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02/11/09

Hip Hop in Myanmar

Provokation als letzter Ausweg: Eine Clique brutaler Militärs hat das bettelarme Myanmar seit fast 50 Jahren unter Kontrolle. Überall wittern sie Verschwörung, vor allem bei der Jugend. Das bekommen auch die Hip Hopper zu spüren. Sie werden verfolgt und eingesperrt. Zeit also für einen Abstecher tief hinein in den burmesischen Hip Hop-Underground.

  • Hip Hop in Myanmar

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Die Reportage sehen

Sie rappen über das harte Leben in ihrer Stadt, über Armut, Gewalt und Hoffnungslosigkeit. Doch das hier ist keine genretypische Übertreibung. Die Rapper kommen aus Myanmar, dem wohl heißesten Pflaster Südostasiens. Mitten im Stadtzentrum von Rangun. Der L.A. Hip Hop Club. Hier finden jeden Sonntag Konzerte statt. Drinnen: Von buddhistischer Zurückhaltung keine Spur. Gut 300 Hip Hopper sind gekommen. Ein Großteil der Ranguner Szene. Kaum einer hier ist älter als 20. Oft haben sie hier noch nicht gefeiert. Hip Hop gibt es in Myanmar erst seit wenigen Jahren.

Yatha ist 21 und einer der wichtigsten Köpfe der Szene. Er wohnt in einem modernen Apartmenthaus und seine Wohnung ist Anlaufstelle der Hip Hopper aus Rangun. Sein Studium hat er geschmissen. Er setzt voll auf die Musik. Für einen Song mit einer bekannten Popsängerin hat er gerade 1000 Dollar Gage bekommen. Ein Vermögen in Myanmar. Im Gegensatz zum Großteil der burmesischen Jugendlichen kennen sie keine Armut und Existenzangst. Ihre Songs entstehen in Heimarbeit. Mit den beschränkten Produktionsmitteln haben sie sich arrangiert. Ebenso damit, in ihren Texten die politischen Verhältnisse nicht zu kritisieren. Die Jugend steht gewaltig unter Druck. Denn neben den Mönchen waren es vor allem Jugendliche, die vor 2 Jahren auf die Straße gingen, um gegen die Regierung zu demonstrieren. Die Generäle schickten ihre Truppen. Inoffizielle Beobachter sprechen von bis zu 200 Toten. Tausende landeten in Arbeitslagern. Seitdem herrscht gespannte Ruhe. Auf Fragen nach der Politik reagiert die Jugend mit Zynismus : „Hier ist man fast frei. Wir lieben unser Land, wir lieben es wirklich“, sagt Yahta.

Sie müssen lügen, sonst ergeht es ihnen wie den Rappern von der Acid Crew. Zwei von ihnen wurden im letzten Jahr verhaftet. Gerade wurde das erste Urteil verkündet: 7 Jahre Haft. Der Vorwurf: Hetze gegen die Regierung und Mitgliedschaft in einer oppositionellen Jugendbewegung. Annega, der dritte Rapper und Gründer der Acid Crew, der ersten Hip Hop-Gruppe in Myanmar, ist als einziger noch auf freiem Fuß. In ihren Songs ätzten die Rapper vorzugsweise gegen das System. Aufgetreten ist Annega seitdem nicht mehr. Seine Funktion als Sprachrohr hat er verloren. Doch längst denken viele so wie er. Wenn Annega unterwegs ist, trifft er häufig Gleichgesinnte. Gangtätowierungen sind ihr Erkennungszeichen. Seit seine Bandkollegen verhaftet wurden, kommt Annega kaum noch zur Ruhe. Er fürchtet, doch noch eingesperrt zu werden. Dass er noch auf freiem Fuß ist, hat er seinem Schwager zu verdanken, einem einflussreichen Geschäftsmann. Vermutlich ist Geld geflossen, denn Annegas Familie gilt nicht als regierungstreu. Annegas Vater, Mim Mim Latt, saß wegen Kontakten zur Opposition im Gefängnis. Entlassen wurde er als gebrochener Mann. Er starb vor wenigen Jahren.

Es gibt Rapper, die noch einen Schritt weiter gehen. Die Band Myanmar Future Generations sind die Stars der Underground Szene. Ihre Songs kreisen im Internet. Die Rapper werden von der Polizei gejagt. Interviewen lassen sie sich nur telefonisch. „Wenn ein Musiker in Burma über Politik singt, verschwindet er für immer im Gefängnis. Dazu kommt noch, dass zumeist auch die gesamte Familie eingesperrt wird. Darum können wir unsere Gesichter nicht zeigen“ . In den gleichgeschalteten Tageszeitungen erscheinen neuerdings Artikel, die sich an die Eltern der Jugendlichen richten. Darin wird Hip Hop unvereinbar mit dem Buddhismus beschrieben. Ein Versuch, die Szene zu dämonisieren. Auf die leichte Schulter nimmt die Regierung den Protest der Hip Hopper also nicht.

Links

Video

Yatha - Sait Cha


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Samstag 31. Oktober 2009 um 03.00 Uhr
Keine Wiederholungen
(Deutschland, 2009, 52mn)
WDR

Erstellt: 29-10-09
Letzte Änderung: 02-11-09


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