Ein Hafen, keine Straße, ein paar Dutzend Häuser. Wir sind in Qaqortoq, dem größten Ort von Südgrönland. 3000 Einwohner, die meisten Inuit, Fischerboote, bunte Fassaden und Schnee. Doch die Idylle trügt, denn die Region verändert sich stark. Die Agraringenieure Aqqalooraq Frederiksen und Kenneth Hoegh arbeiten seit zehn Jahren am Ufer dieses Fjords in einem ganz besonderen Forschungszentrum. Unter anderem werden hier neue Techniken für den Ackerbau von morgen erprobt, die Grönlands subarktischem Klima entsprechen.
Hier wird ein wenig Vieh gezüchtet, aber vor allem Obst und Gemüse angebaut - Broccoli, Kohl, Rüben, Kartoffeln oder Rhabarber. Das Wichtigste liegt unter dem Schnee. Auf einer Parzelle testet man 25 verschiedene Gräser. Die Forscher untersuchen damit, "welche Arten kälteresistent sind und wie sie auf winterliche Temperaturen reagieren. Im Frühjahr werden wir die Gräser dann abschneiden und schauen, welche Menge die verschiedenen Arten produzieren. Aber das Wichtigste an diesem Versuch ist zu sehen, ob die Gräser den Winter überdauern."
Dabei geht es darum, die Weideflächen zu vergrößern, um mehr Tiere ernähren zu können. Denn in Grönland hat Viehzucht Zukunft - und nicht nur auf Grund der Fortschritte der modernen Agrarwissenschaft. Wie sich hier das Klima verändert, erklärt uns Professor Joergen Peder Steffensen. Der Glaziologe untersucht das Abschmelzen von Grönlands Eisfeldern: "Grönland erwärmt sicn zusehends. Wir nehmen an, dass diese Erwärmung an gewissen Orten vor 15 bis 20 Jahren begonnen hat. Dazu kommt, dass das Polarmeer durch das Abschmelzen des Packeises immer mehr Sonnenwäme absorbiert. Das Problem liegt darin, dass sich die globale Erwärmung dadurch noch verstärkt."
In der Gegend um Qaqortoq ist die Durchschnittstemperatur in 30 Jahren um 1,3 Grad gestiegen. Dadurch hat sich die Zeit landwirtschaftlicher Nutzung verlängert. Die Frage ist nun, ob sich die etwa 50 grönländischen Bauern darüber freuen sollen. Otto Nielsen ist einer von ihnen. In seinem mittelgroßen Betrieb züchtet er rund 800 Schafe. Sie sind anspruchsloser als Kühe, aber brauchen genauso viel Futter. Allerdings gibt es in Grönland immer weniger Heu. Die Erträge sind um die Hälfte gesunken. Noch vor 20 Jahren wurde der Klimawandel hier als positiv betrachtet, aber seit zwei oder 3 Jahren spürt man vor allem seine negativen Folgen: "Bei uns wird es im Sommer immer wärmer, und trotz des Regens trocknen die Felder aus. In den letzten zwei Jahren ist der Wasserspiegel in Flüssen und Seen laufend gesunken. Jetzt haben wir hier kurze Perioden mit starkem Regen und lange Trockenperioden."
Gegenüber dem Klimawandel ist Otto Nielsen machtlos. Deshalb sucht er nach einer neuen Einnahmequelle und will jetzt Touristen auf seinen schön gelegenen Bauernhof bringen. Für Grönland ist der Aufschwung des Tourismus der bisher einzige positive Aspekt des Klimawandels. Und das wohl für geraume Zeit - denn die Insel erwärmt sich doppelt so schnell wie die übrige Erde.







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