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> Mauerfall > Dieter Buchwald und Achim Walter

09/11/09

Hötensleben - Ein Dorf, das das letzte Stück Mauerstreifen erhält

(Hötensleben, ARTE Info, 03.11.2009) Stacheldraht, Todesstreifen und die Mauer. In Hötensleben, an der Grenze zu Niedersachsen, hat sich seit 20 Jahren nichts verändert und das dank Dieter Buchwald und Achim Walter. Gleich 1989 haben sie sich dafür eingesetzt, dass die rund 350 Meter Todesstreifen erhalten bleiben - heute das einzige Stück von 1 400 Kilometern innerdeutscher Grenze, das noch existiert.

  • 20 Jahre Mauerfall

Dieter Buchwald, Bürgermeister von Hötensleben: „Den Menschen muss bewusst werden, wie brutal eine Diktatur die Menschen manipuliert. Um das nicht zu wiederholen, die Geschichte nicht wiederkehrbar zu machen, habe ich mich dafür eingesetzt, dass dieses Denkmal für die Nachwelt zum Zeigen, zum Anfassen und zum Begreifen da ist." Von den 332 Republikflüchtlingen und dem einen bekannten Mauertoten direkt vor ihrer Haustür - davon erfuhren die Hötenslebener nichts. Achim Walter vom Grenzdenkmalverein Hötensleben erzählt: „Man hörte das manchmal, und das ist natürlich auch nicht gesagt worden, aber dann hörte man manchmal, dass ein Hirsch auf eine Miene getreten sei oder irgendsowas; oder wir haben Leuchtkugeln gesehen und man hat auch mal schießen gehört, aber da ist sonst nichts an die Öffentlichkeit gedrungen."

Ruhe und Ordnung wollte die SED hier im Sperrgebiet. Ganze Familien hatte sie bis 1961 unter dem Codewort "Ungeziefer" ins Landesinnere zwangsumgesiedelt. Dieter Buchwald und Achim Walter arbeiteten beide als Konstrukteure im Amaturenwerk und übernahmen das Predigen als der Pfarrer starb - sie standen unter stetiger Stasi-Beobachtung: "Dadurch, dass wir ständig mit der Kirche Kontakt hatten und auch Gottesdienste hielten, wurde mir vom Kaderleiter nahegelegt: 'Dieter, du kannst im Amaturenwerk ganz was anderes werden, aber ich muss dich um eins bitten und ich muss das fordern: Du darfst nicht mehr auf die Kanzel gehen."

Nur im Internet: Das ausführliche Interview mit Dieter Buchwald



Nach der Wende waren die Außenseiter gefragt. Dieter Buchwald wurde der erste Mann im Dorf - der Bürgermeister. Die Mauer steht direkt in seinem Garten und dass das auch so bleibt, dafür musste er in Hötensleben kämpfen: „Der Einigungsprozess ging ja dann weiter mit Arbeitslosigkeit und viele Bürger haben es nicht mehr verstanden: Wir sind arbeitslos und du finanzierst den Erhalt des Denkmals mit kommunalen Mitteln." Dank der Nähe zum Westen gibt es heute kaum noch Arbeitslose in Hötensleben. Achim Walter und Dieter Buchwald hätten sich wohl nie träumen lassen, dass sie jemals die Mauer verteidigen müssen.

Erstellt: 03-11-09
Letzte Änderung: 09-11-09