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Wettlauf um die Rohstoffe

Weltweit steigt die Nachfrage nach Rohstoffen, zumal Schwellenländer wie China, Brasilien und Indien ein rasantes Wirtschaftswachstum erleben.

Wettlauf um die Rohstoffe

15/09/08

Herkömmliche Energieträger

Der Klimawandel und die weltweit steigende Nachfrage nach (endlichen) fossilen Brennstoffen machen den Ausbau umweltfreundlicher und erneuerbarer Energiequellen immer drängender. Die europäischen Zielvorgaben lauten zum einen, den eigenen Energieverbrauch bis 2020 um 20 % zu senken, zum anderen den Anteil erneuerbarer Energien im selben Zeitraum auf 20 % zu steigern. Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien, Biokraftstoffe und verbesserte Heizungssysteme sollen hierbei im Vordergrund stehen. Welches sind wirkliche Alternativen zu Kohle, Öl, Gas und Atomstrom? Und rechnen sich diese überhaupt?

Auch wenn der Anteil erneuerbarer Energien steigt - nach wie vor machen fossile Brennstoffe und herkömmliche Energieträger auch in Europa den Hauptteil der konsumierten Energie aus. Falls diese Tendenz anhält, wird die EU im Jahre 2030 zu 65 % von Energieimporten abhängen. Einer vom britischen Erdölkonzern BP in Auftrag gegebenen Studie zufolge reichen die Vorräte bei gleichbleibendem Verbrauch bei Erdöl 40 Jahre, bei Erdgas 60 und bei Kohle etwa 230 Jahre. Zudem leisten Abbau und Verwertung fossiler Energieträger den größten Beitrag zum Treibhauseffekt. Zusätzlich zum CO2 werden hierbei Schadstoffe wie Stickstoffoxide (NOx) und Schwefel freigesetzt, beide sind unter anderem an der Bildung von Ozon beteiligt. Hinsichtlich der herkömmlichen Energieträger setzt die EU daher nicht nur auf Einsparung, sondern auch auf die Entwicklung umweltschonender Abbau- und Verbreitungswege.

Gas
Erdgas - in Frankreich "gaz naturel" - kommt häufig als Begleitmaterial von Erdöl vor und wird bei dessen Abbau nach wie vor auch in extrem hohen Mengen abgebrannt. Obwohl es im Naturzustand brennbar ist, lässt es sich in dieser Rohform meistens nicht verwerten. Bei der Aufbereitung wird ihm unter anderem Feuchtigkeit und Schwefel entzogen, am Ende aller Filtervorgänge bleibt vor allem Methan übrig, wichtigster Bestandteil des Erdgases.
Auf technischem Wege konnte seit 1985 bei der Erdgasverbrennung der Emissionswert von CO2 erheblich reduziert werden. Auch Abfälle wie Gras, Holz oder Schlachtabfälle können Methan liefern – der Stoff ist definitionsgemäß das Ergebnis einer Verwesung, die ohne Beteiligung von Sauerstoff abläuft. (siehe erneuerbare Energieträger)


Kohle
Kohle deckt nach wie vor weltweit ein Viertel des Energiebedarfs, die Bedeutung dieses Rohstoffes hat nach dem Beitritt der 10 « neuen » EU-Staaten erneut stark zugenommen. Polen, Tschechien, Ungarn und die Slowakei etwa decken einen Großteil ihres Primärenergiebedarfs durch heimische Kohlen. Von allen fossilen Brennstoffen ist die Kohle noch in der größten Menge verfügbar. OECD-Schätzungen zufolge werden die Kohlereserven auf 100 Milliarden Tonnen geschätzt, was etwa 200 Jahren des aktuellen Weltverbrauchs entspricht.
Ihr großer Nachteil liegt jedoch nach wie vor in der extrem hohen Schadstoffemission. "Saubere Kohle" lautet daher eines der Stichwörter für den Energiemix der Zukunft, ab 2020 sollen Kohlekraftwerke vollständig CO2-frei werden. Insgesamt gibt es hier noch große Möglichkeiten für Innovationen und Beschäftigung, deutsche Firmen sind bei Kraftwerkstechnologien mit führend auf dem Weltmarkt.

Ein sinnvollerer Energieverbrauch ist nicht nur Aufgabe der Politik. Allein die sparsamsten Kühl- und Gefriergeräte verbrauchen heute zwei Drittel weniger Strom als die Durchschnittsgeräte vor zehn Jahren. Damit könnten 7 Terawattstunden Energie im Jahr eingespart werden. Fast soviel wie ein deutsches Kernkraftwerk im Jahr an Strom produziert.

Erdöl
Schätzungsweise 36 % des weltweiten Energiebedarfs wird nach wie vor durch Öl abgedeckt - und die Nachfrage steigt weiter. Die größten Ölverbraucher sind mit 25 Millionen Barrel täglich die USA, dank boomender Wirtschaft drängen auch China, Japan und Indien verstärkt auf den Importmarkt. Auch Westeuropa ist abhängiger als je zuvor von Energieimporten: Europa importiert knapp 80 %, Deutschland sogar 97 % seines gesamten Ölbedarfs.
Öl wird nicht nur zur Erzeugung von Elektrizität und als Treibstoff verwendet, sondern liefert auch grundlegende Chemikalien für die riesige Produktpalette der Kunststoffindustrie. Immer mehr Gebrauchsgegenstände wie Tintenpatronen und Plastikflaschen, Waschmittel, Lebensmittel, Kosmetika und Medikamente werden inzwischen aus diesen Grundstoffen hergestellt. Die Abhängigkeit vom schwarzen Gold stellt eines der größten Probleme der Energiepolitik dar. Als eines der ersten Länder möchte Schweden sich bis 2020 vom Erdöl unabhängig machen – denn die meisten Wissenschaftler sind sich darin einig, dass in fünf bis zehn Jahren das 'Ölfördermaximums' erreicht sein wird. Momentan arbeiten fast alle erdölexportierenden Staaten am Limit ihrer Produktionskapazität, und an den unzugänglichsten Orten der Welt werden neue Ölquellen erschlossen - zu hohen Preisen und auf Kosten der Umwelt.


Atomenergie
Obwohl die deutsche Bundesregierung 2002 den Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen hat, ist das Thema noch lange nicht vom Tisch. Im Gegenteil: es mehren sich die Stimmen, die eine Laufzeitverlängerung für vorhandene Atomkraftwerke verlangen. Nach wie vor nimmt die Kernenergie in den meisten EU-Ländern eine Schlüsselrolle in der Energieversorgung ein. Auch in Deutschland stammt mit 29 % der Hauptanteil des Stroms aus der Kernenergie. Angesichts der drohenden Klimakatastrophe halten die EU-Kommission und vor allem Frankreich die häufig als "CO2- frei" gehandelte Atomenergie bis auf Weiteres für unverzichtbar. Gegner führen an, dass bei der Gewinnung und notwendigen Entsorgung der Kernbrennstoffe mindestens ebensoviel CO2 anfallen wie bei anderen Energieträgern.
Atomreaktoren verwenden angereichertes Uran zur Erzeugung von Strom – Schätzungen von Experten zufolge sind jedoch die Uranvorräte noch früher erschöpft als Öl und Gas. Reaktoren des Typs "Schneller Brüter" können zwar diese Uranreserven vervielfältigen, erzeugen dabei jedoch zusätzlich hochgiftiges Plutonium.
Auch die Gewährleistung der Sicherheit von Mensch und Umwelt und der Umgang mit den Abfällen sind nach wie vor ungeklärt, die Förderung der Rohstoffe, Transport und Unterhaltung eines Atomkraftwerkes extrem kostenintensiv.


Energieträger der Zukunft
Das am 10.01.2007 vorgelegte Energiepaket der EU setzt vor allem auf erneuerbare Energien und effiziente Nutzung der vorhandenen Energiequellen. So soll etwa der Anteil der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien auf 22 % bis zum Jahr 2010 in der EU-15 steigen, gegenüber 14 % im Jahr 2000. Aber auch wenn die EU weltweit führend ist was die Entwicklung von Systemen zur Nutzung erneuerbarer Energien angeht, sind diese im Energiemix der meisten EU-Länder nach wie vor von untergeordneter Bedeutung. Noch ist der Kostenaufwand weit höher als bei traditioneller Energieträgern. Was sind wirkliche Alternativen zu Kohle, Öl, Gas und Atomstrom? Und rechnen sich diese überhaupt?
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Erstellt: 28-09-07
Letzte Änderung: 15-09-08