Schriftgröße: + -
Home > Die Welt verstehen > ARTE Journal

ARTE Journal

ARTE Journal bietet den europäischen Blick auf die wichtigsten Ereignisse des Tages.

> Themen > Haiti: Die schwer zerstörte Stadt Leogane

ARTE Journal - 18. Januar 2010 - 20/01/10

Haiti: Die schwer zerstörte Stadt Leogane

In Haiti hat die Regierung nach dem schweren Erdbeben den Ausnahmezustand ausgerufen. Unsere Sonderkorrespondentin Herade Feist berichtet aus Leogane. In der Stadt westlich der Hauptstadt Port-au-Prince hat das Beben 80 Prozent der Häuser dem Erdboden gleichgemacht.



Leogane liegt 30 Kilometer westlich von Port-au-Prince. 130.000 Einwohner hatte die Stadt vor dem Erdbeben. Jetzt ist sie ein einziges Trümmerfeld. Mehr als 80 Prozent der Gebäude sind eingestürzt.
Auch Familie Lissade hat ihr Haus verloren. Es war fast 100 Jahre alt.


Ich bin in diesem Haus geboren und habe darin mein ganzes Leben verbracht“, sagt uns Rodrigue Lissade.“Mit ihm ist mein ganzes Leben zusammengebrochen.“


Die Familie campiert auf der Straße. Hilfe hat sie bisher noch keine bekommen.


Mir hat niemand geholfen“, sagt Clarelle Lissade, „In Leogane gibt es nichts. Viele Menschen sind tot. Es riecht überall nach Verwesung. Wir können nicht schlafen. Wir übernachten auf der Straße.“


In Leogane gab es bisher nur einmal eine Verteilung von Lebensmitteln - organisiert vom Welternährungsprogramm. Die ausländische Hilfe konzentriert sich bisher vor allem auf die Hauptstadt. Die Überlebenden hier fühlen sich alleine gelassen, doch auch sie bräuchten dringend Hilfe.
Wie in Port-au-Prince wurden Notlager errichtet - wie hier im Stadion der Stadt, die hygienischen Zustände sind katastrophal. Von den Krankenhäusern ist keines stehengeblieben. Ein armseliges Zelt dient als Erste-Hilfe-Zentrum.

Es gibt keine Medikamente mehr“, sagt die Ärztin Edly Tranchant.“Kein medizinisches Material, nichts. Es gibt hier rein gar nichts, das wir nehmen könnten.“
Frage: „Wie halten Sie durch, haben Sie das in den Apotheken gefunden?“
Ja, es gibt Apotheken, aber sie sind kurz vor dem Einstürzen“ antwortet die Frau. Wir müssen die Apotheken regelrecht durchsuchen, um etwas zu finden. Aber es gibt nichts mehr.“

Vor den Tankstellen der Stadt bilden sich wie überall in Haiti lange Schlangen. Benzin ist knapp, die Preise sind explodiert. Fast 2 Euro kostet inzwischen der Liter. In ihrer Not fühlen sich die Menschen in Provinzstädten wie Leogane vollkommen von der Außenwelt abgeschnitten.

Erstellt: 18-01-10
Letzte Änderung: 20-01-10