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Zitaten - Ballade

„Europa – was ist das eigentlich?“, so fragen sich viele Europäer seit den Anfängen des Aufbaus eines gemeinsamen Europas. Die Definitionen von Historikern, (...)

Zitaten - Ballade

05/11/08

Helmut Kohl (Deutschland)

und die deutsche Wiedervereinigung


Helmut Kohl, 1930 in Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz) geboren, beherrschte mit seiner überragenden Gestalt die europäische Szene seit 1982, dem Jahr, in dem er deutscher Bundeskanzler wurde. Der Christdemokrat wurde viermal wiedergewählt und übertraf mit der Dauer seiner Amtszeit sogar sein großes Vorbild Adenauer.
Geleitet von seinen persönlichen Überzeugungen, seiner politischen Instinktsicherheit und seiner Vision von der Rolle Deutschlands innerhalb Europas wurde er zum Architekten der deutschen Wiedervereinigung. Aber er wird auch von manchen Kritikern für deren enorme wirtschaftliche Kosten verantwortlich gemacht.

  • Ein Jahr vor dem Fall der Berliner Mauer
    In der DDR selbst hat sich die neue Dynamik in den Ost-West-Beziehungen bisher kaum ausgewirkt. Während in der Sowjetunion und in den meisten Ländern Mittel-, Ost- und Südosteuropas versucht wird, Änderungen in Wirtschaft und Gesellschaft herbeizuführen, bietet sich unseren Landsleuten in der DDR ein Bild der Stagnation, die sie zunehmend als Rückschritt empfinden. [...]
    Im Blick auf unser ungelöstes nationales Problem schreibt Generalsekretär Gorbatschow in seinem Buch „Perestroika“ : Was in hundert Jahren sein werde, das solle die Geschichte entscheiden. [...]
    Mauer und Stacheldraht werden nicht auf Dauer Bestand haben. Denn sie stehen gegen jene historische Grundströmung, die weite Teile Europas schon seit langem erfaßt hat und die jetzt auch im östlichen Teil unseres Kontinents auf Umgestaltung drängt.“
Bericht der Bundesregierung zur Lage der Nation im geteilten  Deutschland, 1. Dezember 1988 ( Konrad Adenauer Stiftung, Pressedokumentation, 02.12.1988).
  • Am Abend des Mauerfalles, dem 9. November 1989, vor dem Schöneberger Rathaus in Berlin
    Kohl hat seinen offiziellen Besuch in Polen unterbrochen, um in aller Eile über Hamburg nach Berlin zu reisen. Er wird zunächst von einem Teil der Menge ausgepfiffen, schließlich beruhigen sich die Störenfriede.

    „ […] wir alle stehen jetzt in einer großen Bewährungsprobe. Wir haben in diesen Tagen von unseren Landsleuten drüben in der DDR, in Ost-Berlin, in Leipzig und Dresden und in vielen Städten immer wieder eine Botschaft der Besonnenheit erfahren - eine Botschaft, die sagt, daß es in dieser glücklichen, aber auch schwierigen Stunde in der Geschichte unseres Volkes wichtig ist, besonnen zu bleiben und klug zu handeln.
    „ […] Klug handeln heißt jetzt, die ganze Dimension der weltpolitischen, der europäischen und der deutschen Entwicklung zu sehen. […]
    Und so will ich allen in der DDR zurufen: Ihr steht nicht allein! Wir stehen
    an Eurer Seite! Wir sind und bleiben eine Nation, und wir gehören zusammen!
Im Bewußtsein nationaler Verantwortung (Konrad-Adenauer-Stiftung, Pressedokumentation, 13.11. 1989 Bulletin)
  • Kohl legt am 28. November dem Bundestag sein "Zehn-Punkte-Programm" vor
    Unter Bezugnahme auf das bereits im Dezember 1967 von der NATO formulierte Ziel spricht Helmut Kohl von einer neuen, den Status quo ablösenden Ära in der Geschichte Europas und Deutschlands. Punkt 10 legt das oberste Ziel des Programmes in folgenden Worten fest:
    Die Wiedervereinigung, das heißt die Wiedergewinnung der staatlichen Einheit Deutschlands, bleibt das politische Ziel der Bundesregierung. “
Zehn-Punkte-Programm zur Überwindung der Teilung Deutschlands und EuropasRede des Bundeskanzlers vor dem Deutschen Bundestag
(Konrad-Adenauer-Stiftung, Pressedokumentation, 29.11.1989 Bulletin)
In den ausführlichen Interviews, welche Kohl den beiden Journalisten Kai Diekmann und Ralf Georg Reuth gewährte und welche von ihnen zu dem Buch Ich wollte Deutschlands Einheit verarbeitet wurden (Ullstein Buchverlage GmbH, 1996, Berlin) beglückwünscht Kohl sich selbst dazu, in einem entscheidenden Punkt Schweigen bewahrt zu haben, nämlich über den exakten Zeitplan. Kohl war noch Ende 1989 der Überzeugung, dass der Prozess der Wiedervereinigung mindestens drei bis vier Jahre in Anspruch nehmen würde. Dieses selbstauferlegte Schweigen verschaffte ihm eine „unbezahlbare“ Freiheit angesichts der sich überstürzenden Ereignisse.

Erstellt: 22-04-04
Letzte Änderung: 05-11-08