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Filmfestival

Vom 7. bis 17. Februar findet die diesjährige Berlinale statt, Stars und Sternchen aus dem Filmgeschäft geben sich die Ehre am Potsdamer Platz.

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Vom 7. bis 17. Februar findet die diesjährige Berlinale statt, Stars und Sternchen aus dem Filmgeschäft geben sich die Ehre am Potsdamer Platz.

Filmfestival

Internationale Filmfestspiele Berlin 2008 - Wettbewerb - 01/12/08

Happy-Go-Lucky

Ein Film von Mike Leigh


Unbeschwertheit kann ansteckend sein

Synopsis: Poppy ist eine lebensfrohe Grundschullehrerin. Sie liebt ihr Leben, denkt positiv und versucht, ihren Freunden und Mitmenschen ein Lächeln in den Tag zu zaubern. Kann sie bestehen in einer unfreundlichen, schnelllebigen und anonymen Welt?



Im Gespräch mit Regisseur Mike Leigh
Im Gespräch mit Darstellerin Sally Hawkins
Im Gespräch mit Darsteller Eddie Marsan
Mike Leigh beim Berlinale Talent Campus


Kritik: HAPPY-GO-LUCKY ist eine Art Gegenentwurf zu NAKED, den Mike Leigh 1993 drehte. Darin überzeugte David Thewlis als der zynische, aber dennoch charmante und eloquente Drifter Johnny. Dessen Aufgabe schien es zu sein, seine Mitmenschen davon zu überzeugen, dass ihr Leben widerwärtig ist. Für seine großartige Leistung wurde der britische Schauspieler in Cannes als Bester Darsteller ausgezeichnet, der Film gewann die Goldene Palme. Nun ist Mike Leigh erstmals in Berlin in den Wettbewerb eingeladen worden, und er hat einen hervorragenden Film mitgebracht.

Seine Poppy, die Hauptdarstellerin in HAPPY-GO-LUCKY schafft es durch ihre offene, freundliche Art und ihre positive Energie, das Leben für sich selbst und ihre Mitmenschen in jedem Moment lebenswert sein zu lassen, auch wenn es einmal kompliziert wird. Der Film eröffnet mit einer Szene, in der sie bunt angezogen auf ihrem klapprigen Rad durch London fährt. Sie besucht eine Buchhandlung, versucht den verstockten Buchhändler ein wenig aufzumuntern und geht wieder. Ihr Rad ist weg. "Schade, ich hätte mich so gerne noch von ihm verabschiedet," sagt sie ihrer Freundin. Aber sie trauert ihm nicht hinterher und beschließt stattdessen, Fahrstunden zu nehmen. Eine folgenreiche Entscheidung, denn Scott, ihr Fahrlehrer ist ein wortkarger, stets schlecht gelaunter Typ, der seinen Ärger seit Jahren in sich hineinfrisst. Rassistisch und sexistisch ist er außerdem. Im kleinen Fahrschulauto prallen so zwei extrem unterschiedliche Charaktere aufeinander. Irgendwann später im Film wird sich dieser Energiestau entladen, die Bombe platzt.

Beste Darstellerin: Sally Hawkins
Sally Hawkins spielt Poppy, nein, sie ist Poppy. Sie scheint in dieser Rolle aufzugehen, jede kleinste Bewegung wirkt stimmig. Das liegt unter anderem an der einzigartigen Arbeitsmethode, mit der Regisseur Mike Leigh seine Schauspieler auf ihre Rollen vorbereitet. Sechs Monate lang entwickeln sie diese mit dem Regisseur gemeinsam, ein Drehbuch gibt es nicht. Jeder Schauspieler kennt am Ende dieser Vorbereitungszeit nur seinen eigenen Charakter, weiß aber nicht um die gesamte Handlung. So kommt es auch während des Drehens zu heftigen Überraschungen, zu Momenten, in denen die Schauspieler als Charakter spontan reagieren müssen. Es wäre nicht überraschend, wenn Sally Hawkings den Preis als Beste Schauspielerin bekommen würde, sie hätte ihn verdient. Sie ist entlarvend und charmant wie ein weiblicher Charlie Chaplin, direkt und bezaubernd wie eine ein wenig älter gewordene aber immer noch genauso verspielte und abenteuerlustige Pippi Langstrumpf.

Ihr natürliches Lächeln verzaubert und ihre positive Energie strahlt in die kalten Tage Berlins. In ein Festival, das bisher Kindesmissbrauch, Ehedramen, den Kampf gegen die Dealer Rios, todkranke Männer, die nach Japan reisen und einiges mehr an schweren Themen in seinem Kalender stehen hatte. HAPPY-GO-LUCKY bringt Unbeschwertheit und Lebensfreude in die mittlerweile ermüdeten Zuschauer, die wir jetzt alle dringend brauchen können. Ein gutes Timing.

Für eine der besten Szenen gab es sowohl in der Pressevorführung als auch bei der abendlichen feierlichen Premiere Szenenapplaus: Eine Flamencolehrerin (famos gespielt von Karina Fernandez) will ihren Schülern, u.a. Poppy die Herkunft des "Schmerzenstanzes" erklären und steigert sich dabei so sehr in ihren eigenen Schmerz hinein, dass sie schließlich heulend zusammenbricht und wegläuft.

Mike Leigh beweist, dass er auch Komödien inszenieren kann, und er zeigt auch, dass ein Film nicht zwingend einer Handlung bedarf. Weder macht Poppy eine großartige Entwicklung durch, noch passieren allzu viele nennenswerte Dinge um sie herum. Eher zufällig hat sie dann am Ende sogar einen Freund gefunden, ohne je danach zu suchen. Das ist logisch, denn Menschen wie Poppy sind stets bei sich selbst, sie sind einfach da. Sie schenken ihren Mitmenschen und ihren Liebsten Freude, und dafür bekommen sie auch etwas zurück, so ist das im Leben. Mike Leigh, seine Schauspieler und sein Filmteam haben uns einen wunderbaren Film geschenkt und dafür werden sie belohnt werden.

Nana A.T. Rebhan
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Happy-Go-Lucky
Großbritannien, 2008, 118 Min.
Regie: Mike Leigh
Darsteller: Sally Hawkins, Alexis Zegerman, Eddie Marsan

Erstellt: 08-02-08
Letzte Änderung: 01-12-08