12/11/03
Guten Morgen
Donnerstag, 11. Dezember 2003 um 20.45 Uhr
Guten Morgen (Ohayo)
90 Mn Spielfilm, Japan 1959
Deutsche Synchronfassung
Die Auseinandersetzung zwischen einem Vater und seinen Söhnen um die Anschaffung eines Fernsehapparats führt zu einem Nachbarschaftsstreit. Die beiden Jungen nehmen die Aufforderung ihres Vaters, den Mund zu halten, wörtlich, grüßen niemanden mehr und lösen dadurch einige Missstimmungen aus.
"Guten Morgen!" - "Ohayo!" - rufen Minoru und Isamu, die beiden Söhne von Keitaro und seiner Frau Tamiko allen zu, denen sie in ihrem Viertel in der Vorstadt von Tokio begegnen. Ohne sich dessen bewusst zu werden, werden sie Auslöser eines nachbarlichen Streits. Als ihr Vater sich weigert, ihnen einen Fernsehapparat zu kaufen, geraten sie mit ihren Eltern aneinander. Die befehlen den Jungen daraufhin entnervt, den Mund zu halten. Das nehmen die beiden wörtlich und beschließen, mit keinem mehr zu reden. Selbst kein "Guten Morgen" mehr. Die verdutzten Nachbarn glauben, dass die Mutter Tamiko dahintersteckt, was Missstimmung zwischen den Familien auslöst. Erst als der Vater einlenkt, geben die Söhne ihr Schweigen auf und grüßen alle Nachbarn wieder freundlich.
Ähnlich wie in seinem 1932 gedrehten Film "Ich wurde geboren, aber..." thematisiert Yasujiro Ozu in "Guten Morgen" die Situation sozialer Abhängigkeiten. Angesiedelt im kleinbürgerlichen Milieu, erweist sich die Geschichte zweier streikender Brüder als ein amüsantes Beispiel eines sehr speziellen Genres, des Shomin-geki. Yasujiro Ozu gilt als Meister dieser Beobachtung des japanischen Kleinbürgertums. Mit Einfühlungsvermögen, leisem Humor und vor allem viel Sympathie für Figuren und Schauplätze erzählt er von innerfamiliären Konflikten, was in der schlichten, aber ausbalancierten Inszenierung eine ästhetische Entsprechung findet. "Guten Morgen" zählt, wie auch der am Vortag ausgestrahlte Film "Sommerblüten", zu den Klassikern der japanischen Filmgeschichte, zu deren herausragenden Vertretern Yasujiro Ozu neben Akira Kurosawa und Mikio Naruse gerechnet wird. Ozus filmischer Einfluss reicht bis nach Europa, wo ihm etwa Wim Wenders mit dem von ARTE ausgestrahlten "TOKYO-GA" (1985) eine sehr persönliche Hommage erwies.
Am 12. Dezember wäre der Filmregisseur Yasujiro Ozu 100 Jahre alt geworden. Mit den Spielfilmen "Sommerblüten" und "Guten Morgen" erinnert ARTE an den japanischen Altmeister.
Regie: Yasujiro Ozu; Buch: Yasujiro Ozu, Kôgo Noda; Kamera: Yushun Atsuda; Musik: Toshiro Mayuzumi; Produktion: Shochiku Mit: Masahiko Shimazu - (Isamu), Chishu Ryu - (Keitaro, der Vater), Kuniko Miyake - (Tamiko, die Mutter), Koji Shigaragi - (Minoru)
Erstellt: 22-04-04
Letzte Änderung: 12-11-03