Eine Mitarbeiterin des Freiburger Hygieneinstituts ging für uns auf Bakterienjagd - in der Wohnung einer fünfköpfigen Familie. Die Ergebnisse sind überraschend: Nur wenig Mikroben auf der Klobrille, ebenfalls kaum Bazillen auf der Türklinke. Der Spüllappen und das nasse Handtuch entpuppten sich dagegen als wahre Bazillenschleuder. Im feuchten Milieu gedeihen die Bakterien bestens. Da hilft nur häufig austauschen. Haufenweise Bakterien auch dort, wo keiner mit ihnen rechnet: auf der Schreibunterlage und auf der Computertastatur. Hier wimmelt es nur so vor Keimen - stärker als auf der Toilette. Aber weder das saubere Klo, noch die bakterienhaltige Computertastaturen stellen wirkliche Infektionsgefahren dar: Praktisch alle Keime, die man dort findet, verursachen überhaupt keine Infektionen.Putzen - auf die Mechanik kommt es an
Für die Bekämpfung der Keime zu Hause stehen schwere Geschütze zur Verfgung. Viele Hersteller werben mit der antibakteriellen Wirkung ihrer Produkte. Experten sehen das kritisch, und Untersuchungen konnten nachweisen, dass es beim Putzen auf die Mechanik und nicht auf die antibakteriellen Zusatzstoffe ankommt.
Man sollte also nicht gleich mit Kanonen auf Spatzen schießen. Denn einige der desinfizierenden Produkte enthalten außerdem Substanzen, die nicht nur für Bakterien gefährlich sind: Benzalkoniumchlorid zum Beispiel, ein Desinfektionsmittel, das Allergien auslösen kann. Wasserstoffperoxid - auch „aktiver Sauerstoff“ genannt – reizt die Haut. Ebenso Chlor, das sich in vielen Desinfektionsreinigern befindet. Um Bakterien abzutöten, müssen die Mittel lange genug auf sie einwirken. Das ist beim Wischen kaum möglich. Gelangen jedoch große Mengen der Mittel ins Abwasser, kann dies nützliche Bakterien in den Kläranlagen schädigen. Nicht zuletzt können desinfizierende Reiniger auch zu Haushaltsunfällen führen: Immer häufiger vergiften sich Kinder aber auch ältere Personen mit den scharfen Putzmitteln. Gefährliche Stoffe, die nichts im Haushalt zu suchen haben. Händewaschen - nicht nur nach dem Toilettenbesuch - bietet den besten Schutz vor den Krankheitserregern zu Hause. So hat es jeder selbst in der Hand, sich und andere vor Infektionen zu bewahren.
Infektionsgefahr im KrankenhausPatienten hoffen im Krankenhaus meist auf schnelle Heilung. Doch ausgerechnet hier besteht ein großes Risiko, sich Infektionen zu zuziehen. Für gesunde Menschen ist die Gefahr gering, aber für abwehrgeschwächte Personen stellen die Erreger eine Bedrohung dar. In der Klinik Georges Pompidou in Paris kam es im Jahr 2000 zu Infektionen durch Legionellen. Die Bakterien vermehrten sich im warmen Wasser und wurden von den Patienten beim Duschen eingeatmet. Einige von ihnen erkrankten an einer schweren Lungenentzündung.
Die gesetzlichen Verordnungen in Frankreich wurden weiterentwickelt und Kontrollen für alle Krankenhäuser gefordert. Die Maßnahmen halfen. Doch viele Erreger von Krankenhausinfektionen werden von den Patienten selbst in die Kliniken gebracht, und der erste Kontakt mit dem Arzt kann auch ein erster Kontakt mit den Keimen in der Klinik sein. Denn die Hände und alle Utensilien des Krankenhauspersonals können die Bakterien anderer Patienten tragen. Vor einer Krankenhausinfektion ist niemand sicher. Gefährdet sind vor allem junge Menschen, alte Menschen und solche, die schon mit einer anderen Erkrankung in die Klinik kommen. Die Häufigkeit liegt bei durchschnittlich 3,5 % in deutschen Kliniken, das ist jeder 30. Patient. Leider sind mit den besten Methoden der Krankenhaushygiene nur etwa ein Drittel aller Krankenhausinfektionen vermeidbar.
Wichtigste Gegenmaßnahme ist die Desinfektion der Hände. Denn die meisten Krankenhauskeime werden mit den Fingern übertragen – von den Ärzten oder dem Pflegepersonal auf den Patienten. Aber gerade am Händedesinfizieren hapert es manchmal. Statistiken aus der Vergangenheit haben gezeigt, dass es sehr häufig nicht im ausreichenden Maße durchgeführt wird. Schulungen des Klinikpersonals sollen Abhilfe schaffen. Die Desinfektion wird dabei mit einer fluoreszierenden Flüssigkeit nachgeahmt. Das Ergebnis im UV-Licht: Dunkle Stellen auf der Hand. Hier können noch Krankheitserreger lauern. Nur wenn die ganze Hand vollständig benetzt wird, gilt sie nach 30 Sekunden als ausreichend desinfiziert. Auch über Gegenstände können gefährliche Keime von Hand zu Hand wandern – und schließlich beim Patienten landen. Normales Putzen ist genügt hier nicht. Alle Dinge, die das Personal und der Patient häufig anfassen, müssen regelmäßig desinfiziert werden.
MRSA - einer der gefährlichsten KrankenhauskeimeIn der Klinik reicht Händewaschen nicht aus. Einer der gefährlichsten Krankenhauskeime ist der methicillin-resistenten Staphylococcus aureus, der sogenannten MRSA. Das Bakterium ist gleich gegen mehrere Antibiotika immun und lässt sich besonders leicht übertragen. Der normale Staphylococcus aureus lebt bei manchen Menschen in der Nase – ohne krank zu machen. Doch bei Abwehrschwäche kann er im Körperinneren schwere Entzündungen auslösen. Einige Bakterien veränderten ihr Erbmaterial, so dass gängige Antibiotika sie nicht mehr abtöten. Wenn diese resistenten Erreger zum Beispiel eine Lungenentzündung oder eine Wundinfektion auslösen, kann man sie nur schwer bekämpfen. Denn viele Medikamente helfen hier nicht mehr.
Liegt eine MRSA-Infektion vor, sollte der Patient möglichst rasch isoliert und mit speziellen Antibiotika behandelt werden. Da der Erreger gern unbemerkt die Haut besiedelt, braucht das Personal Handschuhe, Mundschutz und Kittel. All das bleibt im Zimmer zurück. Sonst besteht die Gefahr, dass sich die widerstandsfähigen Keime auf einer Station ausbreiten.
Weltweit nehmen Antibiotika-Resistenzen in Krankenhäusern zu
Eine Ursache ist der übermäßige und falsche Einsatz von Antibiotika. Werden die Medikamente künftig nicht gezielt gegen die jeweiligen Krankheitserreger eingesetzt, kann sich die Situation weiter zuspitzen. In Deutschland rechnen Experten bei bis zu 20 % der Staphylokokken-Infektionen mit den antibiotikaresistenten Staphylokokken. Diese Zahl ist im europäischen Vergleich noch niedrig. Dramatisch ist jedoch, das Deutschland und auch Österreich nach dem neuesten Bericht einer europäischen Antibiotika-Resistenzstudie den stärksten Anstieg an antibiotikaresistenten Staphylokokken aufweist.
Die Zahlen sind alarmierend. Auch in vielen französischen Krankenhäusern ist der gefährliche MRSA-Erreger bereits stark verbreitet. Die Rate der methicillin-resistenten Staphylokokken beträgt hier bereits 40 – 45 % . Doch Experten haben den resistenten Keimen den Kampf angesagt.
Inzwischen nimmt man in vielen französischen und deutschen Kliniken Kontrollabstriche bei Patienten mit MRSA-Verdacht. Das Ziel ist, infizierte Personen möglichst frühzeitig zu isolieren. Droht eine MRSA-Epidemie in einer Klinik, erstellen die Forscher einen genetischen Fingerabdruck der Bakterien. So können sie deren Ausbreitungswege entlarven und effektiv gegen die Keime vorgehen. Die Resistenzrate in Frankreich ist dadurch in einigen Krankenhäusern auf 30 – 35 % gesunken.
Insbesondere bei der Intensivversorgung besteht eine große Gefahr, dass sich Antibiotika-Resistenzen verbreiten. Die Patienten sind meist infektionsanfällig und brauchen oft Antibiotika. Die Ursache: Durch Schläuche können Bakterien leicht in den Körper gelangen. Wundinfektionen, Lungenentzündungen und Harnweginfektionen sind häufig die Folge. Auch hier gilt: Antibiotika sollten gezielt gegen die Erreger eingesetzt werden. Außerdem ist peinlichste Sauberkeit ein Muss.Vor allem im Operationssaal muss alles so keimfrei wie möglich gehalten werden. Bei Operationen am Knochen ist der Aufwand besonders groß, da es hierbei unter Umständen zu gefährlichen Entzündungen kommen kann. Denn selbst nach der besten Desinfektion ist die Haut nie völlig frei von Keimen. Das Skalpell trägt sie in die Tiefe, und Keime, die bis zum Knochen vordringen, können in dem empfindlichen Gewebe noch nach Jahren zu folgeschweren Infektionen führen.
..................................................................................................................
HIPPOKRATES - Gesundheitsmagazin
Dienstag, 05. April 2005 um 14.45
Redaktion: Heidemarie Petters Koproduktion ZDF -ARTE G.E.I.E.






per E-Mail verschicken
Facebook
Twitter
RSS

