Schriftgröße: + -
Home > Kultur entdecken > Kultur Digital > Ars Electronica 2008 > HeHe über den Wolken: Über Gift und Gastfreundschaft

Kultur Digital

Transmediale Sk-interfaces Ars EMAF 2009 teil 3 teil 2 teil 1 Transmediale Article Ars electronica Tuned City Sonar Màtica oder das grosse Staunen (...)

Kultur Digital

18/12/08

HeHe über den Wolken: Über Gift und Gastfreundschaft

Preis in der Kategorie "Hybrid Art"


Vor langer, langer Zeit war der aus dem Schornstein aufsteigende Rauch gleichbedeutend mit industriellem Fortschritt – heute steht er für den drohenden Klimawandel. Früher wurden Friedenspfeifen gepafft, Rauchen wurde schick, und für Frauen kurzzeitig sogar Emanzipationssymbolik – nun bleibt nur noch die akute Gesundheitsgefährdung, die sich in apokalyptischen Warnungen auf Zigarettenpackungen niederschlägt. Das in Paris ansässige deutsch-britische Kollektiv HeHe fragt nach der wandelbaren kulturellen Bedeutung von Rauchzeichen – und gewinnt damit die Goldene Nica der Ars Electronica für die beste Arbeit im Bereich "Hybrid Art".

  • HeHe im Interview - Teil 1
  • HeHe im Interview - Teil 2
  • HeHe im Interview - Teil 3

Previous videoNext video

Über viele Jahre haben sich Helen Evans und Heiko Hansen alias HeHe mit vom Menschen gemachten Wolken beschäftigt. Es interessiert sie dabei gleichermaßen die Metapher des künstlich Erschaffenen von eigentlich Natürlichem, als auch die direkte Einflussnahme auf konkrete Situationen im Hier und Jetzt. Ihre Projekte sind keine Kunstinstallationen im herkömmlichen Sinne, sondern fortlaufende Projekte ohne Anfang oder Ende. Sie mischen Industrie-Design, Ingenieurwissenschaften und ökologisches Engagement, um ohne erhobenen moralischen Zeigefinger öffentliches Interesse an den Problemen der Luftverschmutzung zu stimulieren.

Das Projekt wurde ursprünglich für das Pixelache Festival Helsinki realisiert.
Pollstream – Nuage Vert nutzt nicht-natürliche Wolken als Projektionsflächen. In ihrer öffentlichen Performance im Februar 2008 in Helsinki bezogen Hehe die ganze Stadt, den öffentlichen Raum und die Industrie mit ein. Statt jedoch mit konsensfähigen Mode-Slogans hausieren zu gehen, initiierten sie ein Projekt, welches die Einwohner in dieses kreative Projekt, Emissionen grün einzufärben, einbezog. Grün – die Farbe des Natürlichen, welche allerdings in der Industrie auch durch das ‘Gift-Grüne’ vorbelastet ist... Der von einem Kraftwerk ausgestoßene Wasserdampf wurde zum Trägermedium für politische Ideen und Botschaften: HeHe projizierten in Echtzeit einen grünen Laser auf die Schadstoffquelle – und die Einwohner Helsinkis konnten durch das Abschalten ihrer elektronischen Geräte mithelfen, dass die künstlich vom Menschen geschaffenen Wolken anwuchsen. Denn da Energie lokal erzeugt wird, verpuffte die Überproduktion in dem Moment, in dem viele Einwohner unvermittelt den Verbrauch reduzierten. Symbolisch reduzierte die Kunstaktion den Energieverbrauch um bis zu 800 Kilowattstunden. Bei ihren Aufklärungs-Interventionen in den Schulen stießen die Künstler dann auf die erfrischende Kritikfähigkeit der Kinder: Wie viel Energie verbraucht der Hochleistungs-Laser, den sie selbst benutzen?

Warum haben ferngesteuerte Spielzeugautos keine Emissionen, obwohl sie doch in der Regel Autotypen nachahmen, welche auf den Verbrauch kaum Acht geben? HeHes Toy Emissions (My friends all drive Porsches) ist eine Guerilla-Aktion, bei der farbigen Dampf speiende Miniatur-Autos durch New York oder andere Metropolen fahren und den Verkehr stören. Als ‘grüne Alternative’ taugen die Elektroautos kaum…

Auch die anderen Arbeiten dieser Werkgruppe lassen mannigfaltige Interpretationen zu. Champs d'Ozone ist eine für das Centre Georges Pompidou in Paris entworfene chromatische Installation, in welcher die gemessenen Luftwerte in Echtzeit als grüner, orangener oder roter Schleier in ein Fenster im 6. Stock mit Sicht auf die Stadt projiziert werden. Die Messdaten werden nicht abstrahiert, sondern ‘liegen in der Luft’. Denn, so Heiko Hansen, “heute ist die Luftverschmutzung in den Städten weniger sichtbar als noch vor einigen Jahrzehnten, als alles schwarz war. Die Filter heute eliminieren viele Partikel, was aber nicht bedeutet, dass damit das Emissionsproblem gelöst wäre.”


Nächste Station der Smoking Lamp ist die ARTICLE Biennale im norwegischen Stavanger, Europäische Kulturhauptstadt 2008.
Ständig stellt Hehe gängige Moralvorstellungen auf den Kopf: Smoking Lamp wurde parallel zum sich in Europa durchsetzenden Rauchverbot in geschlossenen öffentlichen Räumen entworfen. Die Lampe stiftet die Besucher in der Galerie zum Rauchen an und belohnt sie mit Farbveränderungen und Soundeffekten. Auch wenn es schlecht für die eigene Gesundheit ist, jeder will es ausprobieren – schließlich ist es ja eine interaktive Kunstarbeit.


Das Interview


Das Interview wurde in OK Zentrum in Linz gedreht. Helen Evans und Heiko Hansen sprechen teils auf französisch und auf deutsch.

Was verbirgt sich hinter dem zentralen Thema der Projetserie, den ‘von Menschen gemachten Wolken’ ?

Die Farbe grün, mit ihren möglichen Assoziationen von gift-grün bis ökologisch, ist komplex – wie wird kommt das in der Pollstream-Serie zum Ausdruck ?

Sämtliche Projekte sehen auf den ersten Blick sehr einfach aus, erst auf den zweiten wird deutlich, wie viele Partner und Technologien beteiligt sind. Welches waren die Hauptschwierigkeiten bei Nuage Vert ?



Zur Ausstellung "Airs de Paris"


Die Reportage sehen (real video - 3mn40)

Das Pariser Kunst- und Kulturzentrum Georges Pompidou feierte seinen 30. Geburtstag im letzten Jahr mit einer ungewöhnlichen Ausstellung. Für "Airs de Paris" haben 70 Künstler, Designer, Landschaftsplaner und Architekten das urbane Leben in der Metropole erforscht. Sie alle leben in Paris oder haben dort gelebt. Offenbar hat der Smog der Großstadt zumindest ein Gutes: Er beflügelt die Kreativität!

Heiko Hansen, HeHe
Frage: Wie funktioniert die Installation "Champs d'ozone"?
Heiko Hansen - Teil 1
Heiko Hansen - Teil 2

Die Ausstellung
"Airs de Paris" fand statt
vom 25. Mai bis zum 20. August 2007
im Centre Pompidou - Paris
>> Offizielle Website

Erstellt: 02-09-08
Letzte Änderung: 18-12-08


+ aus Kultur entdecken