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China

In dieser Rubrik können Sie die Zusammenfassungen und Kommentare der, von ARTE gesendeten Filme, wieder finden.

China

01/02/03

Historischer Abriss

1896: Erste Vorführung (von Filmen der Gebrüder Lumière) im Rahmen eines Variétéprogramms in den Shanghaier Xu-Gärten. Die Filmvorführer der Gebrüder Lumière unternehmen eine weltweite Werbetour.

1897: James Ricalton zeigt in mehreren Shanghaier Teehäusern Edison-Filme.

1901: Ein Dutzend Szenen aus dem chinesischen Alltag werden für „The American Mutoscope and Biography Company“ in New York gefilmt.

1903: Der Spanier Antonio Ramos weiht im Erdgeschoss eines Tee-Kaufhauses in Shanghai den ersten Film-Vorführraum ein. Die Vorstellungen dauern 15 Minuten, der Eintrittspreis ist niedrig, und die Werbung gut gemacht. Der Erfolg ist so groß, dass Ramos bald ein richtiges Kino eröffnen kann: das Vittoria in der Haining Road in Shanghai.

1905: Das Pekinger Fotostudio Fengtai zeichnet Ausschnitte aus dem klassischen Opernrepertoire auf – vor allem des damaligen Stars der Pekingoper, Tan Xinpei, und zwar als Außenaufnahmen. Es ist der erste chinesische Film, der aus drei Fragmenten des Stücks Die Berge von Dingjun besteht, nach einer Episode aus dem Abenteuerroman „Die drei Königreiche“ (etwa 14. Jahrhundert).

1907-1908: Der Neapolitaner Enrico Lauro dreht mehrere Dokumentarfilme: Shanghaier Straßenbahn (1908), Kaiserliches Begräbnis (1908), Die Konzessionen von Shanghai (1911)

1909: Pathé fotografiert Peking und seine Umgebung.

1913: Der erste Weltkrieg unterbricht vorübergehend die Filmarbeit in China (es fehlt an Filmmaterial).

1917-1920: Das große Shanghaier Verlagshaus Commercial Press gründet eine Filmabteilung.

1920-1927: Bis zur Aufgabe der Filmaktivitäten im Jahr 1927 produziert Commercial Press ca. 30 Dokumentarfilme und 28 Spiel- und Opernfilme.

1922: Die chinesische Filmindustrie boomt. Der Film Zhan Xinsheng von Zhang Shichuan wird von den Behörden als „unmenschlich und unerträglich“ bezeichnet und nach einer aufsehenerregenden Affäre um Vatermord verboten.

1924: Der Film Geschieden von Li Zeyuan und Hou Yao wird von den Changcheng-Studios produziert, die von jungen, modernen Ideen aufgeschlossenen Intellektuellen geleitet wurden. Wang Xuchang, der sich in Frankreich mit dem Film beschäftigt hatte und später bei Mingxing als Kameramann arbeitete, gründet die Shenzhou-Studios.

1928: Feuer im Tempel der roten Lotus von Zhang Shichuan ist der erste von insgesamt 18 Kampfkunstfilmen, die sofort großen Erfolg haben.

1929: Die Kuomintang führt erste Zensurmassnahmen ein.

1930: Erster chinesischer Tonflim in Zusammenarbeit mit Pathé: Die pfingstrosenrote Sängerin von Zhang Shichuan.

1932: Die japanischen Bombenangriffe auf Shanghai beeinträchtigen die Filmwirtschaft (Von 39 Kinos werden 16 zerstört). Doch diese Schwierigkeiten lösen patriotische Gefühle aus und mehrere Gesellschaften produzieren Filme mit aktuellen Themen.

1938: Die Besetzung Shanghais durch die Japaner bewegt viele Filmschaffende zur Emigration. In Ausländern vorbehaltenen Stadtteilen bewahrt sich ein Teil der Filmschaffenden gewisse Freiheiten gegenüber dem Besatzer.

1939: Nach Gründung der Filmgesellschaft der Mandschurei durch die Japaner 1937 entstehen riesige Studios. Die Beschäftigten dort sind Japaner, doch die Chinesen haben bei der Realisierung von Filmen relativ große Freiheiten.

1946: Regisseure, die sich während des Krieges in die so genannten freien Zonen zurückgezogen haben, kehren nach Shanghai zurück, wo die Filmstudios wieder die Arbeit aufnehmen.

1958: Erster Trickfilm mit Papierfiguren von Wan Guchan (Zhu Bajie isst die Wassermelone).

1959: Erster chinesischer Film in Cinemascope von Shen Fu (Neue Geschichte eines alten Soldaten)

1966: Der Strom der Revolution von Yi Lin, der kurz vor der Kulturrevolution fertiggestellt wurde, kommt in China erst im Jahr 1977 zur Aufführung.

1976: Ungefähr sechzig traditionelle Opern werden verfilmt, von denen ca. fünfzig nie öffentlich gezeigt werden.

1978: Die Volkszeitung veröffentlicht eine Liste der Filme, die gemäß der sich seit einigen Monaten abzeichnenden offiziellen Entspannungspolitik im Filmbereich gezeigt werden dürfen.

1984: Gelbe Erde von Chen Kaige begründet die „Nouvelle Vague“ bzw. die „Fünfte Generation“ (Studenten, die ihr Studium am Filminstitut 1978 beginnen und 1982 abschließen). Gelbe Erde ist das große Ereignis der Hongkonger Filmfestspiele 1985. In den folgenden 10 Jahren wird der chinesische Film weltbekannt und weltberühmt.

Drei Regisseure machen sich besonders verdient: Chen Kaige (Die große Parade, Der König der Kinder, Life on a string), Tian Zhuangzhuang (Der Pferdedieb, Le cerf volant) und Zhang Yimou (Rotes Kornfeld; Rote Laterne; Geschichte der Qiu Ju, Leben!). All diese Filmemacher haben die Kulturrevolution erlebt und verspüren das Bedürfnis, sich mit dieser Zeit zu beschäftigen.
Der erste Film der „Fünften Generation“ ist Eins und Acht, ein kollektives Werk der Filminstitutsdiplomanden des Jahres 1982.

1989: Es ist die Zeit der „Sechsten Generation“, d.h. der jungen chinesischen Regisseure, die durch das Tiananmen-Massaker (1989) geprägt sind. Ihr „Dogma“ ist, in der Stadt, oft heimlich und ohne Genehmigung zu filmen. In ihren Filmen vermeiden sie jede Form der Propaganda, doch sind die Regisseure nicht unbedingt politisch engagiert oder gegen den Staat eingestellt.

1993: Seit der Reform 1993 spielt der Staat nicht mehr die Produzentenrolle. Die Studios müssen sich selbst bzw. privat finanzieren und ihre Filmproduktionen verkaufen. Die Reform macht auch Schluss mit dem Vertriebsmonopol der Chinesischen Filmimport- und Exportgesellschaft, die heute als Chinesische Filmgesellschaft nur noch die Einfuhr ausländischer Filme nach China kontrolliert.

1995: Die Funktionäre für Kultur, Film und Propaganda versammeln sich in Changsha. Sie verpflichten die Filmemacher dazu, in ihren Werken das „Leitmotiv“ zu veranschaulichen (d.h. die Entschlossenheit der guten Sozialisten, die Prüfungen des Alltags zu bestehen) und sich jedes kritischen Tons zu enthalten.
Erste Goldene Palme für einen chinesischen Film in der Geschichte des Festival von Cannes für Lebe wohl, meine Konkubine von Chen Kaige.

1999: Goldener Löwe in Venedig für Keiner weniger von Zhang Yimou. Der Film wird in China mit der Begründung abgelehnt, er zeige ein entwürdigendes Bild des Landes.

2000: Großer Preis der Jury in Cannes für Dämonen (Guizi Lai Le) von Jiang Wen.

2001: 4 Oscars, darunter für den besten ausländischen Film für Tiger and Dragon von Ang Lee.

Erstellt: 22-04-04
Letzte Änderung: 01-02-03