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Bei Konzerten der Experimentellen und der Neuen Musik ist er inzwischen obligatorisch, der Griff des Musikers in das Innere des Klaviers. Man zupft und rupft an den Klaviersaiten, man hämmert auf ihnen herum oder man bearbeitet sie mit allerlei mechanischen Hilfsmitteln. Die Saiten werden direkt gespielt, ohne Umweg über die Klaviatur. Wegbereiter einer neuen Spielweise des Klaviers war unter anderem John Cage, der bereits in den 1940er Jahren erste Kompositionen für ein präpariertes Klavier geschrieben hat. Bei dem prepared piano werden die Saiten manipuliert, indem man sie abklebt oder Gegenstände auf ihnen platziert. Der Klang des Instruments wird nicht mehr als vorgegeben betrachtet, stattdessen setzt man sich verstärkt mit dem Klavier an sich auseinander, als variabler Klangkörper. Dies eröffnet sowohl Komponisten als auch Musikern völlig neue Möglichkeiten.Der Düsseldorfer Pianist Volker Bertelmann ist ein umtriebiger Musiker. Neben seinen experimentellen Elektropopgruppen Tonetraeger und Music A.M. (s. CD-Tipps 07.04.2005) verfolgt er darüber hinaus ein Soloprojekt. Unter dem Namen Hauschka experimentiert er mit dem prepared piano und seinen musikalischen Möglichkeiten. Durch die Manipulation der Saiten verleiht er einzelnen Noten eine veränderte Klangfärbung, die er in seine Melodien integriert oder rein perkussiv einsetzt. So kommt es, dass man sich bei seinen Konzerten zunächst die Frage stellt, ob er mit Effektgeräten oder Rhythmusmaschinen arbeitet. Zu sehr ist man heutzutage den Einsatz von Elektronik in der Musik gewöhnt, als dass man auf die naheliegendsten Antworten kommen würde.
In den mäandernden und repetierenden Melodien Hauschkas finden sich sowohl Elemente der Klassik als auch der Minimalmusic. In zahlreichen Kritiken zu seinem Debüt „Substantial“ und „Prepared Piano“ wurden infolgedessen Parallelen zu der Musik von Erik Satie bis Ravel, von Terry Riley bis Michael Nyman gezogen. Auch wenn das prepared piano erneut im Mittelpunkt seines aktuellen Albums „Room To Expand“ steht, so kombiniert er es nun verstärkt mit Streichinstrumenten sowie dezenten elektronischen Rhythmen und Sounds. Sein faszinierend filigranes Spiel hat sich Hauschka bewahrt, er verortet es einzig in weitaus komplexeren Arrangements. Ebenfalls aktuell erschienen ist „Versions Of The Prepared Piano“, für das Hauschka befreundete Musiker aufgefordert hat, seine Einspielungen zu bearbeiten, wenn möglich mit Gesang. Dabei belegen die Prepared-Piano-Versionen von Musikern wie Mira Calix, Wechsel Garland und Barbara Morgenstern die vielfältigen musikalischen Anknüpfungspunkte in Hauschkas Kompositionen und bereichern sie um verblüffend neue Facetten.
Matthias Schneider







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