Synopsis: Nordirland, Maze Prison, 1981: Raymond Lohan ist ein ganz normaler Wachmann. Doch das Gefängnis, in dem er arbeitet ist alles andere als normal. Die IRA-Gefangenen sind in einen "No Wash"-Protest getreten. Für die Insassen selbst ist der Schmutz, der Urin und Kot unzumutbar, doch für die Wachen ist er es auch. Schließlich bricht ein bedrohlicher Hungerstreik aus. Bobby Sands ist dessen Anführer - er hungert 66 Tage lang - bis zu seinem Tod.Kritik: HUNGER ist der erste lange Spielfilm des erfolgreichen britischen Künstlers Steve McQueen, der bereits mit dem Turnerpreis ausgezeichnet wurde. Der Regisseur war überzeugt davon, dass er einen Film über den legendären H-Trakt im Maze Prison in Nordirland drehen wollte. "Ich will zeigen, wie es 1981 im H-Trakt war, zu sehen, zu hören, zu riechen und zu berühren. Was ich darstellen will, ist etwas, was nicht in Büchern oder Archiven zu finden ist, das Gewöhnliche und das Außergewöhnliche." Das gelingt dem Regisseur, indem er bestimmte Handlungen in langen nahen Einstellungen zeigt. Der erste Teil des Films widmet sich all den Geräuschen und Gerüchen, dem Spüren und dem Sehen. Ganz langsam zieht der neue Gefangene Davey Gillen sein Hemd aus. Nackt wird er in die Zelle gebracht. Er weigert sich, die Gefängniskleidung zu tragen, da er sich nicht für kriminell hält, sondern es ihm wichtig ist zu betonen, dass seine Gewalt politische Motive verfolgte. Nackt erkundet er die Zelle, und die Kamera übernimmt seinen Blick. Wandert die mit Kot beschmierten Wände der winzigen Zelle auf und ab, bleibt auf dem zottelig langhaarigen Mitinsassen Gerry hängen. Davey spielt mit seinen Fingern mit einer Fliege, die sich am winzigen Zellenfenster aufhält, streicht mit den Fingern über den verbogenen Draht.
Die Tumulte im Gefängnis weiten sich aus. Die Gefangenen sammeln ihren Urin und kippen ihn gleichzeitig in den Flur des Trakts. Ein Wärter muss den Urin wegwischen. In Echtzeit schrubbt er den langen, schmalen Flur. Steve McQueen will zeigen, wie sich die Zeit mühsam dehnt. Die Strafe lässt nicht lange auf sich warten. Die Gefangenen werden brutal von extra dafür bestellten, militärisch ausgerüsteten Polizisten zusammen geschlagen. Mit ihren schwarzen Gummiknüppeln schlagen sie auf Metall, mehr als zwei Dutzend Stöcke. Steve McQueen lässt den Ton so laut anschwellen, dass es kaum auszuhalten ist. Dann wird es wieder leise. Bobby Sands, der Anführer des Hungerstreiks hat ein langes Streitgespräch mit einem katholischen Priester. Nach anfänglichen humorvollen kurzen Einwürfen verschärft sich das Gespräch zusehends. Es geht um Leben und Tod. Während der Priester einen Hungerstreik nicht gut heißen kann und will, ihn destruktiv findet, sieht Bobby Sands darin seine einzige Chance. Steve McQueen war es wichtig, den 22-minütigen (!) Dialog wie einen Schlagabtausch zu inszenieren: "...wie ein Jimmy Connors - John McEnroe Wimbledon Tennis Finale oder ein Frazer - Ali Kampf. Du weißt nicht wer Champion geworden ist. Es gibt keinen klaren Gewinner." Nach diesem intensiven langen Dialog verstummt Bobby Sands und mit ihm der Film.
Der dritte Teil, das Ende beginnt. Er widmet sich ganz dem Hungerstreik. Bobby spricht weder noch bewegt er sich viel, diese Ruhe übernimmt der Film, sowohl auf der Kamera- als auch auf der Tonebene. Lange ruhige Einstellungen zeigen den Körper Bobbys, der immer mehr verwest. Blutige Wunden wollen nicht mehr verheilen, er wird von Tag zu Tag knochiger. Steve McQueen erreicht sein hohes Ziel. Ihm gelingt es, durch seine Bilder und die Tonebene dem Zuschauer den brutalen Alltag im Gewöhnlichen und Außergewöhnlichen des H-Trakts näher zu bringen. Am Ende des Films steht Bobbys Tod. HUNGER ist eine mutige, kompromisslose Annäherung an das, was geschehen ist. Steve McQueen kümmert sich bei seiner Umsetzung in erster Linie nicht um filmische Konventionen, sonst würde er etwa nicht Handlungen in Echtzeit ohne Schnitt zeigen. Das Ergebnis seiner filmischen Untersuchung ist packend und beunruhigend.
Nana A.T. Rebhan







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HUNGER ist ein kompromissloser, zutiefst verstörender Film über einen Hungerstreik der IRA 1981. Er ist der Debütfilm des mit dem Turnerpreis ausgezeichneten englischen Künstlers Steve McQueen
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