Darsteller: Franziska Weiss, Birgit Minichmayr u.a.
Österreich, 2004, 82’
Synopsis: Gerade hat IRENE (Franziska Weiss) ihre Ausbildung als Hotelfachfrau in einem alpinen Kurhotel begonnen, da erfährt sie, dass ihre Vorgängerin spurlos verschwunden ist. Auf der Suche nach Antworten begegnet sie der Gleichgültigkeit und Feindseligkeit ihrer Kollegen. Immer unerträglicher wird die unbestimmte Bedrohung; Irene beschließt, zu fliehen.Kritik: Es ist ein Ort wie aus einem Grimmschen Gruselmärchen, das Hotel „Waldhaus“: abgeschieden in den österreichischen Alpen gelegen, umgeben von dunklen Wäldern und mit einer Kräuterhexe, die im Mittelalter in einer Höhle lebend auf dem Scheiterhaufen endete, als schaurige Touristenattraktion. Die konservative Direktion wacht autoritär über Sauberkeit und Service des verdrucksten Personals, die getäfelten Wände samt Hirschgeweihen, die endlosen, labyrinthischen, in blassem Blaugrau oder Grün gehaltenen Gänge erzeugen ein Gefühl der Beklemmung. Inmitten dieser irritierend unfreundlichen Atmosphäre landet Irene, das Mädchen mit den adrett gescheitelten Haaren und der akkuraten Brille, fest entschlossen, ihren Job an der Rezeption so gewissenhaft und akribisch wie möglich zu erledigen.
Da ist nur leider einiges, was in diesem Haus nicht so ganz geheuer ist – dafür spricht schon der stark untersichtig gefilmte Lautsprecher in der Decke es Hotelfahrstuhls, aus dem meistens ein merkwürdiges Knistern und gelegentlich Schlagermusikfetzen zu hören sind oder die vielen versperrten Türen und Gänge, die ins Nichts führen. So ist es auch – Irenes Vorgängerin ist spurlos verschwunden, die im Hintergrund tableauartig arrangierten, stummen Kripobeamten lassen auf ein Gewaltverbrechen schließen. Jessica Hausners nach „Lovely Rita“ zweiter in der Cannes-Nebenreihe „Un Certain Regard“ gezeigter Spielfilm „Hotel“ ist auf den ersten Blick ein Suspense-Thriller à la Alfred Hitchcock.
Ungewöhnliche Kameraperspektiven und Schnitte sorgen für ein Gefühl der Desorientierung, weder drinnen noch draußen kann sich der Zuschauer zusammen mit der Protagonistin bald mehr sicher fühlen.Doch während man noch auf die Aufklärung des Verbrechens hofft und nach realistischen Details oder wenigstens psychologischen Anhaltspunkten für das Geschehene sucht, ahnt man, dass die diffuse Bedrohung, die von diesem Hotel ausgeht, viel mehr mit dem Unterbewusstsein der Heldin zu tun hat, als ihr lieb ist. Wie David Lynchs Protagonist in „Lost Highway“ verliert auch Irene ihren inneren Kompass, Wirklichkeit und Fantasie verschmelzen.
Es gibt schließlich Schlimmeres, als für immer in einem dunklen Wald zu verschwinden – nämlich einen Alltag, der außer Gleichgültigkeit und Enttäuschungen nichts zu bieten hat.
Synopsis: Irene ist eine junge, zurückhaltende Frau, die jedoch weiß, was sie will. Als sie Empfangsdame in einem Hotel in den österreichischen Alpen wird, findet sie trotz der nicht sehr herzlichen Atmosphäre im Haus langsam ihren Lebensrhythmus. Dennoch wird eine kämpferische Seite in ihr wach, als sie feststellt, dass sie eine Angestellte vertritt, die auf mysteriöse Weise verschwunden ist. Beim Versuch, mehr über den Fall zu erfahren, stößt sie auf eine Mauer des Schweigens bei den anderen Hotelangestellten, und deren abweisende Haltung verwandelt sich zunehmend in Feindschaft. Irenes Vorsicht, Zweifel und Sorgen wachsen.Kritik: Genau wie Alfred Hitchcocks Film „Psycho“ (dem Gus Van Sant 1998 ein originalgetreues Remake folgen ließ) ist „Shining“ aus dem Jahr 1980 so etwas wie ein Urfilm, der die gesamte audiovisuelle Branche zu ihren unterschiedlichen Ausdrucksformen vom Kino bis hin zu zeitgenössischen Installationen inspiriert hat und bis heute zu immer neuen, bemerkenswerten Variationen des Sujets anregt.
Nach dem schwedischen Kurzfilm „Do you have the Shine?“ von Johan Thurfjell (im vergangenen Jahr in Cannes gezeigt), in dem die berühmten Dreiradfahrten des kleinen Danny in Videospielmanier daherkamen, hat die österreichische Regisseurin Jessica Hausner nun ganz nach Art Stanley Kubricks einen extrem spannungsreichen Film geschaffen, bei dem die Neuinterpretation bekannter Elemente (ein Hotel in den Bergen, unerklärliche Phänomene, sich wiederholende Wegstrecken, Isolation) zu einer interessanten Konfrontation führt: Zum Aufeinandertreffen der Quintessenz einer sehr materialistischen und konkreten Haltung (bei der ein „Ja“ immer „ja“ bedeutet und ein „Nein“ unweigerlich „nein“) und einer zufälligen Subjektivität und Logik, die typisch sind für den spekulativen Charakter des fantastischen Genres.
Was den unbestrittenen Wert dieses Films ausmacht ist die Tatsche, dass diese Konfrontation zwischen Heiß und Kalt niemals aufgehoben wird. Vielmehr ermöglicht gerade die Strenge der Inszenierung, in der jede Einstellung, jeder Schnitt messerscharf bemessen ist, ständig das Unerwartete. Die Regisseurin macht keine Zugeständnisse, schon gar nicht an ein Zuviel an Unerklärlichem, denn dies ließe das Ganze zugleich an Bedeutung und Aussage gewinnen, wäre zu restriktiv. Gerade die Vorliebe dieser Art von Kino für gerade Linien und rechte Winkel ist es nämlich, die die Vorstellungswelt des Zuschauers ständig ins Wanken bringt.
Julien Welter






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