Das winterliche Bayern, weit weg von Haiti. Trotzdem werden im Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum bei München Leben gerettet, wenn auch nur indirekt. Zwei Dutzend Kartographen und Geographen arbeiten hier seit vergangener Woche rund um die Uhr.
In mühsamer Kleinarbeit lesen Olaf Kranz und sein Team aus Satellitenfotos Informationen heraus, die für die Retter vor Ort unentbehrlich sind.
Projektleiter Olaf Kranz: „Wir werten aus: wo hat es die größten Gebäudeschäden gegeben, die häufigsten Gebäudeschäden gegeben, und wo möglicherweise auch Sammelplätze sind, der lokalen Bevölkerung, das wiederum ist ein Indiz dafür, wo könnte man Versorgungsstationen aufbauen.“
Der Satellit TerraSAR X produziert die Bilder und sendet sie nach Oberpfaffenhofen. Im Krisenzentrum werden diese Aufnahmen verglichen mit Bildern von vor dem Beben.
Olaf Kranz: „Ein sehr eindrückliches Beispiel ist hier die Kathedrale. Wenn man jetzt auf das Nachher-Bild zoomt, dann erkennt man sehr deutlich, dass hier das komplette Dach eingestürzt ist. Man sieht noch die Grundmauern, die sind stehen geblieben, aber ansonsten ist die Kathedrale komplett zerstört.“
Dank dieser Informationen können sich die Bergungsteams konzentrieren auf Gebäude wie dieses, das zur Hälfte zerstört wurde.
Kartographin Christine Radestock erklärt: „Dieses helle Gelb bedeutet, das weniger als zehn Prozent der Gebäude zerstört sind, dieses Sonnengelb bedeutet, das zwischen zehn und vierzig Prozent der Häuser zerstört sind und dieses orange bedeutet, dass über vierzig Prozent der Häuser zerstört sind, so wie wir es auf dem Satellitenbild sehen.“
Das Team ist katastrophenerprobt, bereits beim Tsunami in Asien wurde von hier aus geholfen. Haus für Haus werden die Schäden registriert. Doch Christine Radestock kann auch sehen, wohin die Opfer geflohen sind:
„Hier sieht man zum Beispiel einen Sportplatz, wo Leute offensichtlich zelten und sich eine provisorische Bleibe eingerichtet haben.
Die Karten sind im Internet abrufbar oder werden für die Hilfsorganisationen ausgedruckt mit genau den Informationen, die sie brauchen.
Olaf Kranz: „Diese Karten werden jetzt laminiert und dann per Express nach Berlin zum Deutschen Roten Kreuz geschickt.“
Gestern und heute bebte die Erde erneut in Haiti, und das Team in Oberpfaffenhofen bot den Rettern bereits an, neue, aktualisierte Karten bereitzustellen.
Eine Reportage von Alexander Wolkers, Thomas Vollherbst, Stefanie Keßler







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