Die Reportage sehen (real video - 3mn09)
Die Wunderkammer war einst Vorläufer der heutigen Museen - und heute? Heute findet sie sich als Kuriosum im zeitgenössischen Museum wieder. Die Wunderkammern der Spätrenaissance und des Barocks, auch Kunst-Kammern und Raritäten- oder Kuriositätenkabinette genannt, waren einst die Vorläufer unserer heutigen Museen. Meist waren es Sammlungen von Fürsten, die Naturalien nicht von Artefakten, oder Kunst von Handwerk trennten. Sie wollten den universalen Zusammenhang aller Dinge darzustellen und eine Weltanschauung vermitteln, in der Kunst, Natur und Wissenschaft zu einer Einheit verschmolzen. Mit der Aufklärung und dem wissenschaftlichen Fortschritt schwand ihr Einfluss - sie waren mehr und mehr als abstruse Rumpelkammern verschrieen. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurden die Wunderkammern von den heute üblichen, spezialisierten Museen abgelöst. Heute jedoch entdecken zeitgenössische Künstler erneut den Reiz, das Disziplinen übergreifende Sammeln und Collagieren wieder als neue Wunderkammern auszustellen, und damit Natur und Kultur wieder enger zusammenzubringenDas erst 2006 eröffnete Kunstzentrum Maison d'Art Bernard Anthonioz, in Nogent-sur Marne im Pariser Osten zeigt nun - und das bis zum 11. März - eine durchaus wundersame Ausstellung von 28 Künstlern jeneseits des Mainstream, die in ihrer Arbeit von den "Cabinets de curiosité" inspiriert sind.
Guy Jacqmin - Künstler und Ausstellungskurator:"Diese aufgelesenen Fragmente werden neu zusammengesetzt. Sie erhalten so ein neues Leben und einen neuen Sinn. Die Komposition lässt sie aufleben. Es ist Kunst, welche die Natur vollendet, und sich von ihr inspirieren lässt."
Isabelle Tournoud, Künstlerin:"Ich kreiere Rüstungen - aber aus Materialien, die sich zur Verteidigung kaum eignen. Ich will zeigen, dass der Mensch genauso zerbrechlich ist wie ein kleiner Ast, trotz seiner Wissenschaften, und trotz seines Willens, sich die Welt Untertan zu machen."
Der Japaner Jun Takita lässt da lieber einen gescannten Gips-Abdruck seines Gehirns mit Algen überwuchern - schliesslich braucht der Mensch auch zum Denken den Sauerstoff der Pflanzenwelt. Bereits zum dritten Mal hat Guy Jacqmin Gleichgesinnte aufgespürt, deren künstlerisches Schaffen die Leidenschaft des Entdeckens ist.
Guy Jacqmin, Künstler und Ausstellungskurator: "Es ist eine ständige Suche. Man muss immer aufmerksam sein, um zu bemerken, was auf unserem Weg liegt. Man kann gegenüber den wunderlichsten Dingen abstumpfen, aber auch von den einfachsten begeistert sein - das hängt alles vom Blick ab!"
Seltsame Gewächse im Unterholz - sie entpuppen sich als fein gerolltes Zigarettenpapier...Umweltbewusstsein ist Trumpf bei der Kunst der Wiederverwertung. Im "fragmentierten Museum" des Künstlers Ashley findet seit 25 Jahren alles seinen Platz. Objekte, die Geschichten erzählen. Ein Kabinett sorgsam beschrifteter Erinnerungen.
Ashley, Künstler:
"Dieses Museum war gar nicht als Kunst geplant, es besteht aus kleinen Geschichten. Egal, ob das Objekt nun ehrwürdig ist, oder ob es sich um eine Cola-Dose oder einen Plastikbecher handelt. Die Geschichte ist das, was zählt."
Ausstellung"Artificialia"
vom 18. Januar bis 11. März 2007
im Maison d'Art Bernhard Anthonioz
16 rue Charles VII
94130 Nogent-sur Marne
>> Offizielle Website






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