Kritik: Regisseurin Bettina Haasen weiß genau, wovon sie in ihrem Dokumentarfilm erzählt, schließlich hat sie selbst einige Jahre in der Entwicklungshilfe in Afrika gearbeitet. Mit "Hotel Sahara" wollte sie einen Film schaffen, der den Fokus ganz auf das Warten setzt. Auf diesen Zustand der Immobilität, dem sich die jungen Menschen aussetzen, die sie mit ihrer Kamera begleitet hat. Lamiya aus Guinea, Chichi aus Nigeria und Valtis aus Kamerun sind zwischen 20 und 23 Jahre alt. Sie sind alleine nach Nouhadibou gekommen, um früher oder später mit einem der kleinen Boote, den Pirogen, die 1000 Kilometer übers Meer zu fahren. Am Besten geht dies bei stürmischem Wetter, denn dann bleiben die Hubschrauber der Guardia Civil am Boden - doch die Fahrt wird dadurch natürlich umso gefährlicher. Viele der Flüchtlinge sterben beim Versuch, das Meer zu überqueren.

Deutschland 2008, 86 Min.
Regie: Bettina Haasen
ARTE-Koproduktion

Konzept des Films war es, alles, was an eine Fernsehreportage erinnert, zu meiden - inhaltlich und visuell. Kameramann Jacko Van't Hof nutzt daher das gleißend helle afrikanische Licht zu Aufnahmen, die bislang gar eine Art künstlerisches Eigenleben entwickeln. Da kann es schon mal passieren, dass man abschweift von den Geschichten der Protagonisten; sich verliert in den gleißenden Bildern, aus denen sich allmählich Körper aus der Unschärfe abzeichnen. Immer wieder spielt die Kamera in Großaufnahmen und Totalen mit Schärfe und Unschärfe und findet dabei idylische Stills des städtischen Alltags von Nouhadibou. Das ist in Ordnung so, denn "Hotel Sahara" beschreibt atmosphärisch Momentaufnahmen eines Lebensgefühls, das sich in einem zeitlich nicht definierten Schwebezustand befindet. Das Thema ist Warten.
Viele der Wartenden werden nie ankommen, sie werden umsonst hoffen, denn nur ca. 10% von ihnen wird es gelingen, nach Europa zu gelangen. Bettina Haasen: "Diese Menschen, denen ich begegnet bin, haben eine besondere Unverwundbarkeit - sie haben nichts mehr zu verlieren! Hotel Sahara ist für mich ein Ort, der in seinem Inneren aufgelöste Existenzen beherbergt, die sich im Provisorischen eingerichtet haben und nur eines besitzen: ihre Träume."
Nana A.T. Rebhan






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