Kritik: Dokumentarfilmer Klaus Stern scheint das absolute Vertrauen seines Hauptdarstellers Heinrich "Henner" Sattler gehabt zu haben. Er begleitet ihn überallhin, egal ob es sich um diffizile Verhandlungen oder das Badezimmer "Henners" handelt. Seine Eitelkeit und sein Wunsch, ein "Global Player" zu sein, ließ den Bürgermeister wohl die Idee eines Dokumentarfilms gut finden. Im Nachhinein ärgerte er sich jedoch über seine Zusage, "Das war die blödeste Idee, die ich haben konnte." Doch hinterher ist man immer schlauer. Das zeigt äußerst anschaulich "Henners Traum - Das größte Tourismusprojekt Deutschlands".

Deutschland 2008, 94 Min.
Regie: Klaus Stern
Mit Henner Sattler, Tom Krause, Roland Koch
30. Filmfestival Max Ophüls Preis 2009
Eröffnungsfilm Duisburger Filmwoche 2008

Über zwei Jahre lang folgte Klaus Stern Henner Sattler überallhin, so dicht war man als Zuschauer selten dabei, wenn Kommunalpolitik gemacht wurde. Diese will ja in diesem Fall so kommunal nicht bleiben, sondern weit über ihren Tellerrand hinausspähen. Deshalb wohl hat sich Henner Sattler den Architekten Tom Krause zur Seite gestellt, der immerhin schon das Luxus-Ressort "The Palm" in Dubai entworfen hat und mächtig stolz darauf ist. Der Film gewährt interessante Einblicke in das Verhältnis des Bürgermeisters und des Architekten. Zwar bezeichnet Tom Krause Herrn Sattler gern als seinen "Lieblingsbürgermeister," doch wird man den Verdacht nicht los, dass das geplante "Schloss Beberbeck Ressort" nicht gerade ganz oben auf dessen Prioritätenliste steht.
Interessant zu sehen ist auch, was passiert, wenn Sattler sein Projekt auf der ITB, der Internationalen Tourismusmesse in Berlin präsentiert. Relativ schnell wird er abgefertigt von den Leuten, von denen er sich eine Finanzierung erhofft. Der wortgewandte, junge Vize-Präsident der Orco Property Group, Nicolas Tommasini entlarvt etwa in kürzester Zeit den Höhenflug des Bürgermeisters und rückt dessen Wahrnehmung mit den Worten "Sie sind nicht Ludwig der II. von Bayern" zurecht. Worte, die Sattler zu selten zu hören bekommt, denn durch seinen Charme und seine unbedingte Überzeugtheit von dem Projekt gelingt es ihm, einige wichtige Entscheidungsträger, u.a. den Ministerpräsidenten Roland Koch auf seine Seite zu ziehen und so zumindest den Kampf gegen die Bürokratie zu gewinnen. Fehlen nur noch die Investoren, die bis zum Ende des Films nicht aufgetrieben werden konnten.
Sehr angenehm ist es, dass sich Klaus Stern völlig einer eigenen Wertung des Gezeigten enthält. Er lässt die zahlreichen Fakten sprechen. Durch die unbedingte Nähe zu Henner Sattler ist ihm ein spannender Dokumentarfilm gelungen, der seltene Einblicke in die gesamte Entstehungsphase des Projekts ermöglicht - von der Idee zur Planung, zu den Vertragsverhandlungen und zur Investorensuche.
Nana A.T. Rebhan






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( Arte Bewertung: 4 )





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