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Am 17. März 2011 feiert Siegfried Lenz seinen 85. Geburtstag: ARTE gratuliert mit einem Schwerpunkt. Kommen Sie mit auf Entdeckungstour!

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Krimiautoren A-Z - 26/11/10

Håkan Nesser

Der 1950 geborene Nesser ist einer der interessantesten und vielseitigsten schwedischen Kriminalschriftsteller. Seine ausgefeilten Kriminalfälle dienen Nesser als Katalysatoren für feinsinnige, mehrbödige Geschichten mit philosophischem Hintergrund. Nach einer Serie von zehn Romanen mit Kommissar Van Veeteren in einem allgemein-nordisch-holländischen „Maardam“ sowie etlichen Titeln ohne Serienhelden schreibt Nesser seit 2006 an einer Serie mit Inspektor Gunnar Barbarotti. Nesser wurde mehrfach mit dem Schwedischen Krimipreis und anderen nordischen Krimipreisen ausgezeichnet.

Rezension zu Håkan Nessers: Die Perspektive des Gärtners

  • Hendrik Werner/Weser-Kurier 7.11.2010

KrimiWelt-Bestenliste Dezember 2010


Gut ein Jahr ist es her, dass Erik und Winnie Steinbecks vierjährige Tochter Sarah verschwand. Besonders die Spurlosigkeit des Abgangs ist horrend. Keine Lösegeldforderung, kein Hinweis auf Tat oder Täter. Erik und Winnie suchen Abstand vom Unfassbaren – und ziehen nach New York. Erik beginnt die Arbeit an einem Roman, Winnie nimmt die Malerei wieder auf. Bis sie, die in einer früheren Beziehung bereits ein Kind verlor, ihrerseits verschwindet. Erik recherchiert verzweifelt im Verbund mit einem Privatdetektiv und einer Hellseherin. Und stellt fest, dass er nicht alles über seine labile Frau weiß. Håkan Nesser hat sich eine Serienpause verordnet – und seine Fans mit dieser gekonnt zwischen Familiendrama, Mystery und Krimi changierenden Geschichte reich beschenkt.

 

Rezension zu Håkan Nessers: Das zweite Leben des Herrn Roos


KrimiWelt-Bestenliste November 2009


Er ist ganz und gar unauffällig. Ein langweiliger Mann mit einem langweiligen Job mit einer langweiligen Frau und zwei unsympathischen Stieftöchtern. Ante Valdemar Roos, 59, würde wohl bis zu seiner Pensionierung mit seiner öden Routine weitergemacht haben, hätte ihn nicht ein Schicksalsschlag in Form eines Totogewinns ereilt. Roos sagt seiner nervigen Familie nichts, kündigt sofort und kauft sich ein kleines Häuschen mitten im schwedischen Wald. Da will er nichts anderes tun als vor der Hütte sitzen, seinen Jungenderinnerungen nachhängen und vor allem allein sein. Pünktlich kehrt er abends nachhause zurück und übt sich im Doppelleben. Davon handelt der erste Teil von Hakan Nessers neuem Roman. Ganz gemach entwickelt sich aus der kleinen Flucht des Valdemar Roos ein Krimi. Denn sein geheimes Paradies bleibt nicht ungestört. Im zweiten Teil quartiert sich eine junge Frau, die aus einer dubiosen Drogenentziehungsklinik ausgebrochen ist in seiner Hütte ein. Die vorsichtigen Annäherungsversuche zweier Aussenseiter erfahren eine dramatische Wendung, die beide zum Verlassen des Landes zwingt. Das wird ein Fall für Inspektor Gunnar Barbarotti, dem man als Leser von ganzem Herzen einen Misserfolg wünscht. Denn Nesser versteht es, die Solidarität des Lesers mit dem ungleichen Paar  zu erzeugen. Es ist  eine Liebesgeschichte, der nichts Sexuelles anhaftet. Hier sind zwei Menschen, die man nicht so sein lässt wie sie sind und die sich so lange verbiegen, bis sie schließlich einen radikal neuen Weg einschlagen müssen. Nesser erzählt das bedächtig, voll Zuwendung zu seinen Figuren; eigentlich ist das ein Entwicklungsroman, bei dem die innere Emanzipation des Helden in wenigen Wochen vonstatten geht und die durch Zitate aus Songs von Marianne Faithfull bis zu den Rolling Stones kommentiert wird. Eine schöne, für dieses Genre eher ungewöhnliche Geschichte. 

 




Rezension zu Håkan Nessers: Die Schatten und der Regen

Aus dem Schwedischen von Christel Hildebrandt
btb, geb., 380 S., 21,90 €

K. in Nordschweden: Viktor Vinblad ist in seine kleine Heimatstadt zurückgekehrt. Vor 30 Jahren wurde Sara erschlagen. Drei Menschen versuchen herauszufinden, was damals tatsächlich geschah. Spannende, komplex erzählte Geschichte um Wahrheit, Schuld und Vorurteil.


Soll ein Mord immer aufgeklärt werden? Ja, selbstverständlich. Doch wenn man sich in die Einzelheiten vertieft, verdünnisieren sich die guten Gründe, sie werden flüchtiger. (…) Doch kann Vergeltung tatsächlich über den Verlust eines Menschen hinwegtrösten? Und wie dringlich ist die Identifizierung und Bestrafung eines Täters, wenn wie in Schweden Mord nach 25 Jahren verjährt?

Auf solche Erwägungen stößt uns Håkan Nesser in seinem jüngsten Roman „Die Schatten und der Regen“ Doch bevor Nesser in seiner Erzählung auf die zentralen Fragen von Mord und Schuld und Sühne zusteuert, fesselt er die Leser wie es alle guten Erzähler tun, indem er sie so mit den Hauptfiguren vertraut macht, dass sie nicht mehr von ihnen lassen können – und vor allem: ihnen trauen. Da ist zum einen der Ich-Erzähler David Mörtberg. Der Lehrer hat sich für ein Jahr beurlauben lassen. Von Uppsala ist er etwas widerwillig nach K. aufgebrochen, einer kleinen Stadt hoch im schwedischen Norden, in der er seine Kindheit verbracht hat. (…) Anlass von Mörtbergs Reise in die Kindheit ist ein Brief seiner Schwester, in dem sie ihm mitteilt, dass ihr alter Ziehbruder Viktor Vinblad nach Jahrzehnten der Abwesenheit wieder nach K. zurückgekehrt ist. (…)

Erst zum Schluss der verschlungenen Erzählung begreifen wir, dass das, was dem alltäglichen Menschenverstand einleuchtend scheint, noch lange nicht die Wahrheit sein muss. Der Weg zur Erkenntnis ist gepflastert mit den Erinnerungen an eine Kindheit im hohen Norden: voller Zauber, voller Rätsel und Grausamkeit. Denn Viktor ist ein Mörderkind. Sein Vater hat die Mutter im Suff erschlagen und anschließend sich selbst umgebracht. Mörtbergs Eltern nehmen das Waisenkind auf, und seitdem sind die Schicksale der drei Kinder miteinander verknüpft.

Dieser Viktor, um den sich alles dreht, war einmal ein Pfundskerl. Er konnte Psalmen rückwärts singen, vergaß nichts und fiel als Fünfzehnjähriger, während er gerade dabei war, das seit 328 Jahren ungelöste Rätsel um Fermats letzten Satz aufzudröseln, aus dem Schulfenster. Nach dem Sturz verstummte er. Mit drei anderen Außenseitern war er später auf einem Bauernhof zusammengezogen. Als die geistig etwas zurückgebliebene Mitbewohnerin Sara nackt und erschlagen im Wald gefunden wurde, verschwand er über Nacht und galt seitdem als der Schuldige. Zwei Morde sind in den letzten fünfzig Jahren in K. geschehen, und in beide war Viktor verwickelt. Jetzt sind mehr als 25 Jahre vergangen, der Mord ist verjährt, und Viktor ist von wer weiß woher zurückgekehrt. Wird der Tod Saras aufgeklärt werden? Wie soll Martin mit seinem Ziehbruder umgehen, wenn dieser jetzt den Mord gesteht?

Håkan Nesser ist ein Autor, der es mit beidem ernst meint, mit dem Krimi und mit dem Roman. Wie sein deutscher Kollege Friedrich Ani betrachtet er den Kriminalroman als eine Angelegenheit auf und um Leben und Tod, als Struktur der erzählerischen Existenz- und Seelenforschung. (…)

Tobias Gohlis/Die Zeit


siehe auch Krimi-Bestenliste Januar 2006


Die wichtigsten Links:




Siehe auch Bestenliste Januar 2006

Erstellt: 11-01-06
Letzte Änderung: 26-11-10


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