Rhythmen statt Pillen – Heilen mit MusikZwischen Musik und Heilkunde besteht eine uralte Verbindung. Das älteste Zeugnis eines "medizinisch funktionalen" Musikeinsatzes ist mehr als 10.000 Jahre alt. Musiktherapie ist die gezielte Anwendung von Musik oder musikalischen Elementen, um therapeutische Ziele zu erreichen: Wiederherstellung, Erhaltung und Förderung seelischer und körperlicher Gesundheit.
Musik kann auch die Isolation von Patienten durchbrechen, Aufmerksamkeit wecken und das Interesse an der sozialen Umgebung steigern. Oft wird Musik präventiv und therapeutisch im Vorfeld einer Psychotherapie, zur unterstützenden Heilbehandlung und zur Rehabilitation eingesetzt. Wichtig: Wer an einer Musiktherapie teilnimmt, muss kein Instrument spielen können und noch nicht einmal musikalisch sein. Die Kosten werden in der Regel nicht von den Krankenkassen übernommen.
Ohne Worte ausdrücken
Musiktherapie wird bei Patienten mit ganz unterschiedlichen Krankheitsbildern und Symptomen angewendet, wie zum Beispiel bei
- chronischen Schmerzen
- affektiven Störungen (beispielsweise Angststörungen)
- Belastungsstörungen
- Anpassungsstörungen oder
- neurologischen Erkrankungen (Parkinson, Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma).
Besonders geeignet ist Musiktherapie für die Psychotherapie mit Kindern, da sie die Möglichkeit bietet, sich auf der nicht-sprachlichen Ebene auszudrücken, mit anderen spielerisch in Beziehung zu treten und Defizite aufzuarbeiten. Eingesetzt wird die Musiktherapie zum Beispiel bei Kindern mit Kopfschmerzen, Entwicklungsverzögerungen, Sprachstörungen, Verhaltensauffälligkeiten oder Autismus.
Schmerz über Musik ausdrückenKinder mit Migräne sind laut einer Heidelberger Studie häufig sehr leistungsorientiert erzogen worden und können auf Stress nicht flexibel reagieren. Außerdem haben sie oft Schwierigkeiten, emotionale und körperliche Empfindungen wahrzunehmen und zu beschreiben. Das ändert sich, wenn die Kinder lernen, ihren Schmerz mit Hilfe von Musikinstrumenten auszudrücken. Bei der Studie überraschte, dass sich die Beschwerden durch Musiktherapie sogar besser lindern ließen als durch ein Migränemittel, das eine Vergleichsgruppe bekam.
Teilleistungsschwache Kinder, die musiktherapeutisch behandelt werden zeigen laut einer Studie der Universitätsklinik Köln ebenfalls gute Behandlungserfolge. Laut dieser Studie traten bei 80 Prozent der betroffenen Kinder Besserungen auf.
Leichtere Pflege bei Demenzkranken
Demenzkranke können durch Musiktherapie eine Verbesserung ihrer Lebensqualität erreichen. Eine Heidelberger Studie belegt, dass Musiktherapie den Verlauf von Altersdemenz verzögern kann. Nach zweimonatiger musiktherapeutischer Behandlung verbesserte sich bei den an Demenz erkrankten alten Menschen das Gedächtnis, sie zeigten weniger Unruhe und störendes Verhalten, sie waren besser gestimmt und nahmen mehr Kontakt zueinander auf. Insgesamt war die Pflege leichter.
Bei chronischen Schmerzpatienten konnte durch die zusätzliche musiktherapeutische Behandlung eine Verdoppelung der Besserungsrate erreicht werden. Die Schmerzstärke wurde deutlich geringer eingestuft als unter klassischer Schmerztherapie. Auch Begleitsymptome wie Angst und Depression besserten sich schneller und stärker.
Patienten durch Musik entspannen
Bei Dialysebehandlungen wird Musik zur Unterstützung eines Entspannungstrainings eingesetzt, zur Herstellung psychischen Wohlbefindens und zur allgemeinen Aktivierung.
Zudem gibt es eigens für Tinnituspatienten komponierte Musikstücke, die dabei helfen können, die Angst vor dem Ohrgeräusch zu bewältigen und Ruhe und Entspannung zu finden. Das Ohrgeräusch an sich verschwindet zwar nicht, aber die Patienten lernen, besser damit umzugehen.
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HIPPOKRATES - Gesundheitsmagazin
Wiederholung vom Dienstag, 15. Februar 2005 um 14.45
Redaktion: Heidemarie Petters
Koproduktion ZDF-ARTE G.E.I.E.






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