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ARTE Journal - 12. Juli 2010 - 12/01/12

Haiti sechs Monate danach

Am 12. Januar bebte in Haiti die Erde. Mehr als 200.000 Menschen starben, anderthalb Millionen wurden obdachlos. Ende März hatten 59 Staaten und Organisation Haiti Hilfe zugesagt. Von 10 Milliarden Dollar übernahm Deutschland 53 Millionen. Doch die Fortschritte beim Wiederaufbau sind auch sechs Monate nach der Katastrophe sehr klein. Hilfsorganisationen schlagen Alarm.

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So kritisierten sie den schleppenden Wiederaufbau. Experten zufolge kommt er deswegen so langsam voran, weil das Land schon vor dem Erdbeben das Armenhaus der Region war. Zudem kommt die zugesagte Aufbauhilfe nur tröpfchenweise in dem geplagten Land an: Nach Angaben von Associated Press trafen bisher nur zwei Prozent der versprochenen Summe ein. Dabei wird Hilfe nach wie vor dringend benötigt: Anderthalb Millionen Menschen sind immer noch obdachlos. Sie harren in Zeltstädten aus, doch dort sind sie nicht nur von Krankheit, sondern auch von Banden bedroht. Denn die haitianischen Behörden haben die Sicherheitslage noch nicht im Griff.

Banden bedrohen die Obdachlosen


Für die plündernden Banden sind vor allem Kinder ein leichtes Opfer - nach Angaben des internationalen Kinderhilfswerks UNICEF leben 800.000 Kinder in den Notaufnahmelagern, wo sie von Gewalt, Krankheiten und Mangelernähung bedroht sind und überdies nicht in die Schule gehen können. Die Nothilfe müsse noch mindestens 18 Monate weitergehen, damit sich die humanitäre Krise nicht verschärfe, erklärte UNICEF. Hunger und Epidemien konnten bisher zwar verhindert werden - dennoch sei das Leben der Haitianer derzeit "nicht auszuhalten", konstatiert das katholische Hilfswerk Adveniat. Es kritisierte auch die haitianische Regierung: Diese verlasse sich zu sehr auf internationale Hilfe. Hilfe, die auch deswegen so schleppend ankommt, weil Haitis Infrastruktur schon vor dem Erdbeben marode war. Die Mißstände treiben nun auch Studenten und Oppositionelle auf die Straße - eine Sorge mehr für Haitis Regierung.

Schulen liegen in Trümmern


Fast die Hälfte der Bevölkerung Haitis ist unter 18 Jahre alt - ein Großteil davon müsste eigentlich zur Schule gehen. Doch bisher sind nur 40 Prozent der zerstörten Schulen wieder aufgebaut. Daher haben mehr als zweieinhalb Millionen Kinder zur Zeit keinen Zugang zu Bildung. Bisher hat UNICEF zwar 193 Millionen Euro für den Aufbau der Schulen gesammelt, nötig wären jedoch 350 Millionen - fast das Doppelte.

Bei den Bauern kocht der Zorn


Doch nicht nur Kinder leiden besonders unter den Folgen des Erdbebens, sondern auch die Bauern Haitis. Sie sind der Meinung, dass die internationale Hilfe teilweise sogar gefährlich ist: So hatten tausende Bauern im vergangenen Monat gegen die Regierung demonstriert, weil sie Saatgut des umstrittenen Konzerns Monsanto an die Landwirte verteilt hatte. 475 Tonnen Mais waren geliefert worden - doch aus diesem industriell hergestellten Saatgut wachsen keine neuen Pflanzen. Ein Problem für die Bauern und ihre traditionelle Landwirtschaft. Denn noch können sie nicht ihre alten Methoden anwenden – die Infrastruktur, wie Brunnen oder Bewässerungsanlagen, ist immer noch nicht repariert.







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Erstellt: 12-07-10
Letzte Änderung: 12-01-12