Für die 500.000 hochbegabten Kinder in Frankreich ist die Situation nicht viel anders als in Deutschland: Landesweit gibt es 60 Colleges, die Klassen für Hochbegabte anbieten. Bis zum 16.Lebensjahr ist das Schulsystem allerdings für alle gleich. Dieses Lehrprinzip hemmt hochbegabte Kinder wie Mathieu ganz besonders. Für den 23. der Weltrangliste seiner Altersgruppe im Schach war Schule Frust pur.Hochbegabung ist Fluch und Segen zugleich. Die Kinder sind meist hoch sensibel, kreativ und intuitiv. Sie begreifen schneller als andere Kinder ihres Alters, was sie aber nicht vor Misserfolgen in der Schule schützt. Und die Eifersucht ihrer Mitschüler führt bei ihnen häufig zu Verhaltensstörungen und sozialer Ausgrenzung.
Besonders Begabte müssen besonders gefördert werden
Dabei unterscheiden sich hoch begabte Mädchen von Jungen: Mädchen fallen weniger auf, weil sie sich in einer Klasse viel mehr anpassen - sowohl in dem, was lerntechnisch von ihnen gefordert wird, als auch im sozialen Verhalten. Jungen fallen deutlich häufiger auf: Sie werden motorisch unruhig, fangen an, durch die Klasse zu laufen, stören andere Mitschüler und wirken unkonzentriert, weil sie keine Konzentration aufbringen müssen, um das Angebot zu erlernen.
Mittel der Wahl: Klassen überspringen
Viele hoch begabte Kinder reagieren auf die Unterforderung mit Resignation oder Auflehnung, manche auch mit Krankheiten. Abhilfe schaffen kann da oftmals nur der Besuch beim Kinderpsychiater, der die Hochbegabung erkennt. Und die Konsequenz der Eltern, schulisch etwas zu unternehmen: Sei es, dass sie das Kind eine Klasse überspringen lassen oder sogar die Schule wechseln. Denn "tödliche Langeweile" führt zu Motivations- und Selbstwertverlust und auch schon bei Kindern zu Depressionen.Leidensdruck durch Leistungsdruck
Allerdings kann es auch in Förderklassen für Hochbegabte zu Frustrationen kommen, und zwar dann, wenn die Schüler nur gefordert und nicht gefördert werden. Das heißt, wenn sie nur mehr zu lernen haben, das Selbstwertgefühl aber in keiner Weise gefördert wird. Denn hoch begabte Kinder brauchen im besonderen Maße das Gefühl des unbedingten Angenommen-Seins und des Verständnisses.
Elitenförderung im besten SinneMiriam Bachmann vom Hochbegabten-Zentrum der Uni-Klinik Hamburg-Eppendorf ist überzeugt, dass auch und gerade begabte Kinder das Recht auf eine adäquate Förderung haben. Für lernbehinderte Kinder zum Beispiel würde ja auch nicht in Frage gestellt, dass es Angebote gibt, die genau dem Leistungsniveau entsprechen.
Fernunterricht als Ausweg?
In Frankreich gibt es für hoch begabte Kinder die Möglichkeit, per Fernunterricht zu Hause zu lernen. Doch auch dieses System schafft gravierende Probleme für die Kinder. Der große Vorteil ist, dass sie einen Privatlehrer haben, in der Regel sind das Vater oder Mutter. Das Schlimme aber ist: Die Kinder sind von ihren Kameraden isoliert und die Eingliederung in eine Gemeinschaft wird für sie immer schwieriger.
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HIPPOKRATES - Gesundheitsmagazin
Dienstag, 11. Januar 2005 um 14.45 und 18.15 Uhr
Redaktion: Birgit Engel
Koproduktion BR-ARTE G.E.I.E.






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