalten von Mädchen wandelt sich immer stärker. Wo liegen die Gründe?
Gleichzeitig mit der Emanzipation der Mädchen und der zum Teil falschen Aneignung von Jungen- oder Männerwelten ist auch die Naivität bezüglich dessen gestiegen was sie sich selber zutrauen. Mädchen sind heute deutlich risikobereiter und werden dadurch auch schneller zu Opfern. Sie haben kein Problem damit, mit anderen Jugendlichen, die sie kaum kennen, loszuziehen. So konnte es in einem von uns betreuten Fall zu einer Massenvergewaltigung kommen. Ein anderer Fall zeigte deutlich, dass dem betroffenen Mädchen das Gespür für die eigenen Grenzen abhanden gekommen war. Diese Grenzen sind sehr wichtig für die sexuelle Entwicklung von Kindern und hier ist die Schuld auch bei den Erwachsenen zu suchen, die es versäumt haben, diese Grenzen zu ziehen und zu wahren.
Wie sollten Eltern reagieren, wenn ihre Kinder pornographische, gewalttätige Inhalte konsumieren?
Eltern wissen leider oft nicht, mit wem sich ihr Kind trifft oder was überhaupt ein Chat ist. Sie sollten sich frühzeitig mit Computer und Internet auseinandersetzen, um ihren Kindern mit spätestens 10-12 Jahren auch die Sicherheit im Umgang mit diesen Medien vermitteln zu können. Es ist ganz normal, dass Kinder versuchen, die Regeln der Eltern zu umgehen, aber es ist wichtig, Regeln aufzustellen und im Zweifelsfall zu sanktionieren – nicht nur im Sinne der Kontrolle, sondern, um deutlich zu machen, dass man sich für das Kind interessiert. Grundlage sollte immer der direkte Austausch sein: auf Kinder sollte man besonders eingehen, sie nach ihren Reaktionen und Gefühlen fragen, zum Beispiel wenn sie mit pornografischen Inhalten in Kontakt gekommen ist. Bei Jugendlichen ist es vor allem wichtig, Stellung zu beziehen, etwa zu dem durch Pornografie vermittelten Frauenbild.

- Homepage Wendepunkt e.V. in Freiburg
Ratgeberseiten für Eltern: - Schau hin! was deine Kinder machen
- Chatten ohne Risiko
- Multiline
- Broschüre "Klick It"
- Internetfilter zum Herunterladen

Das Internet lässt sich recht einfach über Filter « sauber » halten. Vorsicht ist vor allem in Chats geboten. Auf keinen Fall sollten Jugendliche ihren Namen verwenden, ihre Adresse angeben oder sich mit einem Fremden verabreden. Man muss seinem Kind vermitteln, wann es misstrauisch werden muss, etwa indem man gemeinsam "Was-wäre-wenn-Situationen" durchspielt. Täter haben häufig ausgeklügelte Strategien, wenn es darum geht, zu dem Kind oder den Jugendlichen eine "Beziehung" aufzubauen, langsam Grenzen nieder zu reißen und schließlich zu sagen, "komm lass uns doch mal treffen".
Welche Verantwortung haben Schulen und Lehrer in diesem Kontext? Gibt es diesbezügliche Unterrichtseinheiten?
Handys haben meiner Meinung nach an Schulen nicht unbedingt etwas zu suchen. Wenn Kinder in der Schule Zugang zu Computern haben, sollte ein sogenannter Internet-Führerschein gemacht werden. An Schulen bestehen nach wie vor große Hemmungen, dieses Thema beim Namen zu nennen. Gerade Lehrer sollten sich deshalb verstärkt mit diesem Thema auseinandersetzen und es in einer dem Alter angemessenen Form ansprechen. Unser Verein versucht bereits im Kindergarten und in der Grundschule verschiedene Präventionsbotschaften zu vermitteln. Zum Beispiel über Theaterstücke zu Themen wie "Trau deinen Gefühlen" oder "Unangenehme Berührung kannst du ablehnen".
Welche Verantwortung haben die Medien?
Auf vielen Internetseiten können heutzutage private Videos, auch pornografischen Inhalts online gestellt werden - und ohne Altersbeschränkung angesehen werden. Das geht meiner Meinung nach eine Spur zu weit und ist unverantwortlich.







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