Ein Fernsehfilm von Jean-Paul Lilienfeld - 01/03/10
Heute trage ich Rock!
> Isabelle Adjani als beste Schauspielerin bei den "César 2010" ausgezeichnet.
> "Heute trage ich Rock!" in Berlin mit dem Preis für den besten Fernsehfilm 2009 ausgezeichnet.
DER FILM
Sonia, Lehrerin an einer Problemschule in einer Pariser Vorstadt, ist Tag für Tag den Respektlosigkeiten und Demütigungen ihrer Schüler ausgesetzt. Als ihr der Revolver eines Schülers in die Hände fällt, wird sie unversehens selbst zur Geiselnehmerin der Klasse und fordert einen offiziellen Tag unter dem Motto „Heute trage ich Rock!“.
Sonia ist am Ende mit ihrem Latein. Eigentlich ist es ihre Aufgabe, den Schülern die Inhalte des Lehrplans zu vermitteln. Doch dazu kommt sie kaum, da sie sich tagtäglich den Großteil der Unterrichtsstunde mit ihren verzogenen Schülern herumschlagen muss. Der Alltag mit den Halbstarken ist gezeichnet von Respektlosigkeit, Autoritätsverlust und schlichter Demütigung. Um dem grenzenlosen Ärger noch standhalten zu können und nicht resignieren zu müssen, greift sie immer öfter zu Beruhigungsmitteln. Entgegen dem Rat des Direktors, sich in dieser Brennpunkt-Schule vorsichtshalber neutral in Hosen zu kleiden, tritt Sonia im Rock – und somit bewusst als Frau – vor ihre Klasse. Bewusst als Frau. Darin liegt genau das Problem, da die Schüler aus sozialen Kontexten kommen, in denen eine Frau nicht als Respektperson anerkannt wird. Und prompt erntet Sonia Beleidigungen der schlimmsten Form, wird nicht nur verbal, sondern auch physisch angegriffen. Bei einer kurzen, aber heftigen Auseinandersetzung mit ihrem Schüler Mouss fällt ein Revolver aus seinem Rucksack zu Boden. Sonia konfisziert die Waffe und nutzt die Situation, den Schülern endlich mal den Mund zu verbieten – was sie dann aus Angst auch machen. Hat man also eine Waffe in der Hand, hat man die ganze Bande im Griff! Gut, dann kann die Stunde über Molière ja fortgesetzt werden!
Sonia bäumt sich ein letztes Mal auf. Da der Direktor vor dem bitteren Unterrichtsalltag seiner Kollegen eher die Augen verschließt als aktiv etwas an den Verhältnissen zu verändern, weiß Sonia, dass sich nur etwas ändern wird, wenn sie selbst die Fäden in die Hand nimmt. Sie nimmt ihre Schüler als Geisel und noch als die Schule in Besatzungszustand versetzt worden ist, erhebt sie die Forderung, offiziell einen regelmäßigen Tag unter dem Motto „Heute trage ich Rock!“ einzuführen, an dem die Mädchen selbstbewusst weiblich gekleidet – im Rock – in die Schule kommen können, ohne um ihren Ruf und um ihre Sicherheit fürchten zu müssen. Die Geiselnahme entwickelt eine verheerende Eigendynamik …
„Heute trage ich Rock!“ begeisterte das nationale Publikum 2008 am Festival von La Rochelle. Nach seiner internationalen Premiere auf der Berlinale ist der Film von Jean-Paul Lilienfeld bei ARTE zum ersten Mal im Fernsehen zu sehen. Dem Drehbuchautor und Regisseur Jean-Paul Lilienfeld gelang eine hochgradig authentisch anmutende und fesselnde Tragödie über die Konfrontation des französischen republikanischen Schulideals mit der meilenweit davon entfernten Realität sozialer Brennpunkte. Selbst in einem gewaltträchtigen Vorort aufgewachsen, zieht Lilienfeld unerfahrene Jugendliche aus der Pariser Banlieue ausgebildeten Schauspielern vor. Wie auch Laurent Cantet in seinem Cannes-Siegerfilm „Die Klasse“ erreicht er dokumentarische Unmittelbarkeit durch den Migrantenslang, die Körpersprache der Laiendarsteller und den Einsatz einer bewegten Handkamera.
Erstellt: 12-02-09
Letzte Änderung: 01-03-10