Mabel Longhetti wird von ihrer Rolle als Mutter von drei Kindern, Ehegattin und Hausfrau erdrückt. Für Selbstverwirklichung ist keine Zeit. Unverstanden von Freunden und Familie, gleitet Mabel langsam in den Wahn ab. Ihr Mann Nick lässt sie in eine psychiatrische Klinik einweisen, doch weder Beschäftigungstherapie noch Stromstöße helfen: Kaum wieder zu Hause, unternimmt Mabel einen Selbstmordversuch. Brillante Studie, die bis ins kleinste Detail das Leben eines Paares seziert, welches unfähig ist, adäquat miteinander zu kommunizieren. ARTE zeigt diesen Spielfilm als Abschluss der John Cassavetes-Reihe.
Mabel Longhetti ist Ende 30, Mutter dreier Kinder und mit Nick, einem hart schuftenden Bauarbeiter verheiratet. Ihr eigenes Glück und ihre Selbstverwirklichung bleiben durch die Mehrfachbelastung als Hausfrau, Ehegattin und Mutter unerfüllt. Als Nick einmal seiner Frau verspricht, groß auszugehen und nur für sie Zeit zu haben, bringt sie die Kinder bei der Großmutter unter und macht sich fein. Doch es wird nichts draus. Nick muss eine Nachtschicht einlegen, was er Mabel viel zu spät mitteilt. Frustriert und betrunken - stundenlang hatte sie mit Whisky und Zigaretten in der Küche sitzend auf ihren Mann gewartet - zieht Mabel schließlich allein los und nimmt einen wildfremden Mann mit nach Hause. Nick erfährt davon nichts. Nach durchgearbeiteter Nacht bringt er seine ganze Mannschaft mit nach Hause zum Spaghetti-Essen. Mabel, die ohnehin schon als etwas verrückt gilt, wird immer verhaltensauffälliger: Selbstgespräche, wirre Gesten, abgebrochene Sätze - der Druck, es allen Recht machen zu wollen, dabei aber nie selbst berücksichtigt zu werden, macht sich bemerkbar. Schließlich eskaliert die Lage, und Nick weist seine Frau mit Hilfe seiner keifenden Mutter in die Psychiatrie ein. Als Mabel nach sechs Monaten zurückkommt, erfährt sie statt echter Hilfe entweder Gleichgültigkeit oder erdrückende Fürsorge. Statt sie abzuholen, hat Nick lieber alle Bekannten zu einer Willkommensparty nach Hause eingeladen. Nichts hat sich geändert und die hilflos um ein wenig Zeit für sich selbst ringende Mabel sieht keinen anderen Ausweg, als sich die Pulsadern aufzuschneiden ...
Eine Frau unter Einfluss
Donnerstag 17. Dezember 2009 um 14.45 Uhr
Keine Wiederholungen
(Usa, 1974, 140mn)
ARD