Berlinale 2005 - Panorama - 15/02/05
Horst Buchholz... mein Papa
Ein Film von Christopher Buchholz und Sandra Hacker
Ein sehr persönliches
Vaterporträt
Die Filme - Berlinale 2005
Synopsis: Christopher Buchholz, Horst Buchholzs Sohn begibt sich auf eine Spurensuche. Er dokumentiert, wie die Karriere seines Vaters begann und wie das Leben weiterging. Von 2001 bis zu Buchholzs Tod im März 2004 entstanden offene, geradezu intime Gespräche, wie sie der Schauspieler nie zuvor geführt hat.
Kritik: Ein so persönliches Porträt eines Weltstars gibt es selten, vielleicht nie, denn es gehört eine Menge Mut und Offenheit dazu. Christopher Buchholz verzichtet auf die üblichen Statements von Prominenten aus aller Welt, Regisseuren und Schauspielerkollegen. Er konzentriert sich ganz auf die von aussen gesehene Bilderbuchfamilie der Buchholzs, hinter deren Fassaden er tief blicken lässt. Da gibt es Mama Myriam Bru, eine französische Schauspielerin, die den jungen „Hotte“ früh geheiratet und ein Leben lang gesiezt hat. Schwester Beatrice heisst nicht mehr so, weil sie ihren Namen abgelegt hat und jetzt als Sikh in Los Angeles wohnt. Und natürlich Christopher, der häufig durch die leere Dachgeschosswohnung des Vaters am Berliner Ku’damm tapert und gar nicht glauben mag, dass der Vater tot ist: „Sein Zimmer – leer. Als ob’s ihn nie gegeben hätte. Ich denke immer: Vielleicht wacht er auf und kommt raus.“
Doch Christopher hat eine andere Möglichkeit gefunden, ihn erneut zum Leben zu erwecken: Mit Filmausschnitten, nie gezeigtem Super-8-Material der Familie und Interviews die Christopher mit seinem Vater führte. Mit weit aufgerissenen Augen kommt der junge Horst Buchholz unter Wasser auf einen zugeschwommen, und zupft in seinem ersten Film Marianne, meine Jugend (1954) die Gitarre und singt dazu.
Mutter Myriam erinnert sich. Auf manche Fragen mag sie keine Antwort geben, etwa ob sie ihren Mann nach seinem Tod vermisst. Auf viele Fragen antwortet sie nur, „weil Sie mein geliebter Sohn sind.“ All die Jahre hat sie lyoal zu ihrem Mann gehalten, und über diverse Eskapaden mit anderen Frauen grosszügig hinweggesehen. Nur eines hat sie ihm nie verziehen: Dass er seine eigene Karriere kaputt gemacht hat. Buchholz schlug Angebote von Regisseuren wie Kazan, Visconti und Fellini aus. Nach Myriams Rechnung hätte er in zehn oscarnominierten Filmen mitgespielt, wenn er die zahlreichen Rollenangebote angenommen hätte. Als er einmal Visconti ein Foto nur mit Badehose bekleidet schicken sollte, richtete er dessem Assistenten aus: „Tell him to go and fuck himself.“
Mit 50 zog Horst Buchholz nach Berlin zu seinem Freund und lebte dort mit ihm zusammen. Über seine Homosexualität mag der einstige Star nicht reden, er sagt von sich: „Ich bin nicht schwul. Ich hasse Schwule.“ Doch Sohn Christopher scheut sich nicht, diese Themen – ebenso wie den von Horst Buchholz selbst geleugneten Alkoholismus – anzusprechen. Sein Porträt wird dadurch geradezu intim, aber es bleibt immer eine Liebeserklärung. An einen Menschen, der ein störrischer Egozentriker war und ein begnadeter, bildschöner Schauspieler. Myriam Bru bringt es auf den Punkt: „Er war ein mostre sacré – ein heiliges Monster .“
Nana A.T. Rebhan
Horst Buchholz... mein Papa
Deutschland 2005, 90 Min.
Buch und Regie: Christopher Buchholz und Sandra Hacker
Mit Horst Buchholz u.v.m.
Erstellt: 14-02-05
Letzte Änderung: 15-02-05